Bad Mergentheim

Teufel steckt im Detail

Sascha Bickel zum Verkehrskonzept in der Innenstadt

Eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt, ja warum nicht. Mehr Aufenthalts- und Lebensqualität, bitte gerne. Eine gute Erreichbarkeit mit dem Auto und kurze Wege für die Kunden erhalten, na klar. Den Einzelhandel nicht vergessen, besser noch stärken, unbedingt. Das alles klingt erst einmal gut, hört sich aber auch irgendwie nach der Quadratur des Kreises an. Der Teufel steckt im Detail!

Bad Mergentheim möchte den Verkehr in neue Bahnen lenken und ihn vor dem Schloss und am Gänsmarkt zurückdrängen. Dazu sollen die Radfahrer neue Freiheiten in eine Art Ringverkehr am Rande der Altstadt erhalten. Ein interessanter Ansatz.

Aber es ginge auch noch mutiger. Es fehlen irgendwie die großen Verknüpfungspunkte und -linien beim nun favorisierten Verkehrskonzept.

Fangen wir bei den schwächsten Verkehrsteilnehmern, den Fußgängern, an. Warum gibt es nicht wirklich einen attraktiven, durchgängigen Weg für diese vom Schloss über den Deutschorden-, Marktplatz, Gänsmarkt bis zum Bahnhof und der dahinter liegenden Mall? Mit klaren Vorrechten bei allen Straßenkreuzungen. Der neue Platz am Gänsmarkt wäre sicher ein großer Schritt und ist dennoch in der Gesamtschau nur ein Stückwerk.

Wo sind die Verbindungen der Radwege in alle Himmelsrichtungen und ans überörtliche Netz mit eventuellen Vorrangflächen an markanten Kreuzungspunkten? Stuttgart stellt gerade Teile von Hauptverkehrsstraßen probeweise als Pop-up-Radwege zur Verfügung. Der Fahrradmarkt boomt und auch andere Städte, darunter Crailsheim, haben beschlossen, mehr für Radler in der Innenstadt zu tun. Wo will hier Bad Mergentheim hin?

Bleiben noch die Autofahrer. Klar ist, der überörtliche Verkehr soll über die Ortsumgehungen West und Süd fahren, Abkürzungen durchs Zentrum verhindert werden. Die Altstadt soll mit Blick auf die Geschäftswelt erreichbar bleiben, aber verkehrsberuhigt werden. Die im Rat beschlossene Probezeit ist ein guter Schachzug, um zu testen, Erfahrungen zu sammeln und darauf basierend optimale Entscheidungen treffen zu können. Es gilt, mutig nach vorne zu schauen und nicht nur zögerlich und scheibchenweise zu agieren – zumal man ja auch die Landesgartenschau genau so bekommen will.

 
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