Bad Mergentheim

Leserbrief Unterschiedliche Kostensätze beklagt / Personal wird abgeworben

Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Pflege – das darf nicht sein?

Unterschiedliche Tagessätze für dieselbe Leistung! Meine Mutter benötigt stationäre Pflege. Ende November erhielt ich die Nachricht, dass sich die Kosten erhöhen sollten. Das war der Anlass für mich, sich dieses Thema anzunehmen.

Beim Vergleich mit anderen Einrichtungen fiel auf, dass die Zuzahlungen um bis zu 35 Prozent differieren!

Ich bin mit der Pflege meiner Mutter sehr zufrieden, höfliche und zuvorkommende Mitarbeiter, egal ob in der Pflege oder im Sozialdienst, in der Hauswirtschaft oder anderen Bereichen.

Die Mitarbeiter lachen miteinander und mit den Bewohnern und man merkt den guten Geist in dieser Einrichtung. Auf meine Frage hin, ob es einen Unterschied wegen der unterschiedlichen Kosten gibt, wurde dies verneint!?

Auf Nachfrage bei der Geschäftsführung wurde mir mitgeteilt, dass die Unterschiede in den Tagessätzen von den Verhandlungen und den Privatträgern abhängen würden, was vor allem im Main-Tauber-Kreis zu Nachteilen führt.

Das Ganze wird auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen! Da die Differenzen hauptsächlich in den personalintensiven Bereichen gemacht werden, in denen der Lohnkostenanteil bis zu 80 Prozent beträgt.

Auch Pflegemitarbeiter haben mir berichtet, dass sie auf verschiedenen Ebenen kontaktiert wurden und Angebote erhielten (mehr Gehalt), wenn sie in eine andere Einrichtung wechseln. Da werden den Mitarbeitern sogar Prämien bezahlt, wenn sie jemanden zum wechseln motivieren – wie es in den 1970er Jahren bei der Bundeswehr üblich war, dass Kopfgeldprämien für eine Verpflichtung zum Zeitsoldat bezahlt wurden.

Auf die Frage an die Mitarbeiter, warum sie für weniger Geld in dieser Einrichtung arbeiten, wurde mir gesagt: „Wir kennen andere Einrichtungen aber in keiner wird so viel Rücksicht auf die Mitarbeiter, deren Kinder und so weiter genommen wie hier. Solange wir es uns leisten können, bleiben wir hier. Wenn nicht, gehen wir in die Industrie, um genug Geld zu verdienen.“

So kann man gutes Personal auch aus der Pflege treiben. Ist das, dass christliche und soziale Verständnis des Main-Tauber-Kreises Herr Landrat? Mein Gerechtigkeitsbild ist erschüttert, denn für mich bedeutet gleiche Leistung für alle, dass es keine Unterschiede für soziale oder christliche Einrichtungen gegenüber den Privaten Trägern gibt!

Ich habe gelernt, nur das Geld auszugeben, das ich habe. Wenn natürlich Preise so drastisch gedrückt werden, kann niemand, ohne erhebliche Qualitätsverluste die selben Löhne finanzieren.

Reicht die Kirchensteuer nicht aus, die Kirchen zu finanzieren? Müssen sich jetzt auch noch motivierte Pflegekräfte wegen Machtspielchen der sozialen Behörden finanziell benachteiligen lassen?

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