Bad Mergentheim

Covid-19 Medizinische Einschätzung zu Risikogruppen

„Psychische Folgen nicht vergessen“

Archivartikel

Odenwald-Tauber.Wie sehr sind alte und vorerkrankte Menschen von Covid-19 bedroht? Das wollten die FN von Dr. Carsten Köber (Bild) von der Kreisärzteschaft Bad Mergentheim wissen. Vermutlich sind Vorerkrankungen ausschlaggebend.

Herr Dr. Köber, könnten Sie unseren Lesern grob skizzieren, aus welchen Gründen Senioren so stark durch das Virus gefährdet sind?

Dr. Carsten Köber: „Vermutlich hängt dies mit den im Alter häufiger vorkommenden, chronischen Erkrankungen zusammen. Unter anderem sind hier Herzerkrankungen (Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz), Lungenerkrankungen (Asthma, COPD) bösartige Erkrankungen oder eine Immunschwäche (Organtransplantation, Rheuma unter entsprechender Medikation aber auch die Zuckerkrankheit) anzuführen.“

Welche Maßnahmen empfehlen sie den hiesigen Pflegeeinrichtungen?

Dr. Köber: „Tatsächlich spielen zunächst einmal allgemein Hygienemaßnahmen eine große Rolle – dies war aber in den von uns besuchten Pflegeheimen durchweg auch vor Corona schon der Fall. Angehörigen mit Atemwegsinfekten sollte nahegelegt werden, zu Hause zu bleiben (oder zumindest einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen). Unter schweren, fieberhaften Atemwegsinfekten Leidende haben in den Pflegeheimen nichts zu suchen. Auf keinen Fall sollte man aber die dabei verursachten, schwer einzuschätzenden psychosozialen Folgen bei den Bewohnern vergessen!“

Stellen Besuche von außen prinzipiell eine immense Gefahr für die Senioren in diesen Einrichtungen dar?

Dr. Köber: „Die Gefahr können wir so nicht genau beziffern. Dafür wissen wir noch zu wenig über die Rate der augenscheinlich gesunden Virusüberträger. Sicher werden aber die Fallzahlen in der Bevölkerung fortschreiten, so dass auch die Wahrscheinlichkeit steigen wird, durch Angehörige das Virus ins Pflegeheim einzutragen. Selbstverständlich sind Alte, Kranke und Geschwächte auch durch banale Infektviren und Influenzaviren gefährdet, denn auch die Grippeimpfung schützt immer nur vor einem Teil der grassierenden Virenstämme. Die Entscheidung, allen Ärzten grundsätzlich den Zutritt zum Pflegeheim zu verwehren und auf ,vital bedrohliche Ereignisse’ zu beschränken, wie in einem Bad Mergentheimer Heim am Freitag ausgesprochen, muss ich als Arzt aber eher als unglücklich einstufen. Wir dürfen bei allen wichtigen Bemühungen eines nicht aus den Augen verlieren: Durch viele Maßnahmen könnten in den nächsten Monaten mittelbar durch die Pandemie verursachte Schäden und Todesfälle deutlich ansteigen (und gegebenenfalls die Zahl der Corona-Todesfälle übersteigen). Das kommt zum Beispiel zum Tragen, wenn die zunehmende Dekompensation des Herzpatienten zu spät bemerkt wird und erst bei schwerer Ateminsuffizienz Hilfe geholt würde.“

Sollten Menschen, die gleich mehreren Risikogruppen angehören verschärfte Maßnahmen treffen?

Dr. Köber: „Ich persönliche halte nichts von dem Ausdruck ,verschärfte Risikogruppen’. Jeder Bürger ist gefordert.“ Bild: Köber

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