Boxberg

Leserbrief Zu „Gegen Verordnung verstoßen“ (FN 2. Mai)

„Das war keine gute Idee“

Archivartikel

Als ich am Freitag in der SWR-App las, das Ex-Bürgermeister Thomas Maertens bei seinem Abschied im Rathaus in Lauda eventuell gegen die Corona-Verordnung verstoßen hat, war ich doch sehr verwundert und sehr gespannt, was die Fränkischen Nachrichten darüber zu berichten haben.

Als ich dann am Samstag den Erklärungsversuch von Herrn Maertens las, war ich nur noch wütend.

Wenn es „ein Gebot der Menschlichkeit“ ist, sich nicht „einfach sang- und klanglos aus dem Staub zu machen“, was bitteschön erklären Sie, Herr Maertens, dann langjährigen Weggefährten, Nachbarn, Enkeln, die nicht an der Beerdigung des Opas oder der Oma teilnehmen dürfen und auf eine Abschiedszeremonie verzichten müssen?

Oder den Brautpaaren, die entscheiden müssen, wer mit zum Standesamt darf?

Die vielen runden Geburtstagsfeiern, die nicht stattfinden, obwohl es in manchen Fällen vielleicht der letzte ist?

Väter, Geschwister, Großeltern die Neugeborene nicht im Krankenhaus besuchen dürfen?

Angehörige, die Sterbende alleine lassen müssen?

Das ist alles weniger menschlich? Ein Satz fällt in den letzten Wochen immer wieder , „aber es geht ja allen gleich“ und genau das ist ein großer Trost. Aber im Rathaus in Lauda-Königshofen ist man da wohl gleicher.

Während überall in den Verwaltungen in Schichten gearbeitet wird, damit man sich nicht trifft, Türen geschlossen bleiben, Besprechungszimmer in Büros umgewandelt werden, scheint im Rathaus zu Lauda das gesellschaftliche Leben munter weiterzugehen. Es haben „nur Mitarbeiter der Stadtverwaltung teilgenommen (. . .), die sich ohnehin jeden Tag über den Weg laufen“.

Mehr als 40 Mitarbeiter!

Nein, Herr Maertens, das war keine gute Idee. So bleiben Sie, zumindest bei mir, als unsolidarisch, unsensibel und egoistisch in Erinnerung.

Hätten Sie doch zum Abschied jedem ihrer Mitarbeiter einen persönlichen Dankesbrief geschrieben oder alle in Nach-Coronazeiten zum Grillen im heimischen Garten eingeladen.

Das wäre ein schöner Abschluss gewesen!