Bad Mergentheim

Geldwirtschaft Ortsvorsteher beklagt Verlust eines „weiteren Stücks Infrastruktur“ / „Wir prüfen permanent unsere Standortstrategie“

Volksbank Main-Tauber schließt Edelfinger Filiale

Archivartikel

Edelfingen.Die Filiale der Volksbank Main-Tauber in Edelfingen schließt Ende des Jahres. Die Bank verteidigt die Maßnahme als notwendig. Der Ortsvorsteher bedauert die Pläne sehr.

„Durch die weiter anhaltende Niedrigzinsphase sowie den zunehmenden Regulierungsdruck, sind wir aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, mancherorts auf unsere lokale Präsenz zu verzichten“, teilt Tilmann Fabig, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Volksbank Main-Tauber, auf Anfrage mit. Er betont aber auch: „Das persönliche Gespräch und der vertrauensvolle Kontakt zum Bankberater vor Ort war und ist für unser Haus schon immer ein wichtiges Differenzierungsmerkmal zu anonymen Direktbanken. Mit der Neugestaltung der Hauptstelle in Bad Mergentheim haben wir hier im letzten Jahr ein deutliches Zeichen gesetzt und uns klar zur Präsenz in der Fläche bekannt.“

Weiter heißt es seitens des Volksbank-Sprechers: „Bei alltäglichen Bankgeschäften des Zahlungsverkehrs, wie einer Überweisung oder einem Kontoauszug bevorzugen immer mehr Kunden heute die entsprechenden Online-Kanäle.“ Auch dies spielt eine Rolle bei der Schließung der Filiale in Edelfingen zum 31. Dezember.

„Unser bisheriger Filialleiter in Edelfingen, Manfred Lehr, bleibt unseren Kunden in der Hauptstelle in Bad Mergentheim weiterhin als Ansprechpartner erhalten. Denn uns ist es wichtig, dass die Kunden aus Edelfingen weiter gerne in unsere Bank kommen und sich gut betreut fühlen. Für ihren Besuch stellen wir ihnen deshalb ausreichend gebührenfreie Parkplätze an der Hauptstelle zur Verfügung. Für die zukünftige Nutzung unserer Automaten empfehlen wir die Standorte in Königshofen, den Herrenwiesen oder in der Hauptstelle Bad Mergentheim“, so Tilmann Fabig.

Auf die Nachfrage der Redaktion, ob in nächster Zeit noch weitere Filialschließungen bei der Volksbank Main-Tauber anstehen, erklärt Fabig: „Es liegen derzeit keine Beschlüsse bezüglich der Schließung weiterer Filialen in unserem Geschäftsgebiet vor. Allerdings sind wir angesichts der oben genannten Einflussfaktoren gezwungen, hier bis auf weiteres auf Sicht zu fahren. Wir beobachten die weiteren Entwicklungen genau und prüfen permanent unsere Standortstrategie. Weitere Anpassungen und Optimierungen sind von daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszuschließen.“

Gar nicht begeistert

Ortsvorsteher Detlef Heidloff ist gar nicht begeistert: „Mit der Schließung der Sparkasse und jetzt der Schließung der Volksbank verliert Edelfingen ein weiteres Stück Infrastruktur.“

Heidloff: „Mir ist bewusst, dass die Banken wegen der anhaltenden Zinsentwicklung einem hohen Kostendruck unterliegen. Ja, Filialen verursachen Kosten, aber schließlich ist die Nähe zum Kunden ein wichtiger, der wichtigste Teil der Daseinsberechtigung von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Deshalb spricht man nicht gern von Filialschließungen, sondern beschönigend lieber davon, Filialen ’zusammenlegen’ oder das ’Vertriebsnetz anpassen’.

Online-Banking heißt die Lösung, spart Kosten und Zeit. Was aber, wenn in einer immer älter werdenden Gesellschaft die Menschen mit dem Fortschritt Smartphone und Tablett nicht Schritt halten können und in ihrer Mobilität eingeschränkt sind? Mir stellt sich die Frage ob die komplett Schließung mit Abbau des Geldautomaten wirklich notwendig ist und es nicht sinnvoller ist, die Filiale nur noch an zwei Tagen zu öffnen und oder mit der Sparkasse zumindest einen gemeinsamen Geldautomaten zu betreiben.“

Weiter sagt Heidloff: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass ich als Ortsvorsteher nicht wirklich viel ausrichten kann. Vorschläge werden zwar gehört, aber wenn der Beschluss zur Schließung erst mal steht, wird sich daran nichts mehr ändern.“

Auf die Situation in seinem Ort blickend schiebt Heidloff noch nach: „Mit der Nahversorgung in Edelfingen sieht es nicht wirklich gut aus, Bäcker mit kleinem Lebensmittelladen, Friseur, ein Restaurant, das war’s, auch geschuldet der unmittelbaren Nähe zu Bad Mergentheim. Deshalb auch mein Nachfrage in der Gemeinderatssitzung zum Thema ’Stadtentwicklungskonzept’, ob dieses auch für die Ortsteile angewendet wird, damit mit einem entsprechenden Konzept, nicht nur Wohnbebauung, sondern auch Nahversorgung geschaffen werden kann.“

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