Bad Mergentheim

Vortragsreihe des Museumsvereins Historikerin Aurelia Brandenburg sprach über die Gründung der Deutschordensniederlassungen in Mergentheim und Würzburg

War eine Doppelkommende geplant?

Archivartikel

Fast zeitgleich wurden 1219 in Mergentheim und Würzburg die Grundsteine für Niederlassungen des Deutschen Ordens gelegt. Darüber sprach Aurelia Brandenburg.

Bad Mergentheim. Im Dezember 2019 jährt es sich zum 800. Mal, dass drei der fünf Söhne Heinrichs von Hohenlohe in den Deutschen Orden eintraten und ihm umfangreichen Besitz in Mergentheim und der Umgebung schenkten. Sie schufen damit den Grundstein für eine eigenständige Deutschordenskommende (Niederlassung) in Mergentheim.

Interessanterweise gab es in Würzburg im gleichen Jahr, aber einen Monat zuvor, im November 1219, einen ähnlichen Vorgang. Dort schenkte der Würzburger Bischof einen Hof in der Stadt dem Orden und legte damit auch den Grundstein für eine Kommende. Allerdings dauerte es dann noch einige Jahre, bis diese Gründungen als abgeschlossen angesehen werden können.

Die Historikerin Aurelia Brandenburg hat sich intensiv mit zahlreichen Fragen rund um diese Gründungen, die Zeitabläufe, das Verhältnis der Niederlassungen zueinander, ihre Stifter und die Schenkungen beschäftigt und ihre Forschungsergebnisse in ihre Bachelorarbeit an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg einfließen lassen.

Auf der Basis dieser Arbeit mit dem Titel „Die Gründung der Deutschordenskommenden in Würzburg und Mergentheim“ hielt sie einen Vortrag im Roten Saal des Deutschordensmuseums. Dabei handelte es sich um den sechsten Vortrag, den der Museums-Verein zum Jubiläum „800 Jahre Deutscher Orden in (Bad) Mergentheim“ auf die Beine gestellt hat.

Miteinander verbunden

Nicht nur fast zeitgleich hätten die beiden Kommenden Ende 1219 ihre ersten Schenkungen erhalten. Sie seien darüber hinaus auch in den ersten Jahren miteinander verbunden gewesen, wobei die Würzburger Niederlassung zu Beginn sogar unter Mergentheimer Einfluss gestanden habe, so Brandenburg.

Beide Niederlassungen „müssen in ihren ersten Jahren in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis gestanden haben“, wobei der Begriff der „Doppelkommende“ mit Vorsicht zu verwenden sei. Eine entsprechende Planung sei nicht eindeutig zu erkennen, betonte die Referentin. Sie verwies darauf, dass die Gründungen auch immer wieder von Zufällen wie zum Beispiel durch die Schenkungen Ottos II. von Henneberg-Botenlaube in Würzburg bestimmt worden seien.

Vor allem in Mergentheim lasse sich „eine fast schon strategische Abwicklung der Schenkungen und der mit ihnen verbundenen Erbteilungen unter den fünf Hohenlohe-Brüdern beobachten“, von denen zwei weltlich geblieben seien.

Reichen Besitz angehäuft

Dank des Eintritts der Brüder Andreas, Heinrich und Friedrich von Hohenlohe in den Orden und ihrer großzügigen Besitzübertragung habe der Orden in Mergentheim im Vergleich zu Würzburg „deutlich früher einen reichen Besitz anhäufen und eine eigene Niederlassung etablieren“ können, an deren Spitze seit 1221 ein Komtur gestanden habe. Die Würzburger Kommende sei dagegen „wohl erst um 1231 mit den Schenkungen Ottos II. wirklich eigenständig“ geworden, denn erst zu diesem Zeitpunkt werde dort ein eigener Komtur (Leiter der Kommende) nachgewiesen.

Das Mergentheimer und Würzburger Deutschordenshaus sei auch noch nach der ersten Schenkung in den Folgejahren von ihren Stifterparteien gefördert worden. Demnach sei der Begriff „Hauskommende“ für diese Zeit nicht nur für die Herren von Hohenlohe und Mergentheim, sondern auch für die Würzburger Bischöfe und die dortige Niederlassung als zutreffend zu erachten, stellte Brandenburg fest.

Adelige Hauskommende

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die beiden Deutschordenskommenden in Würzburg und Mergentheim nicht nur ab 1219 entstanden, sondern in ihren ersten Jahren auch eng miteinander verbunden gewesen seien.

Zudem, so Brandenburg, „scheint Mergentheim in dieser Verbindung zu Beginn Priorität gehabt zu haben, was in erster Linie durch die früher erreichte wirtschaftliche und rechtliche Sicherheit der Niederlassung bedingt gewesen sein muss“. Von einer „aktiv geplanten Doppelkommende“ könne man nicht reden, eher von einer „Kooperation der Niederlassungen“ in der Anfangszeit.

Beide Kommenden seien im 13. Jahrhundert „jeweils als bischöfliche beziehungsweise adelige Hauskommende zu sehen, deren Gründung neben allen eventuellen religiösen Motivationen auch entscheidend durch wirtschaftliche, herrschaftliche und politische Ursachen bedingt war“, schloss Aurelia Brandenburg ihren detailreichen, aber dennoch übersichtlichen und aufschlussreichen Vortrag, für den sich Museumsdirektorin Maike Trentin-Meyer mit einem Weinpräsent bedankte.

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