Bad Mergentheim

FN-Umfrage Bad Mergentheimer Fahrlehrer wollen sich überwiegend nicht über Bestehensquote äußern / Warum die Quote so schlecht ist

„Prüfung ist deutlich schwieriger“

Die Bestehensquote bei den Führerscheinprüfungen ist nicht gerade gut. Unsere Zeitung befragte Experten, warum.

Bad Mergentheim. Die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes ist ernüchternd. In Berlin bestand 2017 fast jeder Zweite die Theorieprüfung nicht (44,3 Prozent). In Hamburg bereitete die praktische Prüfung Probleme (Durchfallquote 42 Prozent).

Unsere Zeitung wollte herausfinden, wie die Lage in der Kurstadt ist. Leider mit wenig Erfolg: Von den insgesamt fünf befragten Fahrschulen wollten vier überhaupt nichts zu dem Thema sagen. Lediglich Michael Seeger von der Academy Fahrschule brachte etwas Licht ins Dunkle. Er schätzt die Durchfallquote in seinem Betrieb ähnlich hoch ein wie im Landesdurchschnitt.

263 000 Theorieprüfungen

Außerdem unterhielten wir uns mit dem Vorsitzenden des Baden-Württembergischen Fahrlehrerverbands, Jochen Klima: „2018 hatten wir in Baden-Württemberg 263 000 Theorie- und 237 000 Praxisprüfungen“, informierte er. Dabei seien 37,4 Prozent durch die Theorie und 25,3 Prozent durch die Praxis gefallen. „Der Ausreißer war bei der Ersterteilung.“ Denn bei den Führerschein-Neulingen seien ganze 40,5 Prozent durch die theoretische Prüfung gefallen. Bei den Gründen sind Seeger und Klima sich einig. Der Triftigste: Die Prüfung sei deutlich schwerer geworden.

„Früher gab es die Fragebögen auf Papier. Mit denen konnte man die Antworten lernen, ohne die Regel verstanden zu haben“, erklärte Klima. Heutzutage sei das nicht mehr möglich. Variierende Darstellungsformen in Bild und Video generieren etwa Kreuzungssituationen zufällig. Mal kommt ein rotes Auto von rechts. Ein anderes Mal ein gelber Lkw von links. „Ein weiterer Grund ist, dass der Führerschein nicht mehr so wichtig ist wie früher“, meinte Michael Seeger. „Heute wird man überall hingefahren.“ Zusätzlich wirke sich die schlechte Quote der „Umschreiber“ – also fremdsprachiger Bewerber aus dem Ausland – auf die Statistik aus, wusste Fahrlehrerverbands-Vorsitzender Jochen Klima. Weniger auf den theoretischen Teil der Prüfung, der in vielen Sprachen – unter anderem Hocharabisch oder Englisch – verfügbar sei. Schwerer falle die sprachliche Barriere bei der praktischen Prüfung ins Gewicht (Durchfallquote bei den Umschreibern: 43,7 Prozent). „Der Prüfer spricht eben deutsch“, sagte er. Außerdem sei es eine Frage der Sozialisation. Es mache einen gehörigen Unterschied, ob man im deutschen Verkehrssystem aufgewachsen sei und eine entsprechende Verkehrserziehung schon seit dem Kindergarten genossen habe. „Bei uns macht man eine Fahrradprüfung, dann schwingen sich viele aufs Mofa oder Moped und schlussendlich gehen sie erst den Autoführerschein an.“