Bad Mergentheim

Orkantief „Sabine“ Einsatzkräfte ziehen nach Sonntagnacht Bilanz / Größere Schäden blieben aus / Strommast bei Wermutshausen abgeknickt

Noch glimpflich davon gekommen

Main-Tauber-Kreis.Nach dem Orkantief „Sabine“ ziehen Einsatzkräfte und Kommunalverwaltungen auf Anfrage der FN Bilanz. So viel vorweg: Die große Katastrophe blieb aus. „Momentan sieht es so aus, als kommen wir mit einem blauen Auge davon“, so Frank Mittnacht, Sprecher des Landratsamtes. Dennoch: Der Führungsstab befindet sich auch Montagnacht noch einmal in Alarmbereitschaft.

Das Polizeipräsidium Heilbronn zählt in seinem Zuständigkeitsbereich rund 130 Einsätze. Mittnacht berichtet von sechs Einsätzen im Main-Tauber-Kreis. So sei auf der Bundesstraße 19 zwischen den Igersheimer Ortsteilen Harthausen und Bernsfelden ein Streckenabschnitt, der durch den Wald verläuft, von der Straßenmeisterei gesperrt worden. In Bad Mergentheim, so Feuerwehrkommandant Andreas Geyer, sei ein umgestürzter Baum auf dem Drillberg beseitigt worden.

Auf der A 81 auf der Jagsttalbrücke (Widdern, Kreis Heilbronn) kippte am Morgen in Fahrtrichtung Heilbronn ein Lkw um, nachdem er von einer Sturmböe erfasst worden war.

Das Stadtgebiet Niederstetten blieb vom Sturm weitgehend verschont, berichtete Stadtbaumeister Wolfgang Deeg auf FN-Anfrage. Lediglich auf der Kreisstraße 2865 in Richtung Wermutshausen knickte direkt neben der Einmündung Birkenstraße ein Strommast um und landete im angrenzenden Gebüsch. Dieses fing aufgrund des wiederholten Funkenschlags irgendwann Feuer, sagte der für die Stadt Niederstetten zuständige Leitende Hauptbrandmeister Oliver Käss.

Glücklicherweise verhinderte der Regen, dass das Feuer sich ausbreitete. Die Feuerwehr Niederstetten wurde um 7.20 Uhr alarmiert und rückte aus, auch um sicherheitshalber die angrenzende Straße zu sperren. Ein Team des Stromversorgers EnBW war bereits eine Stunde später vor Ort und kappte die Stromleitung. Nachdem die Feuerwehr den Brand abgelöscht hatte, wurde die Straße gegen 10 Uhr wieder freigegeben, sagte Käss.

Ob es aufgrund des Schadens Stromausfälle gegeben hat, konnte die EnBW-Pressesprecherin von „Netze BW“, Angela Brötel, nicht sagen, weil die Lage am gestrigen Vormittag noch zu unübersichtlich war. „Seit der Nacht sind mehrere hundert unserer Betriebsmonteure unterwegs, um die Schäden am Stromnetz zu reparieren“, sagte sie.

Teilweise seien Mitarbeiter freiwillig aus dem Urlaub zurückgekehrt, um die Arbeiten zu unterstützen. Die Meldung der Schäden erfolge automatisch per Computer an eine der drei Leitstellen im Land, sagte Brötel. Eine zentrale Koordinationsstelle sei dann für die Verteilung der Einsatzkräfte zuständig.

Doch wie schlimm wütete das Sturmtief Sabine nun wirklich? FN-Wetterexperte Andreas Neumaier: „Wir haben auf den Höhen volle Orkanstärke gemessen. In Niederstetten kam es zu Windgeschwindigkeiten von bis zu 119 Kilometern pro Stunde. Damit ist ,Sabine’ der zweitstärkste Orkan seit ,Kyrill’ (2007).“ Sonne, Wolken, Schneeschauer: Ab dem heutigen Dienstag dürfe man sich auf wechselhaftes Wetter einstellen. Gegen Sonntag werde es dann ungewöhnlich warm: „Wir rechnen mit Temperaturen zwischen 15 und 17 Grad Celsius.“ Anfang kommender Woche steige dann wieder die Orkangefahr.

Zeitungszusteller sind sprichwörtlich mit allen Wassern gewaschen. Unwetter wie das Sturmtief „Sabine“ gehören bei ihnen einfach dazu, auch wenn sie gerne darauf verzichten würden. Und dennoch stellt jedes Glatteis, jeder Orkan wieder eine neue Herausforderung dar – nicht allein für die Zusteller, sondern auch für die Gebietsleiter der Fränkischen Presse Vertriebs GmbH.

Geschäftsführerin Manuela Hofmann weiß, dass sie sich auch in Extremsituationen auf ihre Mannschaft verlassen kann: „Unsere Gebietsleiter waren die ganze Nacht über für die Austräger erreichbar und sprangen sogar selbst mit ein, wenn Not am Mann war. Sie lieferten Zeitungen nach und trugen sogar selbst mit aus. Wir haben wirklich alles versucht, damit unsere Leser trotz Orkan ihre FN bekamen, wenn vielleicht hier und da nicht ganz so pünktlich wie sonst.“

Die Leser, die ihre Zeitung nicht zu gewohnter Zeit im Briefkasten vorfanden und deshalb bei der Fränkischen Presse reklamierten, hatten größtenteils Verständnis für die Gründe. Schließlich war „Sabine“ schuld und nicht etwa der Austräger. Manuela Hofmann ist dankbar, dass niemandem etwas passiert ist, und sie stellt klar: „Die Sicherheit unserer Zusteller geht stets vor.“ (mit red)

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