Boxberg

Evangelische Kirche Veranstaltungsreihe „Kairos für die Schöpfung“ will das Bewusstsein der Gläubigen für ein nachhaltiges Leben sensibilisieren

Bewusst mit und für die Schöpfung leben

Pfarrer Dr. Heiner Kücherer in Unterschüpf will mit der neuen Veranstaltungsreihe „Kairos – Zeit der Entscheidung“ den ökologischen Aspekt des Glaubens in den Fokus stellen.

Unterschüpf. Kairos!? Der Begriff dürfte nur den wenigsten Gläubigen geläufig sein. „Kairos beschreibt eine besondere Zeit, die sowohl gut als auch krisenhaft sein kann. Aber es ist auch eine Zeit, die Verheißung bringt, starke Impulse freisetzt und eine neue Gotteserfahrung möglich macht“, erklärt Rüdiger Krauth, der Dekan des Kirchenbezirks Adelsheim/Boxberg. In der Kairos-Perspektive frage man nicht mehr, „Was kann ich tun?“, sondern „Welcher Initiative schließe ich mich an?“ oder „Welche Strategie verfolge ich?“.

Ökologische Transformation

Für Rüdiger Krauth als auch den Initiator der Veranstaltungsreihe „Kairos für die Schöpfung“, Pfarrer Dr. Heiner Kücherer, ist momentan eine Zeit, in der Entscheidungen notwendig sind. „Die Kirche predigt und tut auch etwas“, nennt der Dekan den Glaubensansatz, der ihm in der heutigen Zeit geboten scheint. „Der Klimawandel stellt die tieferliegende Krise als die Corona-Pandemie dar“, ergänzt Dr. Heiner Kücherer. „Notwendig ist eine entsprechend tiefgreifende ökologische Transformation der Gesellschaft.“ Appelle zur ökologischen Vernunft reichten deshalb nicht mehr aus. Die Herzen, Köpfe, Einstellungen, Gewohnheiten und das Handeln der Menschen müssten verändert werden. „Im Klimawandel geht es eigentlich um die Wandlung des Menschen, einer Abkehr von Verfügen und Besitzen der Natur hin zu Resonanz und Teilhabe, also weg vom Benutzen der Natur, hin zum sich Kümmern.“

Wie soll das nun im Rahmen einer Veranstaltungsreihe oder durch Seminare gelingen?

Pfarrer Dr. Heiner Kücherer fügt ein Beispiel aus seinem eigenen Leben an: „Dekan Rüdiger Krauth hat iniziiert, dass den Pfarrern im Kirchenbezirk Adelsheim/Boxberg ein E-Bike als Dienstfahrzeug zu Verfügung gestellt wird, also auch mir. Für mich war das der Impuls, mein Leben und meine Mobilität zu überdenken und auf den Prüfstand zu stellen. Die Folge: Ich und meine Frau haben unsere beiden Autos verkauft und uns einem Car-Sharing-Pool angeschlossen. Meine Fahrten von meinen Wohnort Bad Mergentheim zu meinen Pfarreien erledige ich komplett, Sommer wie Winter, mit dem E-Bike.“

Und genau hier will der evangelische Pfarrer ansetzen: „Wir wollen einen Impuls geben, der an die ökologische Vernunft appelliert und den jeder in seinem Leben umsetzen kann. Gleichzeitig möchten wir dem Einzelnen die Furcht davor nehmen, indem wir ihm das Gefühl geben, dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen.“ Ziel sei es, einen neuen Gemeinwohlbegriff im Bewusstsein der Gläubigen zu verankern, der nicht nur sozial motiviert ist, sondern auch Natur und Ökologie gleichberechtigt einbezieht.

Pfarrer Kücherer und Dekan Rüdiger Krauth sehen in dem Netzwerk aus Kulturkirche, Evangelischer Erwachsenenbildung und Pfarrhaus mit Naturgarten den idealen Nährboden für den Wandel und den Aufbruch. „Wir haben hier Erlebnisräume, die den Blick für neue ökologische Perspektiven öffnen können“, ist Kücherer überzeugt. Verschiedene Ansatzpunkte könnten ineinandergreifen, um ökologische Fragestellungen zu beantworten. In erster Linie sei dies die Frage, wie Kirche gemeinschaftlich Teilhabe an der Natur mit neuen ökologischen Modellen bewirken kann. Dabei gehe es darum, verschiedene Ebenen in ein Miteinander zu überführen.

„Die Veranstaltung will ein Zeichen setzen, dass die Kirche in einer Krisenzeit sich nicht aufs Jammern beschränkt und sich zurückzieht, sondern offensiv die Dinge angeht und ökologisch wie auch sozial Impulse setzt“, sagt der Dekan. Dies soll in erster Linie durch sinnliche Erfahrungen, wie Konzerten, Stimmbildungskursen, dem offen Atelier im Naturgarten oder einem Tag der offenen Tür im Pfarrgarten sowie durch naturnahes Catering erfolgen, ergänzt Kücherer. Gerade der naturnahe Garten mit seinen über 30 Vogelarten sei seiner Meinung nach ein Ort für Inspiration, der Ausgangspunkt für eine neue Schöpfungsgemeinschaft sein kann.

Ökumenisches Anliegen

Sowohl Dekan Krauth als auch Pfarrer Dr. Kücherer ist klar, dass sie mit der Veranstaltungsreihe „Kairos für die Schöpfung“ ihren Gemeindegliedern einiges abverlangen, nämlich die Offenheit, sich auf Modelle nachhaltigen Lebens einzulassen.

Krauth hofft, dass die Unterschüpfer Kirche bei diesem sich auf den Weg machen zu einem Leben mit und für die Schöpfung, zahlreiche Wegbegleiter findet. „Es ist eigentlich ein ökumenisches Thema und auch Anliegen. Deshalb hoffe ich, dass die evangelische und die katholische Kirche hier zusammenarbeiten und gemeinsam etwas bewirken.“

Die Programmpunkte

Die Veranstaltungsreihe beginnt am Sonntag, 20. September, um 17 Uhr in der Kulturkirche Unterschüpf mit dem Impulsvortrag „Kairos für die Schöpfung: Die ökologische Entscheidung“ in der Kulturkirche. In Wuppertal-Barmen hatten sich im vergangenen Jahr viele internationale Kirchen, Basis- und Umweltinitiativen getroffen, um die Rolle der Kirchen in der Klimakrise zu beraten. Die daraus resultierende Erklärung „Kairos für die Schöpfung“ ist ein dringlicher ökumenischer Ruf, zugunsten der Schöpfung Entscheidungen nachhaltig zu handeln.

Pfarrer Dr. Heiner Kücherer führt in die Theologie der Kairos-Bewegung ein und stellt Handlungsperspektiven dar.

Eine Anmeldung ist unter Telefon 07930/367 oder info@kulturkirche-unterschuepf.de erforderlich.

„Eine ökologische Nacht: eine Klangliturgie“ heißt es am Freitag, 25. September, um 20 Uhr in der Kulturkirche in Unterschüpf.

Unter dem Titel „Vom Pfarr- zum Naturgarten“ findet am Sonntag, 4. Oktober, von 9.30 bis 15.30 ein Tag der offenen Tür rund ums Pfarrhaus in Unterschüpf statt. Warum gibt es an der Kulturkirche einen Wildwiesenabschnitt, der nicht gemäht wird? Wie viele Nistkästen sind im Pfarrgarten? Welcher Laub-, Grünschnitt- und Steinhügel hat welche Funktion? Was verbirgt sich hinter dem Pfarrgarten am Mühlkanal? Welches Potenzial an Ökologie und Spiritualität sind mit dem Gelände rund um die Kulturkirche noch zu heben?

Diese Fragen sollen an Erntedank beantwortet werden. Der Tag startet mit einem Gottesdienst um 9.30 Uhr in der Kirche. Danach folgen Führungen, ein Kinderatelier, ein kurzes Konzert und eine Familienandacht. Für ein naturnahes, kleines Catering nach Gottesdienst und Familienandacht (15 Uhr) ist gesorgt.

Folgende Themengottesdienste unter dem Titel „Messianische Bilder der Schöpfung“ sind vorgesehen:

11. Oktober, 10 Uhr: „Das Fest der Schöpfung“, Schlossgarten Oberschüpf;

18. Oktober, 9.30 Uhr: „Die Welt als Tanz“, Kulturkirche Unterschüpf;

31. Oktober, 19.30 Uhr: „Das Spiel der Weisheit“, Kulturkirche Unterschüpf.