Bad Mergentheim

FN-Videoreportage Bekannte Fälle der Afrikanischen Schweinepest bislang nur in Brandenburg / Regionale Mastbetriebe kämpfen ums Überleben

Schweinepest bedroht viele Landwirte

Archivartikel

Bad Mergentheim/Niederstetten.Von März bis Mitte September sind der deutschen Schweinehaltung laut amtlicher Preis-Feststellung durch die Corona-Pandemie rund 1,2 Milliarden Euro an Einnahmen entgangen. Jede Woche kommen durch die derzeitigen Tiefpreise geschätzt weitere 100 Millionen Euro an Einnahme-Ausfällen hinzu: Für viele Schweinemast-Betriebe ist die Situation schon lange angespannt – durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest auf deutschem Boden wird es jetzt möglicherweise sogar existenzbedrohend.

Die Afrikanische Schweinepest ist weitaus gefährlicher als die klassische Schweinepest – beides sind anzeigepflichtige Tierseuchen. Die Viruserkrankungen betreffen ausschließlich Haus- oder Wildschweine und enden für diese nach spätestens zehn Tagen tödlich. Für Menschen stellt das Virus zwar keine Gefahr dar, trotzdem sorgt die afrikanische Schweinepest derzeit für Angst und Schrecken in der Landwirtschaft: Die Preise sind mittlerweile existenzbedrohend tief gefallen – und täglich gibt es neue Hiobsbotschaften aus Brandenburg.

Am 10. September gab es den ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland – nahe der polnischen Grenze hat es seitdem mindestens 38 Wildschweine (Stand vom Donnerstag dieser Woche) erwischt. Die gefährdeten Gebiete liegen zwar in den Landkreisen Oder-Spree und Spree-Neiße und damit eigentlich sehr weit weg vom Taubertal. Dennoch hat das massive Auswirkungen für alle Schweinezüchter in Deutschland, berichtet Herbert Klein, seit 34 Jahren Geschäftsführer der „Unabhängigen Erzeuger-Gemeinschaft für Qualitätsferkel Hohenlohe-Franken“ (UEG) in Niederstetten-Adolzhausen: „Mit dem ersten nachgewiesenen Fall hat Deutschland den Status ’seuchenfrei’ verloren. Viele Länder haben den Import von deutschem Schweinefleisch gestoppt, darunter der mit Abstand größte Abnehmer außerhalb der EU: China.“

Unmittelbar nach Bekanntwerden des ersten ASP-Falls in Deutschland stürzte der Schweinepreis um 20 Cent pro Kilogramm ab – seit Jahresbeginn ist der Preis sogar von 2,03 Euro auf aktuell 1,27 Euro gefallen: ein Wertverlust von 76 Cent pro Kilogramm hochwertigem Schweinefleisch: „Durch die Corona-Pandemie sind die Preise extrem gefallen, weil durch den ’Wegfall’ der Gastronomie und zahlreicher Veranstaltungen nur noch sehr wenig hochwertige Fleischteile wie Filet oder Schinken verkauft wurden“, erklärt Klein.

Und jetzt auch noch die Schweinepest. China beispielsweise hat deshalb am 12. September einen sofortigen Importstopp ausgesprochen – und das ist der mit Abstand wichtigste Markt für deutsche Schweinezüchter: 380 000 Tonnen Fleisch wurden alleine im ersten Halbjahr 2020 nach Fernost exportiert. Ein Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 57 Prozent. In Fernost werden vor allem Teile nachgefragt, die hierzulande kaum Verwendung finden, wie der Kopf, Öhrchen oder fetter Schweinebauch, was die Wertschöpfung für die hiesigen Schweinebauern enorm verbessert hat.

Die Folgen des eingebrochenen Exports sind massiv. Herbert Klein von der UEG Adolzhausen stellt eine einfache Rechnung auf: „Ein Mastschwein kostet den Landwirt etwa 160 Euro. Derzeit liegt der maximal zu erzielende Preis bei 130 bis 135 Euro pro Tier. Das werden die Betriebe nicht lange durchhalten.“

In Brandenburg wurden sofortige Schutzmaßnahmen eingeleitet, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Angst geht trotzdem um bei Deutschlands Schweinebauern, bisher ist allerdings immerhin noch kein einziges Hausschwein betroffen. Würde der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in einem Betrieb amtlich festgestellt, so müssten der offiziellen Schweinepestverordnung entsprechend alle Schweine sofort getötet und unschädlich beseitigt werden. Aber – und das ist Klein ein wichtiges Anliegen: „Das Virus ist für Menschen absolut unproblematisch. Man könnte sogar befallenes Fleisch essen und hätte keinerlei Folgen zu befürchten.“

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