Boxberg

Engagierte Übungsleiterin Christa Frank hat vor fast 45 Jahren mit Mädchenturnen und Leichtathletik begonnen – heute „trainiert“ die Schwabhäuserin die Seniorengymnastikgruppe

Breitensport mit vielen Facetten ausgebaut

Sport ist aus dem Alltag von Christa Frank nicht wegzudenken. Seit fast 45 Jahren ist sie Übungsleiterin beim TSV.

Schwabhausen. Leichtathletik, Schwimmen, Turnen: Wenn Christa Frank vom Sport erzählt, geht ihr das Herz auf. Und sie hat viel zu erzählen. Die Schwabhäuserin ist seit mehr als vier Jahrzehnten aktiv beim TSV als Übungsleiterin. In dieser Zeit hat sie schon viele unterschiedliche Gruppen betreut und den Freizeitsport nicht nur geprägt, sondern auch mit vielen Facetten erweitert und ausgebaut.

Angefangen hat alles 1975. Damals rief Christa Frank das Geräteturnen für Mädchen wieder ins Leben. „Die Sportgeräte waren ja alle da. Sie mussten nur wieder genutzt werden.“ Für die Jungs bot sie zudem Leichtathletik an.

Sprint, Ballwurf, Speerwurf und Weitsprung standen an. Gerechnet hatte sie mit wenigen Kindern, gekommen war eine große Schar von insgesamt 50 – was sie heute noch mit Stolz erfüllt. „Wir waren sogar sehr erfolgreich“, erzählt sie von vielen Siegen und Topplatzierungen bei Wettbewerben im Main-Neckar-Turngau.

Und auch die Leichtathleten glänzten mit guten Leistungen. „Wir haben Badische Meister hervorgebracht und konnten mit Assamstadt und Lauda gut mithalten“, erinnert sie sich. Selbst bis in die Nachbarorte hatte sich ihr Ruf herumgesprochen und die Kinder kamen zum Training. Schade fand sie, dass viele Jungs von der Leichtathletik schließlich zum Fußball gewechselt sind. Weil sie 1986 nach der Kinderpause wieder in den Beruf eingestiegen ist, gab sie die Leitung des Geräteturnens ab, die heute Sabine Steinbach innehat.

Vorführungen bei Festen

Bei zahlreichen Festen und Vereinsfeiern waren „ihre“ Kinder mit dabei, zeigten bei Vorführungen ihr Können – ob Sportplatzeinweihung 1986, Faschingsveranstaltungen, Jubiläen. Die 68-Jährige blättert durch die Fotoalben, schwärmt und plaudert. Dann findet sie ein Bild vom Männerballett. „Auch das habe ich mal trainiert“, schwelgt sie in schönen Erinnerungen.

Weil die Mädchen in so großer Zahl an den Wettkämpfen im Geräteturnen teilnahmen, kam die Frage nach einem Kampfrichter aus Schwabhausen auf. „Es war niemand anderes da, also habe ich das gemacht.“ Damit musste aber die Betreuung der jungen Teilnehmerinnen neu geregelt werden. Auch hier war Christa Frank ganz pragmatisch: „Wenn sonst niemand mitgehen konnte, haben die älteren auf die jüngeren Kinder aufgepasst.“ Zur Übungsleiterin im Freizeitsport kam die aktive Turnerin und Schwimmerin eher zufällig. „Du kannst das doch“, hieß es damals. Und Christa Frank konnte und wollte. Ihre „Methodik“ hat sie von ihren früheren Trainern übernommen. Die gebürtige Adelsheimerin hat weitergegeben, was sie als junge Turnerin selbst gelernt hatte. Seit 1982 besucht die Übungsleiterin regelmäßig Lehrgänge und bildet sich weiter.

„Ich bin neugierig und probiere gerne aus.“ Von den mehr als 120 Fortbildungen hat sie jede Menge Anregungen mitgebracht. Von Step-Aerobic über Kickboxen bis Yoga wurde vieles in die Übungsstunden eingebaut. Auch asiatische Kampfsportarten habe sie versucht umzusetzen. „Aber das war nicht ganz so passend“, fand sie.

Vieles ausprobiert

Ihr ist beim TSV auch die Frauengymnastik-Gruppe zu verdanken. „Die haben wir auch in den 1970er Jahren gegründet.“ Seit 25 Jahren zeichnet Christa Frank zudem für die Seniorengymnastik verantwortlich. „Nach der Einladung im Amtsblatt waren 30 Frauen da, ich war total überrascht.“ Davon sind heute noch rund die Hälfte dabei, einige neue nachgekommen. Bei den älteren Damen geht es ruhiger zu, aber nicht weniger engagiert.

Fasziniert von der Bewegung

Was Christa Frank am Sport fasziniert? Die Bewegung, vor allem zur Musik. Als Jugendliche hatte sie selbst Geräteturnen mit großer Begeisterung betrieben. Nur den Schwebebalken habe sie nicht so gerne gemocht. Und sie hat noch eine andere Erklärung für ihren Tatendrang. „Ich bin ein Steinbock. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann will ich das auch schaffen.“ Sie ist überzeugt, ein Gespür dafür zu haben, wie man den Nachwuchs richtig fordert und damit fördert. „Wenn das Ziel nicht erreicht wurde, bin ich mit mir selbst unzufrieden.“ Unterstützung für ihr sportliches Engagement brauchte sie von der Familie, „sonst wäre das nicht möglich gewesen“. Aber für sie sei dies die Möglichkeit gewesen, abzuschalten und neue Kraft zu tanken.

Die soziale Ader sei bei ihr sehr stark aufgeprägt, meint die gelernte Einzelhandelskauffrau, die 1971 nach der Heirat zu ihrem Mann Manfred nach Schwabhausen zog. Zuvor hatte sie als 14-Jährige in Adelsheim schon eine Jungschargruppe geleitet und 1969 ein Jahr lang mit an Epilepsie leidenden Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Zudem ist sie ehrenamtlich im Pflegeheim aktiv, bietet Stuhlgymnastik oder auch Rückenschule an. „Die Senioren freuen sich, und das gibt mir Kraft“, strahlt sie.

Auch wenn die zweifache Mutter in anderen Vereinen und Institutionen, darunter auch sechs Jahre im Kirchengemeinderat, aktiv und mit viel Enthusiasmus dabei war und noch ist – ihr Herz schlägt doch besonders für den Sport. Auch mit 68 Jahren noch. Sie hält es mit Turnvater Jahn: „Frisch, fromm, fröhlich, frei.“ Für ihr Engagement um den Breitensport gab es schon zahlreiche Auszeichnungen. „Ans Aufhören denke ich noch lange nicht“, lacht Christa Frank ihr ansteckendes Lachen. Auf dem Tisch liegen schon die Unterlagen für die nächsten Seminare mit vielen neuen Ideen, die sie mit ihrem Gruppen ausprobieren will.