Bad Mergentheim

Kolping-Narrengilde „Lustige Gesellen“ Prunksitzung im katholischen Gemeindehaus / Bunter und kurzweiliger Abend voller hochkarätiger Wortbeiträge und gekonnten Tänzen

Tiefsinniges, Spitzes und farbenfrohe Hingucker

Archivartikel

Die „Lustigen Gesellen“ der Kurstadt können Fastnacht feiern. Das haben sie am Samstag in ihrer Prunksitzung bewiesen. Großes Thema war der Weggang von Dekan Ulrich Skobowsky.

Bad Mergentheim. Die Rolle als Putzfrau ist ihr förmlich auf den Leib geschrieben: Elke Seubert von den Lustigen Gesellen kalauerte sich durch ihr Lieblingsthema: Männer und Frauen. Im Mittelpunkt stand Gatte Manfred. Ihre Gags waren treffsicher, aus dem Leben gegriffen, gewürzt mit leicht frivoler Schärfe, keinesfalls zu viel, und versehen mit Lokalkolorit. Doch von Anfang an: Nach dem Einzug des Hofstaates um Sitzungspräsident Andreas Schweizer, dem Prinzenpaar Christina I. und Alexander I., dem Kinderprinzenpaar Tamina I. und Josef I. und den Abordnungen aus Oberlauda, Assamstadt, Krautheim und Lauda, folgte ein bunter kurzweiliger Abend, gespickt mit hochkarätigen Worten und farbenfrohen Tänzen.

Den Anfang machte traditionell die „Schofherd“, ehe das elfjährige Eigengewächs „Tanzamreichen“ Amrei Hettenbach über die Gemeindehausbühne wirbelte. Für die gelungene musikalische Umrahmung sorgte die Musikkapelle aus Wachbach unter der Leitung von Werner Gebert.

Garant für spitze Worte in der Bütt war der Protokoller: Jürgen Michelberger (auch er ist ein Eigengewächs) legte wieder einmal den Finger in die Wunden der kurstädtischen Kommunalpolitik: Ob Fridays for future, die Kreuzung an der B 290, der Bahnhofsvorplatz oder die Radunterführung in Edelfingen, aber auch der Ausbau der Holzapfelgasse samt deren hässlichen Pflanzkübeln („Da frag ich mich, wer um alles in der Welt, hat diesen Schrott bestellt“) – Michelberger traf mit seinen Worten ins Schwarze und schüttelte den närrischen Kopf ob so manchem Schildbürgerstreichs.

Und zur künftigen Umgestaltung des Gänsmarktes meinte Michelberger: „Ich bin zu folgender Erkenntnis gekommen, denn genau genommen, ist die größte Grabungsstätte insgeheim, die Innenstadt von Mergentheim.“ Zum Schluss noch einige Worte in Richtung Dekan Skobowsky: „Nun kann ich es nicht verhehlen, Dekan Skobowsy wird uns fehlen“. Dem Publikum gefiel es.

Eine (fast) gerade Kurve

Die aus alter Zeit angereiste Hofdame Kerstin Köber, zum zweiten Mal auf der Gesellen-Bühne, blickte in amüsanten Reimen auf die Geschehnisse in Stadt und Land: Die begradigte Kurve Richtung Stuppach, das Jubiläum 800 Jahre Deutscher Orden, der Weggang von Dekan Skobowsky und das neue Stadtkloster wurden von ihr mit viel Hintersinn und amüsanten Reimen beleuchtet.

Als „Neuelferrat“ erstürmte Nachwuchs-Eigengewächs Bastian Kemmer die Bütt, wobei, so neu waren seine Erkenntnisse nicht, erzählte doch Jugend-Büttenass Markus Kiefel von den Eisinger Schneegäns (er trat in diesem Jahr aus Protestler auf) bereits vor einigen Jahren eben die gleichen Erfahrungen eines Jung-Elferrats. Dennoch, allein dem Mut und dem Engagement, sich vor vollem Haus auf die Bühne zu stellen, muss Respekt gezollt werden.

Für die erneute Bewerbung zur Landesgartenschau bekamt OB Udo Glatthaar, der sich als Gast unter die Narrenschar mischte, als Geschenk ein „Lotharle“, ein kleines Blumentöpfchen in Anlehnung an seinen Vorgänger Lothar Barth, der auch bereits während seiner Amtszeit den Gedanken an eine Gartenschau-Bewerbung fasste. Für ihren Einsatz rund um die Bad Mergentheimer Fastnacht erhielten in diesem Jahr Friedlinde Grabosch und Regina Scherer, beide die guten Seelen im Hintergrund, den großen Verdienstorden der Narrengilde.

Für kurzweilige Unterhaltung sorgten ferner Rolf Herzel, alias Hauptmann Küppers, der den Tränen nahe, seinen Abschied als Büttenass bei der Gesellen-Sitzung bekanntgab, und Andreas Poser von den Lustigen Vögeln aus Schweinberg in einer Paraderolle als Nachtwächter.

Neu unter den Akteuren der Lustigen Gesellen war die heimische Gesangsgruppe „Shock before“, die im Stil der Les Humphries Singers Lokal-Ereignisse auf die Schippe nahmen – ein wirklich gelungener Start.

Farbenfrohe Hingucker zwischen den einzelnen Vorträgen waren die Tänze der zahlreichen Tanzensembles: Die Purzelgarde (Zirkus), die Schautanzgruppe (Peter Pan), das gemischte Ballett (die Mondlandung), das Männerballett (Asterix und Obelix) oder die beiden Garden: die Lustigen Gesellen haben sich wieder einmal selbst übertroffen.

Garanten für diese farbenprächtigen Auftritte sind zum einen die Trainerinnen Lisa Kavcic und Leonie Schmitt, Melanie Kovacevic, Kim Hofmann, Pia Glass, Lorena Seubert, Kristin Hofmann, Jessica Szyperski, Margarete Kenk und Christine Glass, zum anderen aber vor allem „Hofschneiderin“ Roswitha Strobl, die diese Ideen in farbenfrohe Kostüme verwandelt, ohne die der Abend nur halb so schön wäre.

Die Lustigen Gesellen haben ein weiteres Mal aus eigener Kraft einen kurzweiligen, wenn auch mit fünf Stunden sehr langen Abend veranstaltet: bunt, witzig und spektakulär. Chapeau!

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