Bad Mergentheim

ZfP Tauberfranken Gertraud M. Hell referierte im Mittelstandszentrum / „Macht über dich – Macht über mich. Von der Führung im eigenen Haus“

Plädoyer für eine empathische und vertrauliche Kommunikation auf Augenhöhe

Archivartikel

Bad Mergentheim.„Macht über dich – Macht über mich. Von der Führung im eigenen Haus“ lautete das Thema eines Vortrags in der Reihe „events@ZfP“ des Zentrums für Personalgesundheit (ZfP) Tauberfranken im Mittelstandszentrum. Referentin war Gertraud M. Hell, Psychologin, Pädagogin und Psychotherapeutin aus Bad Mergentheim mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Persönlichkeits- und Teamentwicklung.

Nach einer Themeneinführung durch ZfP-Geschäftsführer Dr. Michael Majer, der das ZfP und dessen Leistungsspektren erläuterte, stellte Gertraud M. Hell in ihrem Vortrag mit Workshopanteilen zwei Formen der Macht in betrieblichen Strukturen gegenüber: Zum einen gebe es aus Weisungsbefugnis resultierend eine Art von Macht, die zur Übermacht werden sowie irgendwann zu Arbeitsunfähigkeitszeiten führen könne. Zum anderen ermögliche eine wertschätzende Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen eine konstruktive Verständigung innerhalb von Hierarchien.

Zudem zeigte die Referentin mit Schlüsselbegriffen ein Persönlichkeits- und. Kulturmodell, dessen Theorie sie durch kleine Übungen im Ansatz praktisch erfahrbar machte. Dazu zählte zum Beispiel eine Entspannungsübung unter Hells Anleitung, die den Teilnehmern die Gelegenheit bot, in sich hineinzuhören.

„Bei Macht geht es um Dynamiken, die zwischen uns entstehen und denen wir immer wieder zum Opfer fallen“, erklärte sie. Erst eine „gemeinsame“ Macht bewirke jedoch die wahre Stärke einer Person. Voraussetzung sei unter anderem einerseits eine gute Verbindung zu sich selbst sowie andererseits eine partnerschaftliche Kommunikationskultur in einem Unternehmen, weil eigentliche Bedürfnisse insbesondere bei „Small Talk“ nicht Berücksichtigung finden könnten. Als Mitarbeiter sich der Macht ausgeliefert zu fühlen, die ein Vorgesetzter als Weisungsbefugter über ihn habe, könne dazu führen, dass er einen Auftrag nach dem anderen erteilt bekomme, ohne die Anforderungen noch erfüllen zu können bis hin, dass er sich aufgrund Burn-outs krankschreiben müsse, verdeutlichte Hell an einem Beispiel. Dabei sei ein Manager mittleren Alters (zu) lange Zeit auf eine oberflächliche und machtorientierte Kommunikation seines Vorgesetzten eingegangen, ohne dass seine eigenen Bedürfnisse zum Zuge gekommen seien, was zu einem „Dominoeffekt“ geführt habe. Macht könne insofern wie ein „Schlüssel-Schloss-System“ sein, in dem sich beide Partner dafür verantwortlich drehen würden, bis beispielsweise ein Burn-out die Folge sein könne.

Eine empathische und vertrauliche Kommunikation auf Augenhöhe hingegen berücksichtige tief in jedem Menschen verankerte Persönlichkeitsfaktoren wie etwa Bedürfnisse, Gefühle, Identität, Biografie und Weltbild.

„Es ist ganz wichtig in unserer Arbeitswelt, dass zum Beispiel auch über Bedürfnisse oder Gefühle gesprochen werden“, hob die Referentin hervor. Betriebliche Kommunikation solle daher auch vertrauliche Kommunikation beinhalten. Anerkennung, Wertschätzung., Sicherheit, Rückhalt, Gerechtigkeit, Erfolg, Effektivität, Transparenz und Verantwortung nannte sie als Beispiele berechtigter Bedürfnisse, wobei Vorgesetzte und Mitarbeiter zuweilen verschiedene Prioritäten bei ihren Bedürfnissen hätten.

„Oft ist schon viel damit gewonnen, dass ein Beteiligter die Gelegenheit bekommt, seine Bedürfnisse zu äußern, obgleich deren Erfüllung vielleicht sogar zweitrangig sein könnte“, stellte Hell klar.

Am Donnerstag, 5. Dezember, findet um 17.30 Uhr erneut im Mittelstandszentrum Tauberfranken ein weiterer Vortrag statt. Darin informiert das ZfP-Expertenteam über die Durchführung sowie Pflichten und Chancen der „Psychischen Gefährdungsbeurteilung“. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung: ZfP, Telefon 07931 / 9598460, E-Mail events@zfp-tauberfranken.de. pdw

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