Bad Mergentheim

Leserbrief Zur Gemeinderatsberichterstattung vom vergangenen Samstag "Kindergarten-Neubau am Carolinum"

"Stadt zahlt, hat aber kein nennenswertes Mitspracherecht"

Nix dagegen, wenn ein neuer Kindergarten gebaut wird. . . ich habe allerdings etwas dagegen, wenn die Kirche (egal welche) sich als "Träger" rühmt, tatsächlich aber zum Beispiel fast 100 Prozent der Personalkosten (ohne nennenswertes Mitspracherecht) von der Stadt getragen werden.

Ja, Herr Lehr, der Steuerzahler muss immer "froh" sein, wenn die Kirche ein "Engagement" zeigt. . . Hier würde bei Facebook jetzt ein grinsendes und zwinkerndes Emoji stehen. "Man gehe davon aus, dass ein Großteil der bestehenden Einrichtung und Ausstattung ins neue Gebäude übernommen werden kann" ganz ehrlich: brüllender und lachender Emoji!

Ich kann mich erinnern, die Kindergartenbeiträge an die Kirche und nicht an die Stadt überwiesen zu haben. Ich kann mich auch erinnern, dass Neuanschaffungen teilweise nur durch das Engagement der Eltern möglich waren - wahrscheinlich ist es immer noch so.

Ich finde die Idee eines Containers am Bestandsbau gar nicht so schlecht, zumindest als Übergangslösung. So kann der Platzmangel kurzfristig beseitigt werden und die 21 Flüchtlingskinder können ihren Kindergartenplatz bekommen. Ich darf daran erinnern, dass das Berufsschulzentrum in der Seegartenstraße seit geraumer Zeit mit Containern den Schulbetrieb aufrechterhält. Vielleicht kann man gemeinsam noch einmal drüber nachdenken und abstimmen, wer die Kosten übernehmen sollte. Im Gegenzug kann die Stadt dann eventuell wieder mehr Geld in Projekte wie die Stadtbücherei stecken, die sich mit ihren Öffnungszeiten in einer "wachsenden" Stadt am Rande der Lächerlichkeit bewegt oder aber auch der Sanierung diverser Straßen am Ort, oder oder oder. . .

Vielleicht mag ich nicht viel an den bestehenden "Gesellschaftsformen" ändern können. Aber ich kann meinem Unmut durchaus Luft machen und glauben Sie mir, wir leben in Zeiten des Wandels. Strukturen werden sich ändern, weil sie dies schon immer getan haben.

Ob die Kirche in ihrer jetzigen Form Bestand hat oder ihren Sonderstatus in der Gesellschaft behalten wird, kann ich nicht sagen. Auch wie lange sie es sich noch leisten kann qualifiziere Fachkräfte nicht einzustellen, weil diese aus der "Gemeinschaft" ausgetreten sind. Ich möchte niemanden verletzen, beleidigen oder zu nahe treten, sondern zum Nachdenken anregen. Gerechtigkeit betrifft immer zwei Seiten: Den, der es bezahlt, und den, der es bekommt. Ursula von der Leyen - Quelle "Focus". Sollte es nicht an der Zeit sein, den Geldsack auf dem man sitzt (schauen Sie sich die Vermögen der Kirchen an), aufzuschnüren und da zu helfen, wo es gebraucht wird, statt immer neue Spendenaufrufe (aktuell in Bad Mergentheim zur Sanierung des Münsters) zu starten?! Liebe Kirchen gehen Sie mit gutem Beispiel voran!