Bad Mergentheim

„Tag des Internationalen Ehrenamtes“ 20 „Grüne Damen“ und zwei „Grüne Herren“ unterstützen derzeit das Krankenhaus-Pflegepersonal

Sie zeigen Herz und leisten Hilfe

Der heutige „Tag des Internationalen des Ehrenamtes“ gehört denen, die durch ihr „Dasein für Andere“ die Gesellschaft bereichern.

Bad Mergentheim. Beschlossen im Jahr 1985 von der Europäischen Union, wird auch bei uns in Deutschland jährlich am 5. Dezember das Ehrenamt in besonderer Weise gewürdigt. Dieses freiwillige Engagement ist von unschätzbarem Wert.

Studien zufolge setzen sich rund 34 Prozent der Bevölkerung regelmäßig unentgeltlich für das Gemeinwohl ein. „Sie zeigen Herz und leisten Hilfe, beides ist wichtig. Für mich gehört die Erfahrung des beherzten und beharrlichen bürgerschaftlichen Engagements zu den ganz besonders beglückenden Erfahrungen meines Amtes.“ Soweit die Worte des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck in einer Rede zum Tag des Ehrenamtes. Anna Schurk und Rosemarie Heimberger, zwei Frauen stehen stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in unserer Region.

Lichtblicke im Krankenzimmer

Ein froher Gruß am Morgen, ein anteilnehmendes „Wie geht es Ihnen heute?“, ein freundlicher Blick, ein gutes Wort – das weckt neue Kräfte und Lebensfreude. Kliniken sind aufgerüstet mit moderner Technologie, die im Kampf gegen Krankheit und Tod unentbehrlich sind. Doch ohne mitfühlende Menschen wäre das technisierte Krankenhaus ein steriles Arsenal, der Kranke nur eine Nummer im Computersystem.

Im Oktober 2018 hat Inge Friedrich die Leitung der ehrenamtlichen Gruppen im Caritaskrankenhaus Bad Mergentheim übernommen. Neben ihr sitzt Anna Schurk, eine der freundlichen, ehrenamtlichen Helferinnen auf der Krankenstation.

Zwanzig „Grüne Damen“ und zwei „Grüne Herren“ unterstützen derzeit das Pflegepersonal – von Patienten auch liebevoll „Grüne Engel“ genannt. Nein, es handelt sich nicht um Mitglieder einer Öko-Partei. Sie benötigen für ihre Aufgabe auch nicht den berühmten „grünen Daumen“. „Was wir ins Krankenzimmer mitbringen, ist vor allem Zeit,“ versichert Anna Schurk. „Im Gegensatz zu den Pflegekräften können wir uns ohne Zeitdruck den Patienten widmen. Zeit ist ein Geschenk, das mancher Patient erst durch seine Erkrankung schätzen lernt.“ Seit dreißig Jahren besucht sie Kranke auf der Station, erkundigt sich nach deren Befinden, tröstet die Bedrückten, ermuntert die Mutlosen, freut sich mit den Genesenden und ist nach dieser langen Zeit noch kein bisschen dienstmüde. Lebhaft erzählend sitzt sie da, in ihrem adretten, mintgrünen Kittel. „Grün, ist die Farbe der Hoffnung,“ lacht sie und fügt erklärend hinzu: „Brigitte Schröder, die Frau des ehemaligen CDU-Politikers Dr. Gerhard Schröder, die 1969 unseren Verein gründete, hat sich für diese Farbe entschieden.“ Sie ist weit mehr als ein Erkennungsmerkmal, sie ist zum Gütezeichen geworden.

Wenn Anna Schurk die Tür zum Patientenzimmer öffnet, weiß sie nicht genau, was sie erwartet. Freundliche Fragen sind oft der Beginn einer angeregten Unterhaltung, an der sich manchmal alle Patienten im Zimmer beteiligen.

„Männer lieben es, zu politisieren, Frauen erzählen gern von ihrer Familie. Ich gehe auf die Interessen der Patienten ein – von Kochrezepten über Modefragen bis hin zu Gartentipps wird kein Thema ausgelassen,“ erzählt Anna Schurk. Eine nette Unterhaltung, ein bisschen „Smalltalk“? „Nicht immer, es gibt auch sehr persönliche Gespräche. Von manchen Patienten erfahren wir viel. Sie wissen, dass es bei uns gut aufgehoben ist.“ Dass sie abgewiesen werde, komme so gut wie nie vor. „Wir müssen ein Gespür dafür haben, wenn ein Patient nicht in Erzähllaune ist und Ruhe braucht.“

Zwischen Freude und Leid

Es wird ihnen schon etwas abverlangt, den „Grünen“. Sie müssen lernen, sich im Gefüge der Klinik zurechtzufinden. „Verschwiegenheit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit sind selbstverständlich“, berichtet Schurk. „Etwas Selbstbewusstsein gehört auch dazu und natürliche physische und vor allem psychische Belastbarkeit“. Inge Friedrich ergänzt: „Das Wichtigste aber ist Freude am Umgang mit Menschen, man muss Menschen mögen.“ Sie kämen aus ganz unterschiedlichen Berufen, die meisten seien im Ruhestand. Gewöhnlich seien sie einmal wöchentlich in einer Vormittags- oder Nachmittagsschicht im Einsatz. „Gut drei Stunden benötige ich, um alle meine Patienten zu besuchen“, erzählt Schurk. Sie betreue eineinhalb Stationen auf der „Inneren“. Auf die Uhr blickte sie nicht. „Mein Anspruch ist, dass ich zumindest einmal in jedes Krankenzimmer geschaut habe.“

Freud und Leid liegen im Krankenhaus eng beieinander. Die einen sind auf dem Weg der Besserung, andere müssen mit einer schlimmen Nachricht umgehen. „Zuhören und einfach nur da sein – das ist oftmals eine große Hilfe, wenn Worte fehlen,“ berichtet Anna Schurk aus ihrer Erfahrung. Und wie kommt sie selbst damit zurecht? „Natürlich bemühe ich mich um eine gewisse Distanz, sonst könnte ich diese Aufgabe nicht wahrnehmen. Ich erlebe aber auch tragische Schicksale, die sehr berühren. Das Herz ist eben auch immer mit dabei. Einige Momente im Andachtsraum, ganz für mich allein – das ist meine Kraftquelle, aus der ich neue Energie schöpfe.“ „Grüne Dame“ oder „Grüner Herr“ sein, das ist nicht nurGeben, sondern auch eine Bereicherung für das eigene Leben. „Dieses Ehrenamt schafft Verbindungen, denn man übt es nicht allein aus, sondern ist Teil eines Teams.“ Nachdenklich fügt sie hinzu: „Man sieht seine Mitmenschen mit anderen Augen, geht anders mit ihnen um, lernt Geduld und Nachsicht.“ Man lerne Menschen kennen und sie einzuschätzen. „Ach, war das schön, dass Sie da waren“ – wenn ein Patient das zu mir sagt, gehe ich glücklich aus dem Zimmer und nehme etwas von dieser Freude mit nach Hause.“ Anna Schurk lächelt. Wer Freude weitergibt, empfängt Freude, wer ein Lächeln auf dem Gesicht eines anderen entzündet, hat selbst ein leuchtendes Gesicht.

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