Bad Mergentheim

Im Mittelstandszentrum Hauptreferent Dr. Wolfram Parussel / Ratschläge für Unternehmen, Unternehmer und Angestellte

Wenn die eigene Arbeit zur Sucht wird

Es ist schön, wenn die Arbeit gleichzeitig die eigene Leidenschaft ist. Weniger schön ist es, wenn aus der Leidenschaft eine Sucht wird. Im Mittelstandszentrum wurde über die Thematik referiert.

Bad Mergentheim. „Arbeitssucht – Ursachen, Ausprägungen, Lösungen im beruflichen Alltag“ war Thema eines Vortrags in der Reihe „Events@ZfP“ der ZfP Tauberfranken, der im Mittelstandszentrum in Kooperation mit dem Würzburger Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie (WIPP) sowie Beckhäuser Personal & Lösungen Würzburg präsentiert wurde. Hauptreferent war Dr. Wolfram Parussel, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychoanalyse sowie Lehr- und Kontrollanalytiker (DGPT) in Würzburg. „Jede menschliche Leidenschaft kann süchtig entarten“, zitierte Parussel eingangs den Humanmediziner Viktor Emil von Gebsattel aus dem Jahr 1954. „Arbeitssucht ist eine ‚Droge’ für den Arbeitnehmer und Risiko für den Arbeitgeber“, lautete eine These des Referenten. In seinem Vortrag beleuchtete er in verständlichen Worten zum einen Suchtkonzepte. Zum anderen erläuterte er auch die vielfältigen Ursachen, die Arbeitssucht auslösen. Zudem gab er wertvolle Hinweise für Unternehmen und Unternehmer, indem er Möglichkeiten aufzeigte, wie Management und Führungskräfte Verdachtsmomente bei Mitarbeitern – oder bei sich selbst – frühzeitig erkennen können. „Sie können an nichts anderes als an die Arbeit denken, sind als erster bei der Arbeit und gehen als letzter, empfinden Arbeit stressig, arbeiten lieber allein, erwarten von sich 150 Prozent Leistung, nehmen nicht ihren Urlaub, möchten alles unter Kontrolle haben, können nicht delegieren, haben Versagensängste, sind zunehmend häufig krank.“ All dies können Hinweise sein, an denen problematisches Verhalten erkannt werden kann. Jedoch sei nicht jeder Vielarbeiter gleich arbeitssüchtig. Stattdessen müsse man zwischen Arbeitsenthusiasten und Arbeitssüchtigen unterscheiden, gab Parussel zu bedenken. Außerdem werde die Diagnose oft auch zu einer moralischen Bewertung.

Motive für ein gesundheitlich riskantes Arbeitspensum sowie gegebenenfalls Ursachen für eine Arbeitssucht seien unter anderem „arbeiten, um zu vergessen“, „du bist niemand, wenn du nichts leistest“, „Erfolg ist alles“ und ein Drang zu akribischer Genauigkeit. Als Phasen einer Arbeitssucht nannte Parussel die Einleitungsphase mit psychovegetativen Reaktionen, die kritische Phase, in der psychosomatische Symptome hinzukommen, die chronische und schließlich die Endphase, die auch als „Burnout-Syndrom“ bezeichnet wird. Unter dem Slogan „Arbeiten und gesundbleiben“ skizzierte Parussel Lösungsansätze zur Vermeidung einer Arbeitssucht und damit Reduzierung des Risikos, ein „Burnout“ zu entwickeln. Bei sich anbahnender oder bereits manifester Arbeitssucht seien externe Psychotherapie sowie Selbsthilfegruppen mögliche Behandlungsformen.

Zudem gab Parussel praktische Tipps zur schnellen Umsetzung im Alltag und Betrieb, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer nachhaltig gesund arbeiten können. Dazu zählten insbesondere ein wertschätzendes Arbeitsklima sowie differenzierte Strategien in Personalauswahl und -entwicklung. Zum Abschluss stellte Dr. Michael Majer, Geschäftsführer der ZfP Tauberfranken, aktuelle Programme wie zum Beispiel „HR-Check 180: Gesundes Unternehmen“, „Management von AU-Fällen“, „Klippen meistern - Projekte stemmen“, „Burnout-Prophylaxe“ sowie „Krisen- und Konfliktintervention“ vor. Im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmer Gelegenheit zu vertiefenden Fragen, Diskussionen und gemeinsamem Erfahrungsaustausch.