Bad Mergentheim

Diabetes-Akademie Mit dem Nikolausseminar beschließt die Einrichtung ihre Fortbildungsaktivitäten im laufenden Jahr

Neue Technologien können Diabetikern besser helfen

Bad Mergentheim.Mit dem Nikolausseminar ging die Fortbildungsaktivität an der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim für 2018 zu Ende. Mehr als 3400 Teilnehmer verzeichnete die Akademie in diesem Jahr. Unter den Teilnehmern befanden sich Ärzte, Psychologen, Apotheker und viele weitere Behandler von Menschen mit der Zuckerkrankheit. Eine weitere große Teilnehmerzahl wurde von Menschen mit Diabetes gestellt. So auch am Wochenende mit dem Nikolausseminar, zu dem knapp 200 Teilnehmer in den Hörsaal der Diabetes-Klinik gekommen waren.

Sensoren in der Diabetes-Welt

Ein Schwerpunktthema der Fortbildung war die Diabetestechnologie. Damit gemeint sind Hilfsmittel zur Messung des Zuckers beziehungsweise zur Verabreichung von Insulin. Als Referent war Professor Dr. Thomas Forst aus Mainz in die Kurstadt gekommen. Er gilt als ausgewiesener Spezialist zum Thema „Neuentwicklungen in der Diabetologie“.

„In fünf Jahren werden nur noch wenige Menschen den Blutzucker messen“, spekulierte der Referent. Grund hierfür sei die rasante Entwicklung von Sensoren. Dabei handele es sich um kleine Messeinheiten, die nicht größer seien als eine 2-Euro-Münze. Diese würden für zehn bis 14 Tage auf der Haut getragen und übermittelten den Glukosewert direkt an ein Lesegerät oder auf ein Mobiltelefon.

Es gebet sogar Sensoren, die in die Haut implantiert würden und dort für ein halbes Jahr verblieben, bevor sie ebenfalls in einer kleinen Operation mit örtlicher Betäubung wieder entfernt würden. „Der große Unterschied besteht darin, dass Sensoren den Gewebezucker kontinuierlich messen“, erläuterte Professor Forst. Damit könne der Patient in Echtzeit jederzeit erkennen, ob sein Zucker steige, falle oder im gewünschten Bereich bleibe. Die Sensoren verfügten darüber hinaus über Warnmeldungen, das heiße, dass im Falle des Verlassens des Zuckers aus dem gewünschten Bereich ein Signal abgegeben werde. Der Patient könne dann durch Gabe von Insulin oder durch Aufnahme von Kohlenhydraten seinen Zucker stabilisieren.

Mit Hilfe dieser Sensoren werde die Therapie einfacher und vor allen Dingen auch sicherer. Im nächsten Schritt könnten diese Sensoren mit Insulinpumpen kommunizieren. Insulinpumpen geben kontinuierlich kleine Mengen des lebenswichtigen Hormons Insulin an den Patienten ab. In bestimmten Situationen übernähmen die Sensoren dann die Pumpensteuerung. Das heiße, sie drosselten die Insulinzufuhr oder gäben mehr Insulin ab, wenn der Patient dies benötige. „Die Entwicklung schreitet rasant voran und wir werden in naher Zukunft noch viele positive Überraschungen erleben“, prophezeite Forst.

Weiter Schwerpunktthemen

Interessant waren auch die Ausführungen von Dr. Bernhard Lippmann-Grob. Er erläuterte die aktuelle gesetzliche Situation zum Führen von Fahrzeugen durch Menschen mit Diabetes. Hier habe es zahlreiche Neuerungen gegeben, die darauf abzögen, dass Betroffene, die am Straßenverkehr teilnehmen, dafür Sorge tragen müssten, dass dies gefahrlos gelinge.

Bei guter Stoffwechselführung sei es möglich, dass Fahrzeuge aller Art, einschließlich von Bussen und Taxen, auch von Menschen mit Diabetes gefahren werden dürfen. Werde jedoch ein Mensch mit Diabetes durch einen Unterzucker im Straßenverkehr mehr als einmal pro Jahr auffällig, so könne dies dazu führen, dass die Fahrerlaubnis entzogen werde. Die Möglichkeiten, wie man dies verhindere, bestünden in einer guten Blutzuckereinstellung und dem Vermeiden von Unterzuckerungen.

Bei einer Unterzuckerung leide die geistige Leistungsfähigkeit und ein Führen von Fahrzeugen sei in dieser Phase nicht mehr möglich. Sollte jemand Probleme mit Unterzuckerungen haben, so gebe es beispielsweise am Diabetes Zentrum Mergentheim Unterzuckerungswahrnehmungstrainings und Schulungsprogramme, die die Fähigkeit gefährliche Situationen zu erkennen, wieder herstellten.

Besondere Ernährungsformen

Manche Menschen entschieden sich, ihre Ernährungsformen zum Teil drastisch zu ändern. Vegetarier verzichteten beispielsweise auf Fleisch und manche tierische Produkte. Veganer verzichteten komplett auf alle Dinge, die vom Tier kämen. Darüber hinaus betrieben sie keine Sportarten, die mit Tieren zu tun haben, etwa reiteten sie nicht oder hielten keine Haustiere. „Letzteres ist nicht nur eine Ernährungsform, sondern auch ein Stück weit Lebensphilosophie“, erläuterte Juliane Steffan vom Diabetes Zentrum Mergentheim. Sie ist Ernährungsexpertin und zeigte die einzelnen Ernährungsformen ganz genau auf.

Positiv bemerkte sie, dass Menschen mit besonderen Ernährungsformen sich auch im besonderen Maß mit Ernährung beschäftigten. Dies könne Vorteile für die Gesundheit bringen, allerdings müsse man auch die Gefahren einer geringeren Auswahl von Lebensmitteln berücksichtigen. Gerade in Situationen, bei denen Menschen eine schwere Krankheit durchliefe oder aber Frauen, die schwanger seien, müssten besonderes vorsichtig sein, wenn sie eine einseitige Ernährungsform wählten. Aber auch alle anderen sollten darauf achten, dass lebenswichtige Nahrungsbestandteile wie Spurenelemente und bestimmte Vitalstoffe in nicht ausreichendem Maß in dieser Ernährungsform vorkommen. Dies sollte man überprüfen und die fehlenden Bestandteile gemeinsam mit einem Ernährungsmediziner oder versierten Arzt ergänzen. „Es ist nicht damit getan, dass man ab und zu mal eine Multivitamin-Pille einschmeißt“, so Steffan in ihrem Vortrag.

Vorsicht mit dem Internet

Viele Menschen gehen relativ sorglos mit dem Internet um. So posteten sie Bilder aus ihrem Leben und tummelten sich ohne Scheu in Internetforen. Viele Diabetiker hätten auch keine Probleme damit, ihre Blutzuckerdaten und Vorkommnisse im täglichen Leben preiszugeben. „Dies kann gefährlich werden“, sagte der bekannte Medien- und Internet-Anwalt Oliver Ebert aus Stuttgart. Vieles, was man in das Internet gebe, verlasse den gewünschten Ort der Bestimmung und Informationen und Daten fänden sich an ganz anderer Stelle wieder. Dies könne gefährlich werden und auch berufliche oder private Nachteile haben.

Das Gleiche gelte auch für sogenannte Hilfsprogrammen aus dem Internet, den Apps. „Hier gilt besondere Vorsicht, weil viele Apps es mit dem Datenschutz nicht so genau nehmen“, erläuterte Oliver Ebert.

Man sollte sich also ganz genau überlegen, welche Daten man in das Internet gebe und welche der Millionen Apps man wirklich verwende. „Das Internet vergisst nie“, so das Resümee von Ebert.

Verschiedene Workshops

Abgerundet wurde das Nikolausseminar durch die verschiedenen Workshops, bei denen die Teilnehmer ihre Fragen an die Referenten stellen konnten und bei denen interessante Themen rund um das Leben als Mensch mit Diabetes diskutiert werden konnten. Zu guter Letzt gab es eine leckere Weihnachtsbäckerei, die im Kochstudio der Diabetes-Klinik auch gleich ausprobiert werden konnte. tjh