Bad Mergentheim

800 Jahre Deutscher Orden in Bad Mergentheim Kommende 1219 von Brüdern aus der Familie derer von Hohenlohe gegründet

Schauplatz bedeutender Ereignisse

Das Jahr 2019 lädt Bad Mergentheim zum historischen Rückblick ein. Denn die Jubiläen des Deutschen Ordens und der Stadt machen auf die Bedeutung des Gemeinwesens aufmerksam.

Bad Mergentheim. Der Deutsche Orden geht auf das Hospital zurück, das Bremer und Lübecker Bürger 1189/90 bei der Belagerung von Akkon auf dem dritten Kreuzzug vor der Stadt gründeten. Der folgende Kreuzzug unter Kaiser Heinrich Vl. scheiterte an dessen plötzlichen Tod. Doch erhoben geistliche und weltliche Fürsten, die bereits im Heiligen Land eingetroffen waren, die Spital-Bruderschaft 1198 zu einem Ritterorden. Das war die Geburtsstunde des Deutschen Ordens.

Das Haus Hohenlohe

Die Herren von Hohenlohe erscheinen 1207 als Grundbesitzer in Mergentheim und im Taubental. Albert von Weikersheim hatte zusammen mit dem Kaiser, Friedrich Barbarossa 1189 am Kreuzzug teilgenommen und anschließend 1207/1208 den Johannitern Kirche und Pfarrgut in Mergentheim geschenkt.

Sein Bruder Heinrich von Weikersheim und dessen Gemahlin Adelheid von Langenburg hatten fünf Söhne und eine Tochter. Von ihnen fassten Andreas, Heinrich und Friedrich spätestens Ende 1219 den Entschluss, dem Deutschen Orden beizutreten.

Nach vorausgegangenen Verhandlungen schließen die im Laienstand verbleibenden Gottfried und Konrad mit ihrem Bruder Andreas, wohl dem ältesten der späteren drei Ordensbrüder, vor dem Würzburger Bischof Otto I. von Lobdebug am 16. Dezember 1219 einen Teilungsvertrag über Güter und Leute ab, aus dem hervorgeht, was die Herren von Hohenlohe auf Mergentheimer Grund und Boden besaßen.

Mit diesem Besitz wurde der Grundstein der Kommende Mergentheim gelegt. Andreas von Hohenlohe wurde wegen dieser bedeutenden Schenkung als Stifter des Ordenshauses anerkannt. 1220 bestätigt Kaiser Friedrich II. diese Schenkung. Die Mergentheimer Ordensniederlassung ist als „Hauskommende“ gegründet, was besagt, dass sie aus dem Stifterwillen einer hochadligen Familie, der Hohenlohe, hervorgegangen und mit einem großen Stiftungsgut ausgestattet worden ist.

Erster Komtur

Der erste Komtur der Kommende Mergentheim ist mit Sicherheit einer ihrer Mitbegründer, Heinrich von Hohenlohe. In einer Urkunde des Deutschmeisters Hermann Otter vom 13. Oktober 1221 wird Heinrich als Komtur aufgeführt. Seit 1222 sehen wir Heinrich wieder als einfachen Ordensbruder, bis er 1232 zur Würde des Deutschmeisters aufstieg. Diesen Posten bekleidete er bis 1242, kurz danach erreichte er die höchste Würde im Orden. Man wählte ihn 1244 in Akkon zum Hochmeister. Heinrich hielt sich als Hochmeister zuerst im Heiligen Land auf, später an verschiedenen Orten im Reich. Er starb 1259 und fand sein Grab in der Ordenskirche zu Mergentheim.

Kommende Mergentheim

Infolge der wachsenden Bedeutung des Ordens und der führenden Rolle, die die Kommende Mergentheim in der Ballei Franken schon bald nach ihrer Gründung erlangte, wurde Mergentheim oft der Schauplatz bedeutender politischer Ereignisse. Fürsten- und Städtebünde hielten hier ihre Treffen ab und schlossen Verträge und Bündnisse.

Sogar ein Reichstag wurde 1387 hier abgehalten. Mehrmals beriefen die Hochmeister die hohen Würdenträger des Ordens zu Generalkapiteln zusammen. So wuchs Mergentheim im Verlauf des Mittelalters zu einer der wichtigsten Kommenden heran.

Ausbau der Burg

Im zwölften Jahrhundert übernehmen die Grafen von Hohenlohe den Ausbau der Burg und ihre Erweiterung zur Wasserburganlage.

Nach der Gründung der Kommende reifte schnell der Plan, die Burg baulich zu verbessern. Unter Heinrich von Hohenlohe entstand als erste Erweiterung eine Burgkapelle und der Palas.

Entscheidend für die bauliche Umgruppierung der ganzen Anlage war später die Einrichtung des ersten Kapitelsaales im Westflügelbau nördlich des Bläserturmes. Dieser Flügel war in gotischer Zeit kürzer als heute. Der Kapitelsaal umfasste das ganze Obergeschoss.

Ansiedlung der Dominikaner

Zur geistlichen Betreuung der Bürgerschaft, wohl auch als Gegengewicht gegen den Johanniterorden als Inhaber der Pfarrei, hatte Heinrich von Hohenlohe den Dominikanerorden nach Mergentheim berufen, der dort eine Kirche errichtete und seit 1267 einen Konvent unterhielt.

Die Adligen der Stadt und der Umgebung waren beim Bau des Klosters sehr behilflich. Für diese Kirche stiftete Agnes von Hohenlohe, eine geborene Gräfin von Württemberg. Auch ihr Mann Kraft von Hohenlohe machte sich mit Stiftungen um die Dominikanerkirche verdient.

Erst im Jahre 1320 wurde mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen und wieder mit der hauptsächlichen Hilfe des Hauses Hohenlohe. Vollendet wurde der Bau vor 1350. 1525 wurden Kirche und Kloster durch den Bauernkrieg schwer beschädigt. Vielleicht das wertvollste Kunstwerk der Kirche heute ist das an der linken Chorwand aufgestellte Denkmal des Hoch-und Deutschmeisters Walter von Cronberg (gestorben 1543), der in der Gruft der Schlosskirche begraben liegt. Es wurde in der Werkstatt von Peter Vischer in Nürnberg angefertigt und befand sich früher in der Schlosskirche.