Bad Mergentheim

Beim „Bürgerforum Stadtbild“ Architekt und Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes Peter Huber sprach im „Forum in der Au“

Wandelhalle ein „einzigartiges Denkmal“

Archivartikel

Die Wandelhalle ist ein einzigartiges Baudenkmal von besonderer Bedeutung, das machte der Architekt Peter Huber in seinem Vortrag im „Forum in der Au“ deutlich.

Bad Mergentheim. In der vom „Bürgerforum Stadtbild Bad Mergentheim“ organisierten Vortragsveranstaltung wurde für die Veranstalter deutlich, dass die Kurpark-Architektur mehr Beachtung verdient, gerade mit Blick auf geplante Baumaßnahmen.

In Peter Huber hatte das Bürgerforum einen profunden Kenner der Materie gefunden.

Huber studierte Architektur in München und Denkmalpflege in Bamberg. Er ist Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes in Esslingen und dort für die Bestandsaufnahme von Baudenkmalen zuständig. Thema seines Vortrags war: „Die Wandelhalle, ein Denkmal von besonderer Bedeutung“.

Man muss weder Architekt noch Experte für Baudenkmäler sein, um festzustellen, dass die Wandelhalle ein Hingucker ist. Sie fällt auf, hebt sich heraus. Gleichzeitig harmoniert sie mit der gesamten Kurpark-Architektur, der sie dabei ein eigenes Gesicht gibt. Grund genug, sich näher mit diesem Gebäude auseinanderzusetzen. Dass es dazu viel zu sagen gibt, machte Huber deutlich.

Nicht im zeittypischen Stil

Was ist das Besondere an der Wandelhalle? Zunächst einmal ist das Gebäude nicht im zeittypischen Nazi-Monumentalstil gebaut. Vielmehr erfülle es alle Forderungen nach „Luft, Licht und Sonne“. Die Wandelhalle, machte Huber deutlich, sei ein Zeugnis für den Reformstil in der Architektur, der Helligkeit im Innern und Offenheit nach Außen eine große Bedeutung zuwies. Dies mache die Wandelhalle zu einem „Baudenkmal von herausragender Bedeutung“.

Interessant dabei waren Fotos, die zeigen, dass ursprünglich im Inneren der Halle Bäume in den Pflanzbeeten standen. Der Umbau von 1991 gab der Wandelhalle eine Fußbodenheizung und eine neue Lüftungsanlage; im Inneren wurden unter anderem neue Lampen angebracht. Anhand einer Lageskizze, die nach dem Umbau erstellt wurde, erläuterte Huber die Veränderungen, etwa in den Grundrissen der ehemaligen Geschäfte in der Laubengangzone oder die Nutzungsänderung in den Quellenhäusern. Die Grundlagen des Denkmalschutzes erläuterte der Referent mit Verweis auf die Paragrafen 2 und 12 des Landesdenkmalschutzgesetzes und machte deutlich, dass Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung wie die Wandelhalle „zusätzlichen Schutz durch Eintragung in das Denkmalbuch“ verdienten.

Auch aus wissenschaftlicher Sicht biete die Wandelhalle samt Gebäudeensemble viele interessante Aspekte: Der Park und die Architektur seien „ein Zeugnis für den Wissensstand einer Epoche und darüber hinaus für das Kurwesen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts“. Somit bestehe auch ein konkretes Forschungsinteresse durch das Welterbe-Bündnis „Great Spas of Europe“ (Große Heilbäder in Europa). Heimatgeschichtlich verdeutlichen die Wandelhalle und die umliegenden Gebäude die Entwicklung der Stadt zum Kurort im 19. und 20. Jahrhundert. Im Bewusstsein der Bevölkerung sei das Kurbad ein Identifikationsort und stelle den Bezug zur Vergangenheit des Kurortes her.

Ein „Schlüsselwerk“

Künstlerisch gesehen sei die Wandelhalle „ein Schlüsselwerk des Architekten Eduard Krüger“; zudem eine „Anlage mit Symbolgehalt“, der sich in Besprechungen in diversen Publikationen widerspiegele. Darüber hinaus handele es sich, wie Huber hervorhob, um eine „gestalterisch anspruchsvolle Anlage“ mit einer „gelungenen Entsprechung in Form und Funktion“. Der Anspruch des „besonderen Denkmalwertes“ sei durch das „hohe Maß an Originalität und Integrität“ erfüllt; die gestalterisch prägenden Bestandteile, also das äußere Erscheinungsbild und die Innenraumgestaltung, seien zudem „äußerst gut überliefert“. Kurzum: Das von Eduard Krüger geplante Wandelhallen-Ensemble „ist deutschlandweit in der Gestaltung einzigartig“, betonte Huber.

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