Bad Mergentheim

TV Bad Mergentheim, Schwimmsport Trockentraining kann keinen Ersatz für die spezifischen Eigenschaften des Wassers bieten

Schwimmer wie die Fische an Land

Archivartikel

Wie Fische an Land fühlen sich die TV-Schwimm-sportler seit mittlerweile fast zwölf Wochen. Für die jungen Leistungssportler ist dies die mit Abstand längste „wasserfreie“ Zeit ihres Schwimmerlebens.

Bad Mergentheim. Schwimmen ist einfach ihr Ding – und so werden sogar in den Sommerferien meistens Urlaubsziele nach den Swimmingpools ausgesucht.

Am 16. März absolvierten die Wettkampfgruppen des TV Bad Mergentheim ihre letzte Trainingseinheit im Wasser. Da zogen sie die noch einmal Bahnen im Solymar, bis zu diesem Tag waren dies rund drei bis sechs Kilometer, also 120 bis 240 Bahnen annähernd täglich.

Erst seit dem 12. Mai trainieren sie wieder zusammen mit Trainer Olaf Schulze. In Kleingruppen, aber immer noch an Land. Bisher war es für die jungen Sportler immer noch ganz spannend. Endlich konnte man sich um Dinge kümmern, die sonst zu kurz kamen.

Konkurrenz bereits im Wasser

So versucht man im Moment, die Ausdauer mit Joggen und Radfahren zu erhalten, die Verbesserung der Beinkraft steht ebenso im Vordergrund. Erste, ganz kurze Wassereinheiten im Hollenbacher See (Wassertemperaturen unter 20 Grad nehmen die jungen Sportler in Kauf) stehen ebenso auf dem Trainingsplan wie Intervalltraining auf dem Trimm-Dich-Pfad.

Für Schwimmer gibt es aber keinen Ersatz für das Training im Wasser, dessen spezifische Eigenheiten sich nicht simulieren lassen. So hat etwa Farshid Shami, Landestrainer Baden-Württemberg, in der Esslinger Landeszeitung gesagt. dass jeder Tag, der ohne Training im Becken vergeht, die Situation verschärft – mit möglicherweise fatalen Folgen. „Das Coronavirus könnte dazu führen, dass wir eine verlorene Generation an Talenten haben werden.“

Auch die Bad Mergentheimer Topathleten könnte es hart treffen. Vor allem, da die anderen Spitzenvereine in Württemberg (Schwäbisch Gmünd, Stuttgart, Neckarsulm) schon seit über zwei Wochen wieder im Wasser trainieren.

So wollte Jana Fischer (Jahrgang 2004) dieses Jahr ihren siebten Platz über 200 Meter Brust bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften zumindest wiederholen, ebenso die Bronzemedaille über dieselbe Strecke bei den Süddeutschen Meisterschaften.

Wettkämpfe verschoben

Daniel Sautner (Jahrgang 2004) hatte sich mit viel Fleiß und großer Konzentration ebenfalls über 200 Meter Brust fast ganz an die Spitze Württembergs gekämpft und wollte dieses Jahr auch die Konkurrenz auf Süddeutscher Ebene herausfordern. Die jüngeren Schwimmer Leni-Charlotte Maier (Jahrgang 2009), Niklas Kellermann und Leon Bastron (beide Jahrgang 2008) hatten sich ebenso vorgenommen, erstmals bei wichtigen Wettkämpfen über den Rand Württembergs hinauszuschauen. So hatten die Regionalkader-Schwimmer schon erste Qualifikationen für baden-württembergische und süddeutsche Meisterschaften erreicht. Ein schwacher Trost ist es, dass im Moment sowieso alle Wettkämpfe abgesagt, bzw. verschoben sind und man beim Deutschen Schwimmverband davon ausgeht, dass frühestens im Herbst wieder Wettkämpfe möglich sind. Ein Hoffnungsschimmer auf ein Ende der längsten Durststrecke ihrer Schwimmerkarriere keimt seit Ende letzter Woche in den jungen Athleten auf: Beim Training im Stadion konnte man tatsächlich ein mit Wasser gefülltes Freibadbecken erkennen.

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