Bad Mergentheim

Vortrag Mit dem Wertheimer Physiker Dr. Rudolf Lachenmann im Rahmen des „liberalen Forums“ in Neunkirchen

„Umverteilung von unten nach oben“

Bad Mergentheim.Unter dem Titel „Die Fehler der Energiewende“ stand ein Vortrag des Physikers Dr. Rudolf Lachenmann.

Der Referent beim „Liberalen Forum“ stellte seinem Vortrag ein Zitat von Seneca voran: „Die Zeit wird kommen, in der sich unsere Nachkommen wundern werden, dass wir so offenbare Dinge nicht gewusst haben.“

Auch zitierte er die CDU- Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, die kürzlich im Zusammenhang mit der Klima- bzw. Energiepolitik von einer „Spaltung der Gesel-schaft“ sprach, ohne dies allerdings zu begründen.

Der Referent gab eine klare Begründung: Er nannte die Energiewende eine Umverteilungsaktion von unten nach oben, d.h. alle Bürger zahlen zum Vorteil einiger „Investoren“ viel Geld in das System ein.

Eine „Energiewende“, wenn wir sie anstreben, müsse mit erfolgversprechenden Technologien durchgeführt werden und – da war der Referent deutlich: man dürfe in diesem Zusammenhang nicht aus der absolut CO2-freien Kernkraft aussteigen.

Kein Industrieland der Erde steige aus dieser Technologie aus, im Gegenteil: weltweit sind derzeit rund 450 Kernkraftwerke in Betrieb – ein großer Teil davon in Europa. 150 Kernkraftwerke sind im Bau oder in Planung. Die deutschen Reaktoren gehörten zu den sichersten und zuverlässigsten der Welt. Sie sicherheitsmäßig in Zweifel zu ziehen sei „absolut unzutreffend und demagogisch“.

Die Abfallproblematik der Kernenergietechnik ist allein einer politischen Entscheidung zu verdanken, nämlich dem Verzicht auf die Wiederaufarbeitung. Die zu entsorgenden Mengen seien daher größer als notwendig. Der Schwarzwald z.B. strahle in manchen Gegenden durch sein Natur-Uranvorkommen mehr als der mengenmäßig weit überwiegende Teil der schwachaktiven Bestandteile in den abgebrannten Brennelementen.

Die angebotenen Alternativen – „erneuerbare Energiequellen“, seien, so der Referent – wenig geeignet.

Beispiel: Der Offshore-Windpark „Arkona“ habe eine (installierte) Leistung von 385 Megawatt (MW) und überdeckt eine Fläche von 39 Quadratkilometer. Ein einziges durchschnittliches modernes konventionelles Kraftwerk, gleich ob Kohle oder Kernkraft, verfüge über eine installierte Leistung von 1200 bis 1500 MW, also mehr als die dreifache Leistung des gesamten Windparks.

Der Flächenbedarf eines konventionellen Kraftwerkes sei demgegenüber verschwindend gering, die Laufzeit fast doppelt so groß wie die von (off shore) WKAs und zudem sei die Stromverfügungszeit einer Windkraftanlage nicht steuerbar und nur ungenau vorhersagbar– es sei und bleibe sogenannter „volatiler“ Strom – d.h. entweder werde zu wenig oder zu viel Strom geliefert. An Land stehende WKAs schneiden diesbezüglich nochmals erheblich schlechter ab. Nicht die Nennleistung sondern die sogenannte Voll-lastzeit sei entscheidend für die tatsächliche Stromproduktion. Energiedichte, Laufzeit, Lebenszeit, Zuverlässigkeit, Investitionsvolumen, Materialverbrauch, ja sogar CO2-Emission von erneuerbaren Quellen seien unbefriedigend. Die für die Grundlastverwendung von Wind- oder Solarstrom notwendigen Energiespeicher sind nicht in Sicht, großtechnisch kann elektrische Energie zu ökonomischen Bedingungen nicht gespeichert werden – das gilt für unabsehbare Zeit. Umwege über „Power-to-Gas“ sind unwirtschaftlich.

Der Referent sieht einen Ausweg: Die Fusionsreaktoren. Der Weg dahin sei zwar steinig aber begehbar. Deutschland sei glücklicherweise noch nicht aus dieser Zukunftstechnologie ausgestiegen.

Die Frage, warum Deutschland den Bau von unwirtschaftlichen und für eine Gesamtlösung ungeeigneten Wind- und Solaranlagen nicht beende, konnte nicht beantwortet werden. Vielleicht helfe folgendes Zitat der ehemaligen bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner: „Eigentlich müßten wir das EEG abschaffen, aber das dürfen wir nicht sagen“. pm