Bad Mergentheim

Gottesdienst auf dem Drillberg 100 Besucher lauschen der Festpredigt von Pfarrerin Regina Korn

„Wir brauchen ein Fenster zum Himmel“

Bad Mergentheim.Es gibt wieder öffentliche Gottesdienste – trotz Corona. Zum ersten evangelischen „Gottesdienst im Grünen“ im Raum Bad Mergentheim trafen sich an Himmelfahrt rund 100 Besucher auf dem Spielplatz am Drillberg.

„Das war schöner als in der Kirche“, äußerte am Ende eine Besucherin die ansprechende Gottesdienste im Gotteshaus daheim wohl zu schätzen weiß. Die Atmosphäre auf dem weiten Platz mitten im Wald sei einfach anders – sie fühle sich wohl in der großen Gemeinschaft der Christen. Die Feier war ja auch veranstaltet vom Bad Mergentheimer Kirchendistrikt, zu dem (außer Markelsheim) alle Ortschaften der Stadt und der Gemeinde Igersheim gehören.

Einiges war anders

Auf dem Drillberg triffen sich die Gläubigen in jedem Jahr an Himmelfahrt, das ist bewährte Tradition. Fröhliche Menschen füllen den Platz, Familien lagern sich zwischen den Spielgeräten, Radfahrer lassen sich blicken und Hunde und zuweilen auch einmal ein Pferd zeigen sich unbeeindruckt von der großen Versammlung. Diesmal allerdings war coronabedingt doch einiges anders. Gleich am Eingang wurden die Hände mit Desinfektionsmittel besprüht und Name und Telefonnummer für den Fall der Rückverfolgung einer Infektion festgehalten. Mund- und Nasenschutz war für die meisten Gäste selbstverständlich. Weit auseinander standen die Bänke, denn der Mindestabstand von zwei Metern sollte eingehalten werden. Schließlich konnte die staatlich verordnete Höchstzahl von 100 Personen (einschließlich der Mitwirkenden) gerade noch eingehalten werden. Für den Vertreter des städtischen Ordnungsamts, wäre er vorbeigekommen, hätte es keinen Grund zu einer Beanstandung gegeben.

Zwei erfahrene Musiker sorgten für den festlichen Klang: Dr. Klaus Stumptner (Trompete) und Regine Burdinski (Akkordeon). Ein ganzer Posaunenchor, wie sonst üblich, wäre nach den bis kurz zuvor geltenden Corona-Vorschriften nicht erlaubt gewesen. Gestaltet wurde der „Gottesdienst im Grünen“ von Pfarrerin Regina Korn, Bad Mergentheim, und Pfarrer Bernd Rampmeier, Neunkirchen, der mit seinem Mitarbeiterteam auch für die Organisation und Vorbereitung zuständig war.

Gemeinsames Singen ist unmöglich zu Corona-Zeiten. Kein Problem: Zum „innerlichen Mitsingen und Mitsummen“ der vom Trompeter intonierten Lieder lud Regina Korn ein – und manch einer ließ es sich nicht nehmen, dies sehr hörbar zu tun. „Wie lieblich ist der Maien“ erfüllte so schnell den großen begrünten Raum.

Gott scheint manchmal weit weg

Dass das mehr bedeutet als die blühende Natur, machte die wohlbedachte und aktuelle Predigt deutlich. „Wir brauchen ein Fenster zum Himmel“, stellte die Pfarrerin fest. Gerade die Himmelfahrt zeige, wie man den vertrauten Gott doch manchmal als weit weg und fern erlebe. Beides müsse man zusammendenken und könne man im Leben erfahren. Dann allerdings sollte man auch erkennen, wie es anderen Menschen geht. „Es ist für mich befremdlich“, so Regina Korn, „dass die Frage nach dem Sommerurlaub im Moment anscheinend eine der wichtigsten Fragen ist, die Menschen hierzulande beschäftigt“.

Dabei seien Menschen in aller Welt noch stark von der Corona-Epidemie mit all ihren Schrecken betroffen. „Gerade wer in den Himmel schaut, kann die Wirklichkeit um sich herum wahr- und ernst nehmen“.

Die Liebe Gottes überwinde Distanz und schaffe innere Nähe.

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