Bad Mergentheim

Kreisgruppe Franken, Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr „Nato ohne USA“ geht nicht, sagte Brigadegeneral a.D. Dr. Erich Vad / Munition für zwei Tage

Nur eine einsatzfähige Brigade beim Heer

Archivartikel

Bad Mergentheim.Ein „Sicherheitspolitisches Seminar“ veranstaltete die „Kreisgruppe Franken“ des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr im Reinhold-Würth-Haus.

Der stellvertretende Vorsitzende Hans Lober konnte nach den Begrüßungsworten von Bürgermeister-Stellvertreterin Manuela Zahn und Martin Gauss von der Geschäftsführer der Firma Würth Industrie Service den knapp 100 Teilnehmern ein hoch interessantes Programm anbieten. Als erstes sprach Brigadegeneral a.D. Dr. Erich Vad, ehemaliger, langjähriger Berater der Bundeskanzlerin. Vad beantwortete die Frage „Nato ohne USA“ gleich zu Beginn mit „unmöglich“. Die Nato-Mitglieder seien ohne Unterstützung der USA in allen militärischen Bereichen nicht handlungsfähig, so Vad.

Nicht richtig aufgestellt

Ein nicht unbekanntes Beispiel benannte Vad: die deutsche Bundeswehr. Obwohl die Bundesrepublik Deutschland mit 43 Milliarden Euro 2019 mit ihren Militärausgaben an achter Stelle in der Welt stehe, schaffe es die Armee nicht, einsatzfähig zu sein. So verfüge zum Beispiel das Heer nur über eine einsatzfähige Brigade mit einem Munitionsvorrat für zwei Tage Gefecht.

In den Hoch-Zeiten des Kalten Krieges zählte die deutsche Armee 36 Brigaden. Vad schlägt ein Bundeswehraufgabengesetz vor mit Antworten auf die Fragen: Was soll die Marine, was soll das Heer, was soll die Luftwaffe können?

Einen Schwerpunkt widmete Vad der enormen körperlichen und psychischen Belastung von Spitzenpolitikern und schilderte seine Erfahrung mit der Bundeskanzlerin. Sein Wissen um zahlreiche Begebenheiten in der hohen Politik nutzte Vad zu einigen Kostproben. So müssten Berater mit Menschen sprechen, mit denen man nicht reden soll. Oder: bei einer internationalen Konferenz von Staatslenkern seien die Anwesenden verwundert und fast misstrauisch geworden, als Angela Merkel sich mit Putin auf russisch unterhielt.

Die Russische Föderation bezeichnete Vad als Großmacht mit Weltmachtanspruch, der sich allerdings nur auf eine starke Armee und Rüstungsindustrie stützen könnte, während wirtschaftlich allenfalls Mittelmaß angesagt sei. Zur Beziehung Russlands zur EU und insbesondere zu Deutschland wünscht sich Vad ein besseres Verständnis für die russische Geschichte, die russische, politische Seele seitens des Westens. So sei die Krim ein altrussisches, einst den Türken abgerungenes Gebiet mit einem hohen strategischen Wert für die Schwarzmeerflotte.

Deutsch-russische Kontakte

Weiter stellten Christian Schwarz, Organisation und Arbeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, und Anton Keller einen Einsatz von Reservisten aus Franken zur Pflege eines deutschen Soldatenfriedhofes in Pomezia/Italien vor. Hartmut Wilhelm berichtete über eine militärhistorische Studienfahrt in den Raum Kursk/Südrussland, die zum Thema die Schlacht bei Kursk (1943) hatte und der Teilnahme an den deutsch-russischen Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des deutschen Soldatenfriedhofes Besnedino mit 50 000 bestatteten Soldaten bei Kursk.

In einem eigenen Programmpunkt ehrte der Kreisvorsitzende Reinhard Hutzler-Kaibel die Sekretärin der Geschäftsstelle der Kreisgruppe Uschy Gabel für ihre langjährige Tätigkeit, und dankte Armin Rother, Leiter Ausstellung der Würth Industrie Service, für seine Unterstützung. pm

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