Bad Mergentheim

Straßennamen (Teil 7) Markelsheimer sind stolz auf ihre Weinbautradition und wollen sich auch öffentlich dazu bekennen / „Nicht für alkoholische Getränke werben“

Schwarzriesling schmeckte nicht allen

Archivartikel

Als eine Straße in Markelsheim auf den Namen Schwarzrieslingstraße getauft werden sollte, gab es Bedenken. Werde dadurch der Alkoholismus begünstigt?

Bad Mergentheim. „Wie herrlich steh’n die Weinberge da, es duften Reben fern und nah, ein feu’riges Getränk, wird uns von Gott geschenkt“, heißt es im Markelsheimer Heimatlied. Und aus den Markelsheimer Weinbergen werden im Herbst Trauben geholt und in einen blutroten Schwarzriesling verwandelt. Ein harmonischer Wein, voll zarter Fülle, der seinen reichen Gehalt speziell bei Wildbretgerichten, edlem Geflügel oder auch zu mildem Käse entfalten soll, wie die Werbung verspricht. Nicht wenige trinken ihn einfach nur so, als beglückenden Abendtrunk.

Da wundert es einen nicht, dass der Schwarzriesling in dem Weindorf nicht nur in Gläsern hoch gehalten wird, sondern auch namentlich auf die Höhe eines Straßenschildes befördert werden sollte, um ihm damit eine besondere Wertschätzung und öffentliche Anerkennung zuteilwerden zu lassen. Also hatte der Markelsheimer Ortschaftsrat in seiner Sitzung am 3. Dezember 2014 beschlossen, im zweiten Erschließungsabschnitt des Neubaugebiets „Fluräcker“ eine Wohnstraße auf den Namen Schwarzrieslingstraße zu taufen.

Diese Namenstaufe war allerdings dem Gemeinderat der Stadt Bad Mergentheim vorbehalten, der sich 15 Tage später der Sache annahm, wobei die Stadtverwaltung dem Rat vorschlug, sich dem Votum des Ortschaftsrates anzuschließen. Aber so einhellig, wie gedacht, ging es nicht über die Bühne, denn Thomas Tuschhoff lehnte die Bezeichnung Schwarzriesling für die Straße ab. Grund: Man sollte bekannte Persönlichkeiten, Blumen oder ein Gewann, aber doch bitte nicht alkoholische Getränke in Zeiten zigtausend Alkoholabhängiger als Paten für eine Straße wählen. Irgendwann komme auch noch die Pils- und Bockbierstraße nach Herbsthausen, befürchtete der Grünen-Stadtrat.

Andreas Lehr (CDU) hielt dagegen den Namen für vertretbar, weil damit die Markelsheimer Weinbautradition zum Ausdruck gebracht werde und die Rebsorte im Vordergrund stehe. Zudem seien doch schon andere Wohnstraßen in diesem Baugebiet nach Rebsorten benannt worden, insofern würde Schwarzriesling gut passen.

Und in der Tat: Für den ersten Bauabschnitt des Baugebiets „Fluräcker“ hatte der Ortschaftsrat vorgeschlagen, Rebsorten und Weinberglagen als Straßennamen zu verwenden: Roggenbergstraße, Zweigeltstraße und Tauberschwarzstraße standen auf der Wunschliste. Diesem Vorschlag des Ortschaftsrats schloss sich der Bad Mergentheimer Gemeinderat im Juni 2012 mehrheitlich, bei nur zwei Gegenstimmen, an.

Zweieinhalb Jahre später ging es im Gemeinderat dann um die zweite Erschließungsstraße im Baugebiet „Fluräcker“ und damit um die vom Ortschaftsrat gewollte Schwarzrieslingstraße. Nach den Einwänden von Tuschhoff und weiteren Wortmeldungen stimmten schließlich, bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen, 23 Mitglieder des Gemeinderats für die Schwarzrieslingstraße.

Ob diese Entscheidung richtig oder falsch war, kann nun jeder für sich, vielleicht sogar bei einem Schwarzriesling, selbst entscheiden.

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