Bad Mergentheim

Haus am Sonnenberg Ein Jahr nach Spatenstich rollen die Bagger für Ersatzneubau / 12-Millionen-Projekt entsteht auf Fläche von 6300 Quadratmetern

Zu früh die Korken knallen lassen

Archivartikel

Das Haus am Sonnenberg bietet psychisch kranken Menschen, die oft nicht mehr geheilt werden können, eine Bleibe. Diese ist jedoch in die Jahre gekommen. Der Ersatz-Neubau kommt langsam voran.

Igersheim/Bad Mergentheim. Eigentlich ist ein Spatenstich ein Festakt, der unmittelbar vor dem Beginn von Bauarbeiten zelebriert wird. Manchmal rollen direkt im Anschluss die schweren Geräte. Dann ist auch mal von einem „Baggerbiss“ statt einem Spatenstich die Rede. Die GmbH Haus Sonnenberg feierte im Mai 2019 den Baubeginn ihres neuen Hauptdomizils. Erst jetzt beißen die Bagger. Geschäftsführerin Roswitha Hofstetter erklärt im Gespräch mit den FN wieso.

Einspruch gegen Bebauungsplan

„Unser Pflegeheim ist abgewohnt“, sagt Roswitha Hofstetter über ihre Einrichtung aus den 60ern. Schon vor einiger Zeit ging die GmbH deshalb in die Planung für einen Neubau. Einen geeigneten Bauplatz für das Zwölf-Millionen-Projekt fand die Geschäftsführerin mit dem Areal der ehemaligen Igersheimer Jugendherberge.

Rückblickend betrachtet war es wohl etwas zu früh, schon an diesem Punkt die Korken knallen zu lassen. Kaum feierte das Pflegeheim Spatenstich, da gab es auch schon Einspruch gegen den Bebauungsplan. Treibende Kraft waren die Kitzbergkliniken, die sich in direkter Nähe des Baugebietes befinden.

„Rapide ansteigende Preise“

Als Nächstes machte dem Haus Sonnenberg die Ausschreibung Sorgen. „Diese Zeit war geprägt, durch rapide ansteigende Preise für Bauleistungen, weshalb es nötig war, Alternativen zu prüfen, um die veranschlagten Kosteneckpunkte einhalten zu können“, erklärt Daniela Uhl, stellvertretende Heimleiterin. Und Hofstetter: „Auf die erste Ausschreibung kamen keine Angebote.“ Bei der zweiten seien diese viel zu teuer gewesen. „Bei den Preisen wurde mir ganz schlecht.“ Ein adäquates Angebot brachte erst der dritte Anlauf. Im November legten die Baufirmen Breitenbach (Tiefbau) und Boller (Beton/Rohbau) Kostenvoranschläge vor, die im Rahmen des Budgets waren. Ein Baustart im Winter wäre jedoch nicht optimal gewesen.

Dann habe es noch die eine oder andere bürokratische Hürde gegeben. Unter anderem mit dem Geldinstitut: „Das war aber weder unsere Schuld noch die der Bank“, erklärt Hofstetter. Eine neue Brandschutzverordnung, speziell für Einrichtungen wie das Haus Sonnenberg eine ist, habe eine Überarbeitung des Bauplans nötig gemacht. „Auch hier sind noch einmal zwei Monate ins Land gezogen“, so Hofstetter.

Nun, ein Jahr später, rollen sie seit dem 2. Juni endlich, die Bagger. „Eigentlich hatte ich mit August 2018 gerechnet“, erklärt Hofstetter. „Was lange währt, wird endlich gut“, lacht die Geschäftsführerin.

Außerdem gestalte sich die Kostenrechnung aufgrund der Corona-Pandemie nun sogar ziemlich günstig (Stichwort: Mehrwertsteuer). Der Neubau soll sich einmal über eine Fläche von etwa 6300 Quadratmetern erstrecken. Insgesamt seien mindestens drei große Therapieräume geplant (jeweils 400 Quadratmeter Fläche). Es soll drei Etagen geben. Jedes Stockwerk werde Platz für 30 Patientenbetten bieten, die jeweils auf zwei unterschiedliche Stationen verteilt werden.

Die Zahl der Pflegeplätze (55) wird somit auf 90 erhöht. Die Bewohner des alten Gebäudes werden dann alle umziehen – in Einzelzimmer.

Nur noch Einzelzimmer

Zwei-Bett-Zimmer seien aufgrund einer recht neuen Auflage für Pflegeheimneubauten nicht mehr möglich. Das bedeutet zwar mehr Komfort und Privatsphäre – „für die Menschen, die teilweise schon seit zehn Jahren zusammen wohnen wird das aber ein großer Einschnitt sein.“ Darüber hinaus werde es eine zusätzliche Belastung für die ohnehin „nicht so dicke Personaldecke“. Ein Extra-Paar Augen auf den Zimmern sei im Heimalltag sehr hilfreich.

Wann umgezogen, beziehungsweise der Ersatzneubau fertiggestellt sein wird, diese Frage kann die Geschäftsführerin des Hauses Sonnenberg zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten.

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