Bad Mergentheim

Leserbrief Zur Entscheidung des Gemeinderats, der Jugendmusikschule und der Stadtbücherei die Mitteln zu kürzen

„Reduzierung des Budgets war dringend nötig“

Zum Glück hat die jüngste Pisa-Studie festgehalten, dass deutsche Schülerinnen und Schüler in der Kernkompetenz Leseverständnis mit Abstand führend sind. Glücklicherweise ist in der Bundesrepublik soziale Ungleichheit seit einigen Jahren abgeschafft – nirgendwo ist die Durchlässigkeit im Bildungssystem größer als hierzulande.

Gottseidank gibt es keine Armut mehr, und alle Kinder und Jugendlichen wachsen in bürgerlichen Vorzeigeverhältnissen auf, so dass man sich um musische und literarische Bereicherungen in deren Leben absolut keine Sorgen mehr machen muss.

Jährlich steigt die Zahl der Buch-Leserinnen und -Leser. Kulturelle Orte und Angebote sind wunderbarerweise an jeder Ecke zu finden, meistens ganz kostenlos, so dass etwa eine Arbeiter- oder Flüchtlingsfamilie an gesellschaftlichen Ereignissen schrankenlos teilhaben kann. Auch faschistoide Rattenfängerparteien wie die AfD agieren in der Bundesrepublik im Promillebereich – sicherlich dank des kritischen Bewusstseins, das durch großartige Bildungseinrichtungen, frei verfügbare Medien und aufklärerische Literatur in den Wählern von Jahr zu Jahr wächst.

Und Institutionen wie Jugendmusikschulen und Stadtbüchereien sind seit Jahren so opulent ausgestattet, dass sie gar nicht wissen, wo sie ihre finanziellen und personellen Mittel überhaupt noch einsetzen sollen. Von daher ist dem Bad Mergentheimer Gemeinderat ein großes Lob auszusprechen. Er hat sich in seiner letzten Sitzung zu der naheliegenden Maßnahme entschlossen, jenen Einrichtungen, die andere, augen- und ohrenöffnende Weltzugänge ermöglichen, drastisch die Mittel zu kürzen. Endlich!

Wer braucht schon angesichts der oben erwähnten Erfolge sinnvoll ausgestattete öffentliche Bibliotheken oder Musikschulen.

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