Bad Mergentheim

Leserbrief Zu „Sexuelle Übergriffe auf Transgender“ (FN, 28. Mai)

„Transsexualität ist keine Kuriosität“

Unangenehm zu lesen war der Artikel „Sexuelle Übergriffe auf Transgender“. Hauptsächlich wegen der Tat an sich, vor allem aber auch wegen der Art und Weise, wie er geschrieben ist. Von vorne bis hinten offenbart sich darin, wie wenig unsere Gesellschaft noch immer über das Thema Transgender und Geschlechtsidentität zu wissen scheint.

Der Artikel erweckt nicht nur den Eindruck, dass Transsexualität eine Art Kuriosität ist; Herr Schwab bewertet sogar, welcher der beiden Jungen als Frau angesehen werden könnte. Schon die erste Unterüberschrift lässt tief blicken:„Mädchen wollen Jungen sein“. Nein, Herr Schwab, die beiden wollen keine Jungen sein. Sie sind es.

Konsequent wird bei den beiden Jungen von Mädchen gesprochen und durchgehend werden die falschen Pronomen benutzt. Durch Nebensätze wie: „. . .sagt die Transsexuelle“ werden die Opfer auf ihre Geschlechtsidentität reduziert, während diese noch nicht einmal anerkannt wird.

Auch Opferschutz scheint in diesem Artikel keinerlei Rolle zu spielen. Explizit werden die Handlungen geschildert und detailliert beschrieben. Fast schon verharmlosend, gar romantisierend, wirken Sätze wie „. . .die Hand ist bis zum Venushügel gewandert“.

Und immer wieder wird darauf hingewiesen, dass die beiden Opfer transsexuell sind. Ich frage mich, ob dem Verfasser klar ist, dass es nicht um die Geschlechtsidentität der Opfer geht, sondern um das, was ihnen angetan wurde.

Zu guter Letzt: Die Opfer hatten es, wie Richterin Friedl sagte, nicht immer einfach.

Das Mindeste wäre es da doch gewesen, ihnen den nötigen Respekt zu erweisen und sie so anzusprechen, wie sie es wünschen.

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