Bad Mergentheim

Katholische Kirche Bischof Dr. Gebhard Fürst war zu Gast in Bad Mergentheim / 150 Interessierte / Für die Kirchengemeinderatswahlen im März 2020 geworben

Viele Fragen und nur ein paar Antworten

Archivartikel

Zum „Begegnungsabend“ mit Bischof Dr. Gebhard Fürst hatte das katholische Dekanat Bad Mergentheim die Gläubigen in den Johannes-Saal geladen. Rund 150 Katholiken folgten der Einladung.

Bad Mergentheim. In den katholischen Gemeinden finden am 22. März 2020 Kirchengemeinderatswahlen statt. Mit dem Motto „wählen, entscheiden, gestalten“ wirbt die Kirchenleitung landesweit um Kandidaten. Und auch der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Gebhard Fürst, sucht dazu das Gespräch und den Austausch mit der Basis. „Wir sieht’s aus, Herr Bischof?“ war das Motto des Begegnungsabends im Johannessaal, dem eine gut besuchte Abendandacht in der ehemaligen Kapuzinerkirche vorausging.

Fragen an die Kirche

Ziel des Begegnungsabends war es, mit aktiven Kirchengemeinderäten und (möglichen) Kandidaten ins Gespräch zu kommen, aber auch, sich über kirchliche Fragen und die Entwicklung der katholischen Kirche allgemein auszutauschen. Letzteres, das sei vorausgeschickt, kam allerdings nach Meinung vieler Besucher eindeutig zu kurz.

Dekan Ulrich Skobowsky nimmt in seiner Begrüßung das „Wie sieht’s aus, Herr Bischof?“ auf – das sei, wie Skobowsky bekennt, durchaus „keck“. Doch „kecke“ Menschen hätten Interesse, wollten mit ihrer Art zu denken und zu handeln etwas erreichen. Ganz besonders freue er sich über die Anwesenheit ehemaliger und aktiver Kirchengemeinderäte „und diejenigen (die zahlreichen Besucher nämlich), die einfach neugierig sind“.

Dass der Bischof schon zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen nach Bad Mergentheim gekommen sei, stellt der Dekan ebenso erfreut heraus.

Das Interesse an der anstehenden Wahl, das Mitdiskutieren über Fragen des Glaubens und der Zukunft der Kirche sei nicht selbstverständlich. Allseits, auch im weltlichen Bereich, sei man stets auf der Sache nach Menschen, die bereit seien, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Und im kirchlichen Rahmen kämen ja noch „heiße“ Themen dazu – die Uneinigkeit der Bischöfe, Skandale, die Unbeweglichkeit der Weltkirche und die Ungeduld von immer mehr Gläubigen innerhalb und außerhalb der Gemeinden. Gleichwohl sei bei allen – ob progressiv oder konservativ – die Suche nach Glaubwürdigkeit ein wichtiges Motiv zur Mitarbeit. Und: „Die Menschen erwarten Antworten“, sie warten auf „Signale, in denen Gottes Geist spürbar ist“, betont Skobowsky.

Zum Podiumsgespräch bittet anschließend Moderator Dr. Thomas Böhm, und der Dekanatsreferent macht deutlich, dass es bei den anstehenden Kirchengemeinderatswahlen um mehr geht als nur zu kandidieren.

Podiumsgespräch

Drei Mitglieder aus drei Gemeinden holt er zu sich ans Podium, dazu natürlich auch den Bischof. Michael Beck, altgedienter Kirchengemeinderat aus Bad Mergentheim, Karin Tremmel aus Rengershausen, ehemalige zweite Vorsitzende des dortigen Kirchengemeinderates und - die jüngste im Bunde – Caroline Woenckhaus, Oberministrantin aus Igersheim, erläutern ihre Wünsche und Erfahrungen an die Anwesenden. Und sie alle haben ein Geschenk dabei: Beck übergibt einen (Ideen- und Meinungs-)Ball – die Gemeinden, ja der Bischof sollten diesen aufnehmen und weitergeben. Tremmel präsentiert das Motto „Keiner soll alleine glauben“ und Woenckhaus zeigt ein Armband, das die Gemeinschaft ausdrückt.

Wie man Kandidat wird, kann Michael Beck eindrücklich schildern. „Ich wurde angesprochen: Du kannst das doch, du bist da richtig.“ Er habe die Herausforderung angenommen, schildert Beck. Mittlerweile ist er weit über die Grenzen seiner Gemeinde aktiv und vertritt das Dekanat im Diözesanrat – ein „wichtiges Amt, da geht’s auch um die Mittel aus dem Ausgleichsstock“, erläutert Dekan Ulrich Skobowsky im Gespräch mit unserer Zeitung.

Was die beiden Frauen und der Mann zu sagen haben, macht durchaus Mut, zu kandidieren. Schließlich geht es in den Gremien um weit mehr als nur Formalien – allerdings, auch die gibt es. Manchmal sei es ermüdend, gelegentlich auch ernüchternd, weil die Haushalte eben begrenzt sind. Andererseits aber sei es auch schön, seine Meinung und Ideen einzubringen, damit andere zu begeistern und so Neues auf den Weg zu bringen. Und: Die Menschen nicht alleine zu lassen, auch an diejenigen zu denken, die nicht laut schreien, die vielleicht Hilfe brauchen – auch das sei für die Arbeit im Kirchengemeinderat und den weiteren Gremien wichtig.

Dank fürs Engagement

Bischof Dr. Gebhard Fürst macht ebenfalls Mut, und er nimmt auf, was die Vertreter der Basis sagen und dankt für deren Engagement. Der Bischof macht dabei auch deutlich, dass das Wirken im Gremium und in der Gemeinde durchaus Spaß machen kann – gelebtes Christentum kann, darf und soll, das wird von den Anwesenden so aufgenommen und honoriert, auch mal heiter sein.

Mit zunehmender Dauer aber werden die anfangs so erwartungsvollen Mienen vieler Teilnehmer härter, denn die Begegnung, das Gespräch, die Diskussion kommt vielen schlichtweg zu kurz. Mehrfach wird der Reporter angesprochen, und da fallen deutliche Worte. Es werde doch nur „rumgeredet“ da vorne, sogar ein „schade für die Zeit“ ist zu hören.

Viele Meinungskärtchen

Die extra aufgestellte Tafel gleich beim Eingang füllt sich mit Meinungskärtchen, und da stehen viele Fragen, die die Gläubigen bewegen. Auffallend oft wird dabei die Rolle der Frauen in der Kirche genannt, das Zölibat wird hinterfragt und auch ein „Wohin steuert unsere katholische Kirche?“ ist da zu lesen.

Als dann die Tafel nach einer knappen Stunde („endlich!“, sagen manche) nach vorn zum Podium geschoben wird, fordert der Moderator den Bischof auf, sich eine Frage herauszupicken. Dr. Gebhard Fürst wählt mit Bedacht, und es geht um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Der Bischof verweist auf den Stand der Diskussion in der Diözese; er könne sich vorstellen, dass Frauen zu Diakoninnen werden. Das sei ein „Zeichen der Zeit“. Überdies sei die Kompetenz, die Frauen in die Gemeinden und in die Kirche einbringen, unverzichtbar.

„Sehr enttäuscht“

Doch die vom Verlauf des Abends Enttäuschten kann er damit nicht erreichen. „Kein Wort zu Ökumene, Missbrauch, Zölibat und wirklicher Gleichberechtigung der Frauen in unserer Kirche, keine Diskussion“, sagt ein älterer Herr. „Ich bin Kirchengemeinderat, und ich bin sehr enttäuscht.“

Gleichwohl wird ein Ziel des Abends erreicht und damit die Botschaft rübergebracht: Mitarbeit in den Gremien ist wichtig, und sie ist lohnend, auch wenn das Bohren dicker Bretter bisweilen mühsam erscheint.

Und was geschieht mit den gesammelten Fragen und Meinungen? „Die werden nicht weggeworfen“, versichert der Moderator Dr. Thomas Böhm dem Reporter.

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