Bad Mergentheim

Jahreskalender 2018 Historische Ansichten aus Privatbesitz geben Einblicke in das Leben früherer Zeiten in Bad Mergentheim / Mit Mütze und Mantel im kalten Kursaal

Wintermantel und Fee wärmen Kinderherzen

Archivartikel

Bad Mergentheim.Stadtarchivarin Christine Schmidt hat in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt einen Jahreskalender 2018 erstellt, der vor allem Alltagsszenen aus dem letzten Jahrhundert zeigt.

Man kann ihn an die Wand hängen und jeden Monat ein Blatt abreißen oder nach hinten klappen und sehen, was auf der nächsten Seite abgebildet wird. Man kann ihn aber auch einfach nur auf den Tisch legen oder in einer Schublade aufbewahren. Auf jeden Fall wird man aber eines von Anfang an immer wieder tun: darin blättern, die Bilder betrachten und die kurzen, erklärenden Bildunterschriften mit Interesse lesen.

Die Rede ist nicht von irgendeinem der vielen Kalender, die es vor Beginn des neuen Jahres zu kaufen gibt, sondern vom Jahreskalender 2018 mit historischen Ansichten aus Bad Mergentheim.

Druckfrisch

Er wurde unter der Federführung von Stadtarchivarin Christine Schmidt in Zusammenarbeit mit dem Verein Geschichtswerkstatt Bad Mergentheim erstellt und ist jetzt druckfrisch im Stadtarchiv, in der Tourist-Information und in der Buchhandlung Moritz und Lux erhältlich.

Während das Titelblatt des querformatigen Kalenders mit einer Bildseite für jeden Monat eine historische Ansicht der Stadt Bad Mergentheim (Oberer Markt) zeigt, stehen auf den Fotos im Kalender vor allem die, man möchte fast sagen, "kleinen Leute" im Zeitraum von den 20er bis zu den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts im Mittelpunkt.

Christine Schmidt legte großen Wert darauf, Alltagsszenen zu präsentieren, die einen, wenn auch nur kleinen Einblick in das Leben in früheren Zeiten geben. Da gruppieren sich die Mitarbeiter des Geschäftes Bierhals um 1940 fröhlich und entspannt auf der Ladentreppe, während sich im gleichen Jahr ein verliebtes Paar (er ist Soldat) beim Schneeball-Winterspaß im Kurpark ablichten lässt. Das Leben ging also "ganz normal" weiter, während "draußen" der Zweite Weltkrieg tobte.

Bürgerstolz vermittelt ein Bild mit dem herausgeputzten Ehepaar Georg und Babette Deeg vor einem geschmückten Pferdefuhrwerk. Sie betrieben in der Holzapfelgasse eine kleine Gaststätte.

In Reih und Glied

Die männliche Belegschaft der Süddeutschen Hammerwerke marschiert in Reih und Glied am 1. Mai vom Betrieb zum Marktplatz.

Kinder beim Schlittenfahren auf dem noch kaum bebauten Alemannenweg lächeln in die Kamera. An der Tauber tummeln sich Badegäste auf der Wiese. Besonders beeindruckend die Weihnachtsfeier im unbeheizten Kursaal 1947.

Die Kinder schauen gebannt auf die Bühne, wo das Ballett "Die Märchenfee im Zauberwald" aufgeführt wird. Sie sind in Wintermäntel gehüllt und tragen wärmende Mützen. Da wird es ihnen sicherlich in der kalten Not-Nachkriegszeit ganz warm ums Herz geworden sein.

Ein ziemlich unalltägliches Bild ist auch dabei: Sepp Herberger, der Fußball-Trainer der Weltmeister-Elf aus dem Jahr 1954, bei einer Autogrammstunde, umringt von zahlreichen Fans.

Die Fotos des Jahreskalenders stammen allesamt aus Privatbesitz von Bürgern aus Bad Mergentheim und Umgebung, die auch in den Bildunterschriften genannt werden. Christine Schmidt nimmt solche Schenkungen an das Stadtarchiv natürlich gerne entgegen, überhaupt dann, wenn es sich um Bilder handelt, die nicht nur rein privater Natur sind, sondern einen Blick frei geben auf das Leben in früheren Zeiten und die es daher Wert sind, auch öffentlich gezeigt zu werden.