Bad Mergentheim

In Karlsruhe Zehn Bürger mit der Heimatmedaille Baden-Württemberg 2017 ausgezeichnet / Hartwig Behr aus Bad Mergentheim unter den Preisträgern

Wichtiger Beitrag für die kulturelle Identität

"Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement sind ein Maßstab dafür, wie demokratisch, frei und menschlich eine Gesellschaft ist und wie selbstbewusst die Bürger sind."

Bad Mergentheim/Karlsruhe. Das obige Zitat stammt von Staatssekretärin Gisela Splett. Die Finanzstaatssekretärin ehrte am vergangenen Freitagnachmittag in Karlsruhe zehn Bürger des Landes Baden-Württemberg für ihre Verdienste um die Heimat, darunter Hartwig Behr (wir berichteten) aus Bad Mergentheim.

Große Bandbreite

Die Bandbreite des Engagements der Geehrten ist groß: Sie reicht von der Orts- und Regionalgeschichtsforschung über die Landeskultur, die Brauchtumspflege, die Mundart und die Archäologie bis hin zur Integrationsarbeit.

"Wir haben in Baden-Württemberg eine lebendige und innovative Vereins- und Bürgerkultur", sagte die Staatssekretärin im Karlsruher Rathaus. "Darauf können wir stolz sein."

Die Übergabe der Heimatmedaillen bildet traditionell den Auftakt der Landesfesttage im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg. In diesem Jahr werden die Heimattage von der Stadt Karlsruhe ausgerichtet.

Traditionsreich

Splett bezeichnete Baden-Württemberg als "zukunftsorientiertes und zugleich traditionsreiches Land". Beides gehöre zusammen - ebenso wie Weltoffenheit und Heimatliebe, die ebenfalls typisch für den Südwesten seien.

Die Träger der Heimatmedaille würden mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag für die kulturelle Identität und den Zusammenhalt in der Gesellschaft leisten. "Baden-Württemberg ist in unserer globalisierten Welt deshalb so erfolgreich, weil es den Menschen gelingt, die eigene Identität zu wahren und mit anderen Kulturen umzugehen", stellte die Staatssekretärin fest.

Splett bedauerte, dass unter den zehn Ausgezeichneten in diesem Jahr nur eine Frau sei. Da in den vergangenen Jahren stets mehrere Frauen geehrt wurden, zeigte sie sich zuversichtlich, dass das auch in den kommenden Jahren wieder der Fall sei.

Die Träger der Heimatmedaille 2017 sind: Hartwig Behr (Bad Mergentheim), Najoua Benzarti (Karlsruhe), Reiner Dick (Stutensee), Dieter Eisenhardt (Backnang), Helmut Halbhuber (Uhldingen-Mühlhofen), Dr. Manfred Koch (Karlsruhe), Peter Nagel (Rottenburg am Neckar), Gottfried Rohrer (St. Peter), Gerhard Schilling (Renquishausen) und Dr. Günther Wüst (Wiesenbach).

Hartwig Behr (geboren 1943) war von 1971 bis 2007 Lehrer am Deutschorden-Gymnasium in Bad Mergentheim. Er genießt seit vielen Jahren einen hervorragenden Ruf als Historiker, der Geschichte und Geschichten ausgräbt.

Geschichtswettbewerb

Anfang der 1980er-Jahre beteiligen sich Hartwig Behrs Schülerinnen und Schüler an einem Geschichtswettbewerb, in dem vor allem lokal- und familiengeschichtliche Ereignisse im Blickpunkt standen. "Damals sah ich das erste Mal die Bilder von den jüdischen Männern, die im März 1933 im Creglinger Rathaus schwer misshandelt wurden", so Behr. Sein Forscherdrang war geweckt. So hat sich Hartwig Behr mit der Thematik "Drittes Reich im Raum Mergentheim" be-fasst - ein Thema, das ihn in den folgenden Jahren immer mehr beschäftigte. Je mehr Quellen er fand, desto mehr Fragen taten sich auf.

Auf viele gibt es heute Antworten, vor allem auch dank Hartwig Behrs wissenschaftlicher Arbeit. Die jüdische Geschichte im Tauber- und Vorbachtal ist inzwischen gründlich erforscht, auch das Bad Mergentheimer Kurwesen hat Hartwig Behr intensiv beleuchtet. Mit Akribie kann sich Behr in Themen vertiefen, in alte Quellen eintauchen. "Schon als Kind hat mich Altes interessiert" - woran sein Vater nicht ganz unschuldig sei, weil er ihm viel erzählt habe.

Die Auswahl der Persönlichkeiten, die die Heimatmedaille erhalten, erfolgt übrigens durch den Landesausschuss Heimatpflege Baden-Württemberg. Sie basiert auf den Vorschlägen der Arbeitskreise für Heimatpflege in den Regierungsbezirken, die mit über 200 Mitgliedsvereinen in der Heimat- und Brauchtumspflege zusammenarbeiten.

Verdient gemacht

Mit der Heimatmedaille Baden-Württemberg werden Personen ausgezeichnet, die sich um die Heimat Baden-Württemberg besonders verdient gemacht haben. Die Verdienste können sowohl in organisierten als auch in nicht organisierten Formen ehrenamtlicher Tätigkeit beziehungsweise bürgerschaftlichen Engagements erbracht worden sein. Außer Betracht bleiben berufliche Tätigkeiten sowie ehrenamtliche Tätigkeiten in den Organen der kommunalen Selbstverwaltung.

Kooperation

Die Heimattage werden seit 1978 jedes Jahr vom Land Baden-Württemberg in Kooperation mit einer anderen Kommune veranstaltet. Sie vereinen zahlreiche Veranstaltungen der ausrichtenden Kommune, darunter den großen Landesfestumzug, der traditionell am zweiten Septembersonntag stattfindet. Dieses Jahr ist Karlsruhe Ausrichtungsort. Die Heimattage 2018 finden in Waldkirch statt.