Bad Mergentheim

Verwaltungsausschuss tagte Stadtwald leidet sehr unter Hitze, Trockenheit und Borkenkäferplage / Finanzielle Kalkulationen äußerst unsicher / Forstbetriebsplan

Region um die Kurstadt stark betroffen

Archivartikel

Hitze und Trockenheit haben den Waldbäumen 2018 und 2019 starke Schäden zugefügt. Besonders hart trifft es die Region um Bad Mergentheim.

Bad Mergentheim. Karlheinz Mechler vom Kreisforstamt hatte keine guten Nachrichten für den städtischen Verwaltungsausschuss im Gepäck. Er berichtete von vielen kaputten Bäumen im Stadtwald aufgrund Wetterextremen und Borkenkäferplage.

„Die Fichte ist außerordentlich stark betroffen – viele sind schlicht vertrocknet oder wurden von diversen Borkenkäferarten befallen“, führte Mechler im Sitzungssaal des Neuen Rathauses aus und verwies auf bislang 6800 (!) eingeschlagene Festmeter Käfer- und Dürreholz. Der Käferbefall habe ab Ende August explosionsartig zugenommen.

„Sehr viele besonders starke Buchen sind im Laufe des Sommers 2019 abgestorben oder haben starke Kronenschäden“, fuhr Mechler fort: „Der Schwerpunkt des Buchensterbens befindet sich im Viereck zwischen Althausen, Assamstadt, Herbsthausen und Markelsheim.

Der Stadtwald Bad Mergentheim weist schwere Buchenschäden in Hachtel – viele starke alte Bäume –und zudem im Markelsheimer Sailberg, auf dem Katzenberg und auch in Apfelbach auf. Grobe Einschätzung: insgesamt ca. 2000 Festmeter.“

Weiter erläuterte Mechler: „Die Verwertung des Holzes aus den Zwangseinschlägen ist problematisch: Beim Nadelholz läuft der Markt über, bei der Buche kann erst nach dem Fällen beurteilt werden, ob das Holz im Sägewerk überhaupt noch eingeschnitten werden kann.“

Der Frischholzeinschlag müsse sich auf Baumarten beschränken, die vom Markt nachgefragt werden, so Mechler: „Und höhere Kosten für die Aufarbeitung und die Wiederaufforstung und geringere Erlöserwartungen werden das Betriebsergebnis negativ beeinflussen; die Kalkulation ist sehr unsicher.“

Den geplanten Gesamteinschlag für 2020 bezifferte Mechler auf 10 000 Festmeter, davon rund 3500 Festmeter Zwangsnutzungen. Eine knappe schwarze Null wird finanziell angepeilt. Einstimmig genehmigte der Ausschuss den Forstbetriebsplan 2020, zu größeren Diskussionen kam es nicht.

Nur CDU-Stadtrat Hariolf Scherer kritisierte den Einschlag gesunder Bäume im größeren Ausmaß und forderte hier im Sinne eines nachhaltigen Waldumbaus auf die Bremse zu treten. Forstdirektor Mechler hielt dem entgegen, dass die Stadt mindestens eine schwarze Null jedes Jahr erwarte. Das sei im Zehn-Jahresplan so vereinbart. Entsprechend müsse man auch gewinnbringende Bäume dem Wald zur rechten Zeit entnehmen.

Nachdem Oberbürgermeister Udo Glatthaar die Situation im Wald als „verheerend“ bezeichnet hatte, verlangte Hariolf Scherer noch ein neues Durchfahrtsverbotsschild für Touristen im Willinger Tal bei Wachbach, die „von der falschen Seite den Wildpark durch den Wald ansteuern“.

Forstdirektor Mechler kündigte abschließend im Zuge der Kreisforstreform Lea Teller als neue Revierförsterin für „Bad Mergentheim Süd“ ab voraussichtlich Januar an.

Der Ausschuss bewilligte danach noch 475 Euro Kulturförderung für die Musikkapelle Markelsheim. CDU-Fraktionschef Andreas Lehr appellierte an die Vereine und Organisationen der Stadt noch Anträge zu stellen, denn für 2019 seien noch 5700 Euro im städtischen Fördertopf übrig.

Zum Thema