Bad Mergentheim

Leserbrief Reaktion auf die Zuschrift „Einfach geschmacklos“ im Zusammenhang mit dem Freibad (FN 23. Mai)

Romantische Bilder helfen nicht

In ihrem Leserbrief in den FN vom 23. Mai empört sich Frau Balzer darüber, dass ich das Freibad in der Kernstadt als Geldverbrennungsanlage bezeichnet und angeregt habe, es an Tagen mit Höchsttemperaturen unter 25 Grad geschlossen zu lassen.

Aus der Sicht dessen, der den Kiosk in dem Bad betreibt, ist eine solche Stellungnahme verständlich. Aus der Sicht dessen, der als Stadtrat Verantwortung für die Gesamtstadt mitträgt, ist sie es nicht.

Dies belegen allein die folgenden Zahlen, die die Stadtverwaltung mit dem Haushaltplan für 2018 (dort S. 34) vorgelegt hat.

Im Kalenderjahr 2016 betrugen die Betriebskosten der Freibäder in Bad Mergentheim 469.043 Euro, für 2017 standen schon 524.368 Euro im Haushalt. Für 2018 setzte die Stadtverwaltung in ihrem Haushaltplanentwurf 611.993 Euro an. Die Betriebskosten steigen also innerhalb von nur zwei Jahren um über 30 Prozent.

Noch schlechter ist die Entwicklung beim Defizit. Es steigt in diesen beiden Jahren um über 40 Prozent. 2016 mussten die Steuerzahler dieser Stadt 334.943 Euro zuschießen, 2017 waren 382.368 Euro im Haushalt vorgesehen und 2018 schon 469.993 Euro im Entwurf.

Bezogen auf jeden Öffnungstag betragen die Betriebskosten 2018 demnach rund 5.000 Euro, der Zu-schuss, den der Steuerzahler leisten muss, liegt bei 3.800 Euro (öffnungstäglich). Seit 2012 summieren sich die Fehlbeträge auf über 2,6 Mio. Euro, obwohl in dieser Zeit keine großen Renovierungen durchgeführt wurden.

Das Problem sind dabei nicht die Bäder in Wachbach und Althausen. Die werden über ehrenamtliche Helfer der Fördervereine vorbildlich und kostengünstig betreut. Das Problem ist das Bad in der Kernstadt. Die Stadtverwaltung hat vor wenigen Jahren festgestellt, dass die Personalkosten im Mergentheimer Freibad signifikant höher sind als in den Bädern vergleichbarer Städte der Region; man könne aber nicht sagen, weshalb dies so sei. Die wenigen Versuche, das Defizit im Kernstadtfreibad zu reduzieren, wurden von interessierter Seite hintertrieben.

Angesichts dieser desolaten Entwicklung hilft es nicht, schöne Bilder von einem romantischen Badebetrieb zu entwerfen und den morbiden Charme der herrlich gelegenen Anlage zu preisen.

Wie in solchen Fällen üblich, nennt Frau Balzer auch keine Zahlen. Sie weiß aber wohl genau, dass an Schlechtwettertagen alle Badegäste, die zum Schwimmen oder zur Wassergymnastik kommen, in einem Kleinomnibus Platz fänden. Ist es verantwortungsvoll, an solchen Tagen ein Freibad zu öffnen?

Es ist nicht damit getan, jeden Vorschlag zur Kosteneinsparung zu diskreditieren. Frau Balzer ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Leider macht sie dennoch keinerlei Vorschläge dazu, wie das Defizit im Freibad der Kernstadt reduziert werden kann.

Ich habe Vorschläge gemacht und bleibe dabei: An kühlen und regnerischen Tagen sollte das Bad geschlossen bleiben. Und wenn, wie in diesem Jahr, abzusehen ist, dass es in der ersten Öffnungswoche keinen heißen Tag geben wird, dann sollte die Verwaltung eben die Öffnung kurzfristig verschieben. Auch wenn dann im Kiosk der eine oder andere Cappuccino weniger verkauft wird.