Bad Mergentheim

Leserbrief Zu „Landwirtschaft bleibt ein Spannungsfeld“ (FN, 11. Januar)

Zu wenig Lobby für die kleinen Bauern

Mit großem Interesse verfolge ich seit Wochen die unterschiedlichsten Beiträge zu den aktuellen landwirtschaftlichen Themen, sei es in Bezug auf Tierschutz in Verbindung mit dem Bauvorhaben eines Masthähnchenstalls in Creglingen, den Sorgen und Herausforderungen der Bauern in Bezug auf Umwelt- und Klimaschutz oder den Anforderungen aufgrund geänderter gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen.

Trotzdem oder vielleicht gerade aufgrund der differenzierten Auseinandersetzung mit diesen Themen sind mir die grünen Kreuze am Wegesrand ein Dorn im Auge, sind sie doch unter anderem durch den Landwirt und Manager „Bauer Willi“ initiiert worden, um im stillen Protest für mehr Wertschätzung ihrer Arbeit bei der Bevölkerung zu werben. Unterstützt wird diese Aktion von diversen Bauernverbänden.

Ich beginne mal mit den Bauernverbänden, denn meinem Eindruck nach sind sie schon seit Jahren nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Obwohl sich Bauernpräsident Rukwied in seinen Reden regelmäßig auf die kleinen Bauern beruft, sind genau deren Interessen im politischen Betrieb des obersten Bauernverbands zunehmend zweitrangig. Hier wird vielfach Lobbyismus zum Wohle der Agrarindustrie und nicht mit Blick auf den einzelnen Landwirt gemacht.

Ich möchte einen weiteren Aspekt beleuchten, der mir in den jüngsten Berichten zu wenig herausgearbeitet wurde: Das ökonomische System ist im landwirtschaftlichen Bereich nicht nur gestützt durch Angebot und Nachfrage. Subventionen sind hier seit Jahrzehnten ein zusätzliches Regulativ, das insbesondere hinsichtlich der steigenden Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz auch in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen muss. Um aber Subventionen an Tier- oder Umweltschutz zu koppeln, wären grundlegende Reformen der EU-Agrarsubventionen notwendig.

Bisher wird im wesentlichen nach Größe und Fläche verteilt. Auch hier verlieren die kleinen Betriebe. Am Rande sei angemerkt, dass es nach wie vor irritierend erscheint, dass die größten Empfänger von Subventionen nicht Landwirte sind, sondern Institutionen, Ministerien, Erzeugergemeinschaften und Unternehmen wie die Molkereikonzerne Friesland-Campina und Arla Foods. Für Interessierte nachzulesen unter www.agrar-fischerei-zahlungen.de, hier werden seit 2017 die Empfänger von Subventionen veröffentlicht.

Gesunde und wertige Lebensmittel, Umwelt- und Klimaschutz – die Herausforderungen sind gewaltig. Ich möchte am Ende die Einschätzung von Herrn May-Stürmer vom BUND Heilbronn nochmals herausstellen: „Beim Preiskampf zwischen Massenangebot und Nachfrage, kann kein regionaler Betrieb gewinnen“.

Werte Landwirte, meine Wertschätzung ist Ihnen gewiss.

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