Bad Mergentheim

Studiobühne Proben beginnen am 28. Juli / Junge Mitspielwillige können sich noch melden

Weg zur zweiten Odyssee beschritten

Archivartikel

Mit „Die Frauen von Troja“ thematisierte die Studiobühne ein schon in der Antike bekanntes Problem: Frauen werden bis heute zur „Kriegsbeute“. Nun folgt mit „Odyssee õuo“ die Fortsetzung.

Bad Mergentheim. Die Rahmenhandlung für das neue Stück der Studiobühne steht bereits fest: Die siegreichen Griechen besteigen, beladen mit ihrer Beute (besonders den Frauen von Troja), ihre Schiffe und machen sich auf die Reise zurück in die Heimat. Und schon ab da läuft einiges nicht mehr nach dem Plan der Sieger …

„Die Frauen von Troja“ waren – nicht zuletzt wegen der beachtlichen schauspielerischen Leistung der Studiobühnen-Akteure – aber auch wegen der modernen Umsetzung des Themas und ganz besonders wegen der integralen Ausrichtung der Studiobühne eine vielbeachtete Aufführung. Das drang bis nach Stuttgart. So erhält die Studiobühne aus dem Programm „Kultur Sommer 2020“ des Kunstministeriums rund 18 000 Euro Landesförderung für ihr neues Projekt „Odyssee õuo“ (Odyssee zwei). Für die Studiobühne selbst und den Kulturverein, unter dessen Dach sie seit zwei Jahren arbeitet, ist das natürlich ein großer Erfolg und zugleich Ansporn.

„Wir haben ein Finanzierungskonzept an das Ministerium eingeschickt, bei dem wir unsere Ausgaben aufgelistet haben“, erklärt dazu die Studiobühnen-Spielleiterin Monika Schumann. Wenn die Gelder fließen, „können wir uns auch professionelle Unterstützung leisten, beispielsweise Theaterpädagogen“, sagt Schumann weiter. Noch sei niemand engagiert, „aber wir haben entsprechende Planungen“.

Am Wochenende fand ein Vorbereitungstreffen im evangelischen Gemeindehaus in Bad Mergentheim statt – ein „Info-Wochenende für alle, die wissen wollen, wie das bei uns läuft“, erklärte Regisseur Florian Brand. Unterstützt wurde er dabei von der Theaterpädagogin Virginie Bousquet und der Dramaturgin Anna Wieczorek.

Für die rund zwei Dutzend Interessenten waren es bewegende Stunden, wovon sich auch der FN-Reporter überzeugen konnte. Und der entdeckte auch einige bekannte Gesichter – Männer und Frauen, die schon bei den „Frauen von Troja“ mit dabei waren. Unter ihnen ein junger Mann aus Afghanistan. Der integrative Ansatz der Studiobühne wird gelebt, was auch an einer jungen Frau deutlich wird, die ebenfalls nach Deutschland geflohen ist. Ob die vorhandene Truppe denn groß genug ist für die „Odyssee õuo“? „Noch nicht ganz“, sagt der Regisseur, „Mitspieler werden noch gesucht. Gerade junge Leute können sich melden. Voraussetzung ist, dass sie sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen.“

Beim Vorbereitungstreffen findet noch keine Teamfindung statt, vielmehr geht es darum, „den Teilnehmern die theaterpädagogische Arbeitsweise vorzustellen. Gearbeitet wird in Gruppen, ein Aufwärmprogramm steht jeweils am Anfang“, erläutert der Regisseur. Das „Aufwärmen“ für alle hat es in sich. Es ist eine körperliche Lockerungsübung, und es ist deutlich erkennbar, dass die Teilnehmer danach „lockerer drauf“ und „aufnahmefähig“ sind, wie es ein junger Mann ausdrückt. Wobei, das muss an dieser Stelle festgehalten werden, die Männer in der Unterzahl sind.

Ein bisschen weit „rein ins Stück“ geht es schon an diesen beiden Info-Nachmittagen. Einzelne Passagen aus Homers Odyssee werden von den in mehrere Gruppen aufgeteilten Schauspielern rezitiert. Aber: Noch sind die Rollen nicht verteilt, die Sprechtexte noch nicht fertig. „Da entwickelt sich noch viel“, sagt der Regisseur. Es sei schließlich ein „gemeinsames Projekt“ und die richtigen Proben „kommen ja erst noch“. Ein Blick auf das Whiteboard macht das deutlich. „Odysseus“ steht unübersehbar in der Mitte, darunter, darüber und daneben sind Hinweise und Gedanken zur Umsetzung zu lesen. Auf die gesamte Studiobühnen-Truppe wartet also noch viel Arbeit.

Die anstehenden Proben werden „in Blöcken“ stattfinden, erläutert Florian Brand: Start ist am 28. und 29. Juli im katholischen Gemeindehaus. Weiter geht es am 30. Juli bis 9. August im evangelischen Gemeindehaus und schließlich vom 1. bis 23. September im ehemaligen Dominikanerkloster (gegenüber Kulturforum). Geprobt wird unter der Woche von 18.30 bis 21.30 Uhr, an Sams- und Sonntagen von 15 bis 19.30 Uhr.

„Die Premiere von „Odyssee õuo“ ist am 24. September“, sagt Brand. Weitere Aufführungen wird es an den folgenden Tagen bis einschließlich 27. September geben. Soweit die aktuelle Planung.

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