Bad Mergentheim

Neue Einblicke in die Mergentheimer Ordensgeschichte In der Ausstellung „Führungskultur“ bei Würth Industrie Service auf dem Drillberg / Krönende Forschungsarbeit

Urkunde vom 8. April 1383 zu sehen

Archivartikel

Bad Mergentheim.„Wir Bruder Siegfried von Venningen, Meister Deutschen Ordens in Deutschen Landen, machen kund all denen, denen das kundgetan werden soll“ – so beginnt etwas sehr Wertvolles, eine Urkunde vom 8. April 1383, ausgefertigt in Frankfurt vom Deutschmeister Siegfried von Venningen mit anhängenden zwölf Siegeln der Deutschen Balleien. Eine Nachbildung dieser Urkunde hielt jetzt Einzug in die Ausstellung „Führungskultur“ bei Würth Industrie Service auf dem Drillberg und dokumentiert die vielfältige Mergentheimer Ordensgeschichte.

Siegfrieds Regierungszeit begann 1303 bis 1382. Die Urkunde stammt also aus der Anfangszeit der Deutschmeister in Mergentheim. In dieser Amtszeit Siegfrieds wird auch eine Verbindung des Landkomturs mit Mergentheim sichtbar, sie scheint über die verwandtschaftliche Verbindung zustande gekommen zu sein.

Der Komtur Dietrich von Venningen von Mergentheim 1379 bis 1393 und der später als Landkomtur 1393/94 amtierende Dietrich, war gewiss ein naher Verwandter oder sogar der Bruder des Deutschmeisters gewesen. 1392/93 hat er beide Ämter in Personalunion verwaltet. Es liegt also die Annahme nahe, dass beide Venningen bei dem weiteren Ausbau Mergentheims zur deutschmeisterlichen Stadt zusammengearbeitet haben, berichtet Hans-Georg Boehm, der sich seit vielen Jahren um die Mergentheimer Ordensgeschichte und deren Aufarbeitung engagiert kümmert.

Genau genommen, gab es drei Ordensmitglieder von Venningen in dieser Zeit. Dietrich, Siegfried und Jobst (Jacobus), die sich für die Ordensbelange der Mergentheimer Zeit hervorgetan haben. Die von Venningen führten eigene Siegel mit dem Bild der Gottesmutter als Halbfigur. Erst seit dem Deutschmeister von Seinsheim 1420 führten die Deutschmeister ein Siegel mit dem Namen und persönlichem Wappen, so auch Jobst von Venningen 1447 in rotem Wachs. So kann es als folgerichtig angesehen werden, wann Mergentheim seit der Deutschmeisterzeit Siegfrieds zunehmend in das Reichsgeschehen einbezogen wird. Der Mergentheimer Komtur war dem Deutschmeister von Venningen unter Ausschaltung des Landkomturs direkt zugeordnet. Das Fundament, für das damals schon so genannte „Meistertum“, war also vorhanden.

Reichsmittelpunkt

In seiner Regierungszeit 1387 war Mergentheim für einige Tage Reichsmittelpunkt geworden, als es einen Reichstag in seinen Mauern sah. Schon vor Siegfried von Venningen nimmt die Anwesenheit der Deutschmeister, so auch von Zurch von Stetten in Mergentheim wieder zu. Wie aus den Ordensunterlagen zu sehen ist, hielten sich die Deutschmeister oft auf Burg Neuhaus auf. Ganz offensichtlich war es ihr Amts- und Wohnsitz, wenn sie nach Mergentheim gekommen sind.

In dieser Zeit setzt die Reihe der Visitation über die Balleien des Deutschmeisters ein, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts abgehalten wurden. So die Urkunde vom 8. April 1383, die bezeugt von den Bemühungen um wirtschaftliche Sanierung.

„Warum wir den vorher gehaltenen Rat der ehrbarsten Gebietiger, die wir da zu Zeiten bei uns hatten, das zu erfinden und eigentlich auszutragen unsere Visitatoren nach seliger Gewohnheit sandten, in die Ballei Franken die ehrsamen geistlichen Brüder Götz Fuchs Komtur zu Schweinfurt, Herrn Konrad Bern Trappier zu Mergentheim usw.“. So die Urkunde mit Unterschriften und zwölf Siegeln.

Dies brachte häufigere Aufenthalte der Kaiser in Mergentheim mit sich, deren Kosten der Orden als Stadtherr zu tragen hatte. Die Urkunde wurde 1968 von P. Dr. Bernhard Demel (DOZA) für einen geplanten Kalender für das Jubiläum 750 Jahre Deutscher Orden in Mergentheim 1969, für Hans-Georg Boehm, als bedeutendste Urkunde für diesen Zweck als Foto zur Verfügung gestellt und auch verwendet, obwohl zwei der zwölf Balleisiegel über die Jahrhunderte verloren gegangen sind.

Jetzt nach 50 Jahren füllt eine Nachbildung dieser Urkunde im Rahmen mancher Ergänzungen in der Ausstellung „Führungskultur“ bei Würth Industrie Service auf dem Drillberg, neben der Landkarte von Benninghoven über die Deutschen Balleien, eine Lücke. Durch die handschriftlichen Vermerke auf den Pergamentstreifen konnte man erkennen, welche Siegel verloren gegangen sind. Im umfangreichen Depot für solche Aktionen begann die Suche. Mit der nötigen Erfahrung kam man schnell ans Ziel, um das besondere Exponat zu erstellen.

Wie so oft bei solchen Sucharbeiten, gibt es Entdeckungen mit Hinweise auf noch Unbekanntes von Interesse. So gab es einen Komtur Albrecht von Paulsdorf in Aichach-Blumenthal, der versuchte, eine eigene Ballei zu gründen und der den Titel eines Landkomturs zu Bayern führte. Er ließ sich ein eigenes, fränkisches Balleisiegel anfertigen, das sich erhalten haben soll, mit der Umschrift „Provicialis Bawa(Riae)“.

All die Ergebnisse und neuen Erkenntnisse sind für die traditionsbewussten „Weiß-Blauen“ in Bad Mergentheim und deren besonders engagierte Mitglieder eine schöne Krönung der langjährigen Forschungsarbeiten. hgb

Zum Thema