Bad Mergentheim

Herzog-Paul-Abend des Schützen-Corps Am Samstag, 21. September, ab 19.20 Uhr / Vortrag über „Urbansbruderschaft in Mergentheim“

Reisen führten Adeligen durch Nord- und Südamerika, Afrika und Australien

Bad Mergentheim/Hamburg.Ein Segelschiff, der Dreimaster „Highlander“, verlässt am 7. Oktober 1822 den Hamburger Hafen mit dem fernen Ziel New Orleans. Mit an Bord, der 25-jährige Herzog Paul Wilhelm von Württemberg.

Herzog Paul, wie er bei den Mergentheimern genannt wird, war ein Neffe des Württembergischen Königs Friedrich I. und diente im Rang eines Generalmajors in der preußischen Armee. Mit dieser, seiner ersten Fahrt nach Amerika, verließ er die Pfade seiner Vorfahren und widmete sich ganz der Erforschung und Entdeckung fremder Länder, deren Menschen und ihrer Tier- und Pflanzenwelt. 1827 heiratete er die Prinzessin Sophie von Thurn und Taxis und zog in das Mergentheimer Deutschordensschloss. Aus der Ehe die bereits 1835 wieder geschieden wurde, ging 1828 Sohn Maximilian hervor. Der schillernde Prinz zeugte in Mergentheim 1833 mit einer Bürgerlichen die Tochter Louise und drei Jahre später mit einer anderen Frau aus der kleinen Oberamtsstadt die Tochter Pauline. Beide Töchter ließ er wohl versorgt und gut behütet im fernen Amerika erziehen und aufwachsen. Der „Zigeunerprinz“, wie er von seinen Kritikern genannt wurde, schrieb einmal, wie froh er sei, wenn alle württembergischen Thronfolger am Leben blieben und er nicht zum Zuge komme: „Der Gedanke, dass eine solche Möglichkeit mich zwingen könnte, meiner Neigung für Forschungsreisen zu entsagen, war der einzige düstere Schatten in meinem bisherigen Leben.“

Fortan zog es den Ruhelosen immer wieder hinaus in die Welt. Von seinen Reisen durch Amerika, Afrika und Australien brachte der Naturforscher unzählige präparierte Tierkörper, Pflanzen und Gegenstände mit. Seine riesige und zu seiner Zeit einmalige naturwissenschaftliche Sammlung präsentierte er in weit über zwölf Sälen des Mergentheimer Schlosses, das er von 1827 bis zu seinem Tod 1860 bewohnte. Leider schaffte es der Herzog nicht mehr, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in großem Umfang auszuwerten und zu veröffentlichen. Nach seinem Tode wurde sein umfangreicher Nachlass, darunter auch über 3000 Aufzeichnungen und Abbildungen in alle Winde verstreut. Größere Bestände der Sammlung befinden sich unter anderem in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart.

Allerdings könnte sich auf den Mergentheimer Dachböden durchaus noch der eine oder andere Schatz aus der Sammlung befinden, da diese, wenige Jahre nach seinem Tod, in einem Mergentheimer Wirtshaus, teilweise versteigert wurde. Fündige Mergentheimer Bürger dürfen sich gerne an das Historische Schützen-Corps wenden. Mit einem Festabend erinnert das Schützen-Corps Bad alljährlich an den Mergentheimer Ehrenbürger, der auch immer als Chef des damaligen freiwilligen Schützen-Corps bezeichnet wurde. Der „Herzog-Paul-Abend“ wird musikalisch von einem Quartett der Stadtkapelle und dem Hornistenzug des Corps musikalisch umrahmt. Als Beitrag, einen kleinen Teil der Mergentheimer Geschichte wach und am Leben zu halten, wird unter anderem die Ehrenbürgerurkunde, die der Herzog 1831 von der Oberamtsstadt Mergentheim verliehen bekam, feierlich verlesen. Auch der Weinbau gehört zur Geschichte unserer Stadt. Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass das Taubertal um 1815 einmal das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet in Deutschland war. Der noch junge Volkskundler Sascha Kimmelmann aus Markelsheim wird deshalb einen sehr interessanten Vortrag über die „Urbansbruderschaft in Mergentheim“ halten und die damaligen Geschehnisse näher beleuchten. Der Herzog-Paul-Abend, zu dem die geschichtsbewusste Bürgerschaft der Stadt willkommen ist, findet am Samstag, 21. September, im katholischen Gemeindehaus in der Marienstraße 1 statt. Um 19.20 Uhr schießen die Schützen des Corps zur Begrüßung der Gäste einen Ehrensalut aus ihren Vorderladergewehren. ge

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