Bad Mergentheim

15. Regionaler Bauernmarkt Buntes Programm für Groß und Klein / Podiumsgespräch zum Thema „Essen zwischen Hektik und Genuss“

„Regionale Produzenten unterstützten“

Mit vielen Ständen und einem bunten Programm lockte der Regionale Bauernmarkt. Bei einer Podiumsdiskussion ging es um die Möglichkeiten, die Wertschätzung regionaler Produkte zu steigern.

Bad Mergentheim. Sehr gut besucht war trotz Sommerhitze der Regionale Bauernmarkt im Bad Mergentheimer Kurpark, der heuer zum 15. Mal von der Kurverwaltung in Kooperation mit dem Landfrauenverband, dem Bauernverband und dem Landwirtschaftsamt Main-Tauber-Kreis präsentiert wurde.

Insgesamt gab es 33 Stände von landwirtschaftlichen und handwerklichen Familienbetrieben und bäuerlichen Vermarktungsgemeinschaften. Für die jüngeren Besucher gab es ein buntes Mal- und Bastelangebot. Musikalisch umrahmt wurde das Gesamtprogramm von der Stadtkapelle Bad Mergentheim sowie dem Kur- und Salonorchester Hungarica auf der Bühne im Musikpavillon.

Bei Schneidermeisterin Brigitte Kleefeld aus Niederstetten konnten Interessierte den Nähmaschinenführerschein machen. Am Stand der Landjugend Baden-Württemberg bestand die Möglichkeit, auf einem speziellen Fahrrad einen Smoothie zu erstrampeln.

Zudem gab es eine Präsentation der Landeskampagne „Natürlich von daheim“ und eine Ausstellung des Landwirtschaftsamtes. Deren Titel „Essen zwischen Hektik und Genuss“ war auch Thema eines Podiumsgesprächs mit Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Staatssekretärin beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Demeter-Landwirt und „Grünkern-Botschafter“ Dietmar Hofmann aus Schwabhausen sowie als Moderator Alois Gerig MdB, seit 2015 Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Deutschen Bundestag.

In den Schatten getreten

„Wie gelingt es uns, den Menschen den Genuss am Essen wieder näher zu bringen?“, war dabei eine der Kernfragen. Die Wertschätzung gegenüber Landwirten und den Erzeugern von Nahrungsmitteln sei zunehmend in den Schatten getreten, betonten alle drei Diskussionsteilnehmer übereinstimmend. Gurr-Hirsch bezeichnete es als „Luxusproblem“, dass Menschen Essen oft nicht mehr richtig genießen könnten.

Sehr wichtig sei es, speziell Kindern hochwertige und gesunde Ernährung nebst regionalen und saisonalen Produkten näherzubringen. „Was Hänschen lernt, verlernt Hans nimmermehr“, gab sie als Devise aus. Dazu zählten auch eine transparente Produktion und der Kontakt zwischen Verbrauchern und Landwirtschaft.

Zudem liege großes Potenzial in den Gemeinschaftsverpflegungen in Schulen, Betriebskantinen und Kliniken. 40 Prozent der Ernährung mit einem Wert von 80 Milliarden Euro jährlich erfolgten in Form von Außer-Haus-Verpflegung, berichtete die Staatssekretärin.

Werbung von Discountern

„Viele Besucher kommen zwar zu einem Tag der offenen Tür, handeln bei ihrem Einkauf dann aber doch anders“, hob Landwirt Hofmann hervor. Dazu trage erheblich die Werbung von Discountern mit Billigpreisen bei. „Wir versuchen, sowohl auf regionalen als auch auf internationalen Märkten wie etwa auf dem Salone del Gusto in Turin Grünkern bekannter zu machen“. Es gebe auch Interesse, jedoch komme keine große Nachfrage zustande. „Es ist eine Dummheit, wenn Reha-Kliniken am Einkauf von regionalen Lebensmitteln gespart wird“, brachte Staatssekretärin Gurr-Hirsch ihre Ausführungen mit einem Beispiel auf den Punkt. Hofmann appellierte, beim Einkauf auf regionale zu achten, die nicht Tausende von Kilometern transportiert worden seien. „Wir wollen eine Wertschätzung der bäuerlichen und handwerklichen Erzeugnisse“, unterstrich Gerig zum Abschluss. Dies diene auch der Pflege und dem Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft.

Bei einem anschließenden Rundgang unter Leitung von Michaela Patzel von der Bad Mergentheimer Kurverwaltung besuchten Gurr-Hirsch, Gerig und Hofmann unter anderem mit Landwirtschaftsamtsleiter Meinhard Stärkel und Alois Fahrmeier, Vorsitzender des Bauernverbandes Main-Tauber-Kreis Stände des Bauernmarktes. pdw