Bad Mergentheim

Spendenübergabe Weltladen Bad Mergentheim übergab 5000 Euro an Berthold Ludwig und Wolfgang Spinner

Transport in den Kongo ermöglicht

Spannend wie ein Krimi gestaltet sich der Transport von Hilfsgütern in den Kongo. Durch eine Spende des Weltladens wird er wieder ermöglicht.

Bad Mergentheim. Da packt man alles Mögliche in einen Container, schickt es in den Kongo, und die Leute dort freuen sich. Wer sich so einen Hilfstransport vorstellt, wie ihn Berthold Ludwig und Wolfgang Spinner für Kolping in Zusammenarbeit mit dem aus Werbach stammenden Pfarrer Thomas Kuhn für das afrikanische Land bald wieder losschicken, der irrt sich gründlich. Spannend wie ein Krimi ist so ein Transport – von der Planung bis zur Ankunft.

Versprechen gehalten

Das haben die beiden Organisatoren bei der Spendenübergabe durch den Weltladen Bad Mergentheim eindrucksvoll geschildert. Die beiden Kolpingbrüder freuten sich darüber, dass der Weltladen sein 2017 gegebenes Versprechen einlöste und aus den 2018 und 2019 erwirtschafteten Erträgen insgesamt 5000 Euro übergab, um den Transport zu ermöglichen.

Doch von Anfang an: Zuallererst gilt es im Vorfeld, Hilfsgüter zu bekommen, die die Menschen im Kongo brauchen können. Ein Hilfstransport ist keine Abfallentsorgungsfahrt. Aber hierzulande werden viele Maschinen, Geräte, Werkzeuge und andere Waren aussortiert, nur weil sie alt sind, dem Zeitgeist nicht mehr entsprechen, technisch überholt sind oder bürokratischen Normen plötzlich nicht mehr entsprechen.

Eigentlich wären sie noch gut zu gebrauchen. Und zweckmäßige Mechanik lässt sich auch in Afrika verwenden; moderne Elektronik hingegen ist für die Menschen in einem abgelegenen kongolesischen Ort gänzlich ungeeignet und auch nicht zu reparieren.

Aktuell steht ein Transport mit Nähmaschinen und mit medizinischem Gerät an, erklärt Wolfgang Spinner. Erstere sind für eine Nähschule. In dieser lernen junge Frauen schneidern. Wenn sie am Ende ihrer Ausbildung in ihr jeweiliges Dorf zurückkehren, bekommen sie „ihre“ Maschine mit. Dort sind sie dann in der Lage, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Außerdem habe Pfarrer Thomas Kuhn mit dem Aufbau eines dritten Krankenhauses begonnen. „Die Zustände im Kongo sind für uns unvorstellbar. Spritzen werden dort aus schierem Mangel mehrfach verwendet“, erfahren die entsetzten Weltladenmitarbeiterinnen. Die Erklärung ist so einfach wie befremdlich: „Wenn man es macht, hat das Kind immerhin eine Überlebenschance. Wenn man es nicht behandelt, stirbt es auf jeden Fall.“ Erst recht fehle Operationskleidung zum Wechseln, einfaches medizinisches Gerät und Medikamente. Auch gebrauchte Schulmöbelsätze, die bei uns häufig „entsorgt“ würden, seien für eine Schule im Kongo, in der die Kinder auf dem Boden sitzen, barer Luxus.

Aber all diese Schätze müssten ihr Ziel auch erreichen, sonst sei alles Sammeln vergebens. Und es sei beileibe nicht damit getan, die Güter so sorgfältig in dem 12-Meter-Überseecontainer zu verstauen, dass auf der langen Reise nichts zu Bruch geht. Die Reise müsse generalstabsmäßig geplant werden. Der deutsche Zoll nehme sich der Sendung an. Das sei für die beiden schon Routine. Der Container werde verplombt. Diese Zollplombe sei ein ganz wichtiger Beitrag zum Erfolg der Mission. Mit dem Lastwagen gehe es zum Karlsruher Rheinhafen und von dort zu Schiff rheinabwärts.

Kostendeckung schwierig

Den weiteren Transport zu organisieren, sei nicht so einfach, wusste Spinner. Der Versand sei teuer geworden in den letzten Jahren. Der Container selbst, ein von einem Frachtunternehmen ausgemustertes Stück, sei für rund 900 Euro zu haben – billiger als die Miete eines neueren. Der Transport selbst koste aber mittlerweile rund 10 000 Euro, wenn alles gut läuft. Dafür müsse aber gewährleistet sein, dass die Fracht in Antwerpen unmittelbar auf einen Hochseefrachter umgeladen wird, damit keine Lagergebühren im Hafen anfallen. Und es sei wichtig, auf dem Schiff den richtigen Platz zu bekommen, damit während der Fahrt und beim Ausladen alles reibungslos vonstatten geht. Von Antwerpen dauere es dann drei bis vier Wochen zum Zielhafen. Denn zwischendurch laufe das Schiff andere Länder an. „Obwohl wir den Container optimal packen und jede Ecke auspolstern, ist bei der Ankunft oben ein halber Meter Platz, weil sich die Ladung gesetzt hat“, schildert Wolfgang Spinner.

Damit im Kongo nicht auf ganz andere Weise „Luft in den Container“ kommt, muss die rund 20 Tonnen schwere Fracht vor Ort unmittelbar übernommen werden. Es gilt, immer die Mentalität der Menschen im Blick zu haben. In Afrika ticken die Menschen anders. Korruption und Diebstahl sind große Hürden für Hilfe. Am Hafen warten deshalb mit einem Lastwagen für den weiteren Transport auch der Ortsbischof und ein Vertreter einer befreundeten Botschaft, die schützend ihre Hand über das Unternehmen hält. Dort entfaltet die Zollplombe ihre segensreiche Wirkung.

Durch sie ist sichergestellt, dass der Container nicht geöffnet und geplündert wird und, dass kein Schmiergeld gezahlt werden muss, um die Weiterfahrt zu ermöglichen, wie dies sonst in afrikanischen Staaten zu befürchten wäre. Wolfgang Spinner und Berthold Ludwig wissen zu berichten, dass private Hilfsprojekte aus der Region für Benin und andere afrikanische Länder an Diebstahl und Korruption zerschollen sind. Wenn man an jedem Kontrollpunkt Schmiergeld zahlen muss oder am Ende fast nichts von dem ankommt, was man für die Menschen zusammengetragen hat, hat das alles keinen Sinn, wissen die beiden. Immer noch verplombt, wird der Container auf einen Lastwagen verladen und fährt nun die rund 500 Kilometer ins Landesinnere. Auf einem abgesperrten Gelände wird er geöffnet, und die Mitarbeiter des Priesterseminars übernehmen den weiteren Transport und die Verteilung der Güter. Den Container verwertet die Diözese im Kongo, um den Rücktransport zu sparen. So ein ausgebrauchter Überseecontainer kann als Gebäude immer noch gute Dienste leisten.

Das funktioniert seit Jahrzehnten – im Grundsatz. Denn eigentlich hätte der nun anstehende Transport schon vor einiger Zeit abgehen sollen. Aber die Zustände im Kongo erlaubten es nicht. Nun soll es aber in Kürze losgehen. wlv