Bad Mergentheim

Festrede Studienleiter Hermann Witter von der evangelischen Akademie Baden sprach beim Erntedankfest zu aktuellem Thema

Orientierungshilfe in unübersichtlichen Zeiten

Archivartikel

Bad Mergentheim.„Erntedank als Orientierungshilfe in unübersichtlichen Zeiten“ war Thema eines Festvortrages von Hermann Witter, Studienleiter der Evangelischen Akademie Baden, beim Erntedankfest in der Bad Mergentheimer Wandelhalle.

„Ich spreche heute zu Ihnen als einer, der mit Ihnen auf der Suche ist, wie man das alles verstehen und einnorden kann, was um uns passiert“, betonte der Referent zum Auftakt. „Wenn ich Auto fahre, dann liebe ich es, wenn die Straße vor mir frei ist, wenn ich den Überblick habe und die Landschaft sehe sowie wenn ich sehe, wer oder was auf mich zukommt und wenn ich rechtzeitig Gefahren erkenne“. Vergleichbar gehe es ihm auch im politischen und gesellschaftlichen Leben. „Bis vor ein paar Jahren, so ist mein Gefühl, hatte ich den Überblick. Da war die Welt in Deutschland, in Europa und auf der Erde geordnet, mit üblichen Auf und Ab“, meinte Witter. Die internationale Politik, die Veränderung des meteorologischen und sozialen Klimas“, die Digitalisierung sowie die Rolle der Kirche in der Gesellschaft“ nannte er als Bereiche, die für ihn in den letzten Jahren unübersichtlich geworden seien. Die Weltpolitik sei seit einigen Jahren in Aufruhr. Die Klimaveränderung gehöre zu den globalen Problemen, die man nur gemeinsam lösen könne. „Ernährt euch regional, saisonal, ausgewogen“, laute ein Credo der Landfrauen schon seit sehr langer Zeit. „Sicher können wir in Deutschland das Klima nicht retten, aber etwas mehr als die Bundesregierung jetzt vorgeschlagen hat, könnten wir schon tun“, bezog Witter Stellung. „Es ist das Vorrecht der Jugend, vorlaut und ungeduldig zu sein. Die Demonstrierenden machen auf etwas aufmerksam, das aufgrund der einhergehenden Gefahren ihre Zukunft gefährdet.“ Es könne jedoch nicht sein, dass Menschen die Klimademonstrationen gutheißen, aber gegen das Tempolimit auf unseren Straßen seien, weiter an Kreuzfahrten teilnehmen, durch die Welt fliegen oder mit dem SUV zum Einkaufen fahren.

Das Volksbegehren „Pro Biene“ setze einseitig nur bei den Landwirten, Winzern und Obstbauern sowie dem Pflanzenschutz an. Das Problem des Rückgangs der Artenvielfalt und Biodiversität sei sehr komplex und könne weder mit der Umsetzung der Inhalte des Volksbegehrens noch durch die Landwirtschaft alleine gelöst werden. Vielmehr sei ein generelles Umdenken und unter anderem ein völlig anderes Konsumverhalten der gesamten Bevölkerung erforderlich. „Oft wird uns suggeriert, wir müssten uns an die digitale Technik anpassen – aber das Gegenteil ist richtig. Nicht wir müssen uns fit machen für die Digitalisierung, sondern wir müssen die Digitalisierung nach unseren Vorstellungen gestalten“, forderte der Festredner.

„Mir kommt es so vor, dass viele keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben“, meinte Witter über das soziale Klima. „In solchen und ähnlichen Situationen machen viele die Erfahrung, dass ihnen der Glaube als Energie-Ressource weiterhilft“, so Witter. pdw

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