Bad Mergentheim

Helden der Corona-Krise Materialwirtschaftler organisieren Schutzkleidung aus allen Herren Ländern / Artikel kosten mitunter das Dreißigfache

Preise für Schutzkleidung explodieren

Das Klingeln der Apparate gehört mittlerweile zum betrieblichen Grundrauschen in der Materialwirtschaft im Caritas. Die Mitarbeiter telefonieren Schutzausrüstung aus allen Herren Ländern rein.

Bad Mergentheim/Tauberbischofsheim. In normalen Zeiten arbeitet die Materialwirtschaft eher geräuschlos im Hintergrund und organisiert die Ausstattung mit Verbrauchsmaterialien für das Caritas-Krankenhaus, das Krankenhaus Tauberbischofsheim, die drei BBT-Senioreneinrichtungen im Kreis sowie für verschiedene Reha-Kliniken und Praxen in der Region. In Zeiten der Corona-Pandemie ist die Materialwirtschaft jedoch ins Zentrum des Krisenmanagements gerückt: Die Versorgung der Mitarbeitenden mit Schutzausrüstung hat oberste Priorität.

„Unermüdlicher Einsatz“

„Bevor ich irgendetwas anderes sage, möchte ich mich bedanken. Danke an das gesamte Team der Materialwirtschaft, das unermüdlich im Einsatz ist und viele innovative Ideen zur Materialbeschaffung einbringt. Danke an die Geschäftsleitung, die uns so viel Vertrauen entgegenbringt, dass wir quasi autark die Versorgung der Mitarbeitenden in unseren Einrichtungen steuern können. Und Danke an die Pflege- und Reinigungskräfte sowie die Ärzte, mit denen wir auf Augenhöhe über nötiges Material und gegebenenfalls Alternativmaterial sprechen können“, eröffnet Matias Weiß (Bild), Leiter der Materialwirtschaft, die Unterhaltung.

Von Kontingenten und Kosten

Allein während dieses knappen Gesprächsbeginns klingelt siebenmal sein Telefon: Mitarbeitende erkundigen sich nach vorhandenem Schutzmaterial, Zulieferer geben ihre aktuellen Lieferzeiten durch, Hersteller informieren über ihre Materialkontingente und Preise.

Dass sich Angebot und Nachfrage durch Corona deutlich verschoben haben, ist unübersehbar. „Viele dringend benötigte Materialien wie FFP- und Mund-Nasen-Schutzmasken, beschichtete und normale Schutzkittel sowie Desinfektionsmittel haben aktuell Lieferzeiten bis zu zwölf Monaten. Es kann gar nicht so schnell produziert werden, wie in Krankenhäusern, Pflegeheimen und im öffentlichen Dienst Schutzmaterial benötigt wird“, erklärt Matias Weiß. Im Normalbetrieb benötige man in der Materialwirtschaft im Caritas pro Jahr etwa 30 000 beschichtete Schutzkittel. Diese Menge habe es 2020 in den wenigen Wochen seit Ausbruch der Corona-Pandemie verbraucht. Ähnlich verhalte es sich mit den Masken. „2018 hatten wir eine extrem starke Grippewelle. Damals haben wir aufs Jahr gesehen 5500 FFP3-Masken benötigt. Dieses Kontingent haben wir jetzt innerhalb von vier Wochen ausgeschöpft.“

Trotz aller Widrigkeiten kümmert sich der Leiter der Materialwirtschaft mit seinem neunköpfigen Team mit viel Herzblut um die Versorgung der Mitarbeitenden mit Bedarfs- und Verbrauchsmaterial. „Wir telefonieren wirklich rund um die Uhr alles und jeden ab, der uns einfällt, um auch weiterhin die Materialbeschaffung sicherzustellen.

In Deutschland sind die Hersteller allerdings überlastet. Also wenden wir uns auch an ausländische Firmen. Und wenn man durch die Zeitverschiebung nur nachts um 2 Uhr unserer Zeit jemanden erreichen kann, dann rufen wir eben nachts um 2 Uhr an“, berichtet Matias Weiß. So habe sein Team unter anderem Einwegschutzkappen für Ohr-Fieberthermometer aus Amsterdam, Schutzkittel in Polen und eine Containerladung Mund-Nasen-Schutzmasken aus China organisieren können. „Bei Transport und Lieferung unterstützen uns auch viele heimische Unternehmen. Bei der Überführung von Containern aus China beispielsweise hat uns die Würth-Gruppe sehr geholfen, sonst hätten wir monatelang auf die dringend benötigte Schutzausrüstung warten müssen.“

Reduziertes „Angebot“

Problematisch sei vor allen Dingen, dass durch das deutlich reduzierte Angebot in Verbindung mit der stetig steigenden Nachfrage wegen Corona die Preise buchstäblich explodieren. Normale Schutzkittel, die im Einkauf etwa 29 Cent gekostet haben, stünden aktuell für 9,90 Euro aufwärts zum Verkauf. Eine 20er-Packung FFP3-Masken sei einst für knapp 30 Euro erhältlich gewesen, nun liege der Marktwert bei etwa 800 Euro. Erst allmählich zeichne sich eine Entspannung ab.

Die Mühe des Mawi-Teams hat sich gelohnt: Die Mitarbeitenden im Caritas-Krankenhaus, im Krankenhaus Tauberbischofsheim, in den Seniorenzentren Haus Heimberg, St. Barbara Grünsfeld und St. Hannah Distelhausen waren und sind während der Pandemiezeit immer ausreichend mit Schutzmaterial ausgestattet und können sich so – ohne Sorge um eine mögliche Ansteckung und Weiterverbreitung – um ihre Patienten und Bewohner kümmern.

Auch mit Blick auf die weitere Entwicklung ist Mathias Weiß angesichts der weitsichtigen Beschaffungspolitik der Materialwirtschaft guter Dinge.

„Unser Team hat sich direkt bei Ausbruch der Corona-Krise um den Aufbau eines Vorrats gekümmert, der – sofern möglich – weiter aufgestockt wird. Glücklicherweise haben wir den Luxus, relativ viel Lagerfläche zu haben“, sagt Matias Weiß und schon wieder klingelt sein Telefon. Ein Pfleger erkundigt sich nach einem speziellen Face Shield für einen Patienten, der wegen seiner Atemnot keinen Mund-Nasen-Schutz tragen kann.

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