Bad Mergentheim

Sonderausstellung im Residenzschloss Mergentheim Bis 28. Februar sind Bilder des in Hohenlohe lebenden Fotokünstlers Roland Bauer zu sehen

Nähe und Vertrauen sind spürbar

„Mit dem Herzen sieht man besser. Roland Bauer: 50 Jahre Fotografieren in Hohenlohe und der Welt“ lautet der Titel einer neuen Sonderausstellung, die im Residenzschloss bis 28. Februar zu sehen ist.

Bad Mergentheim. Mit dieser Schau, die die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg im Residenzschloss Mergentheim präsentieren, wird der aus Bad Cannstatt stammende und seit den 80er Jahren in Winterberg in Hohenlohe lebende Fotokünstler Roland Bauer, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert und auf 50 Jahre Berufsleben zurückblickt, für sein Lebenswerk gewürdigt. Die Fotoausstellung zeigt die bislang größte Vielfalt seines fotografischen Werks, darunter viele Motive, die noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Die rund 100 Bilder geben einen spannenden Überblick über Bauers Schaffen und spannen einhergehend den Bogen von farbenprächtigen Bildern, die den Reichtum der Welt spiegeln, über Schwarz-Weiß-Fotografien des Puristen Bauer bis zu den bislang unveröffentlichten Porträts von Menschen in Hohenlohe wie etwa Einsiedlerinnen oder Handwerker.

Seine Karriere startete Bauer als junger Fotograf mit einem besonderen Projekt: Als er mit 28 Jahren ins entlegenste Hohenlohe zog, lernte er die Geschwister Wendel kennen, die lebten, als seien sie „aus der Welt gefallen“. „Die beiden Schwestern erlaubten Bauer, ihr Leben zu dokumentieren – eine Arbeit, für die er 1983 den Kodak Fotobuchpreis erhielt“, berichteten Maike Trentin-Meyer, Konservatorin Region Hohenlohe der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, sowie Frank Krawczyk, Leiter des Bereichs Kommunikation, in einem Pressegespräch.

Enge Beziehung

Roland Bauer zeichne insbesondere aus, dass er zu den Menschen, die er fotografisch porträtiere, eine enge Beziehung aufbaue. Die Nähe und das Vertrauen könne man in seinen Bildern spüren. „Diese Gabe ermöglichte ihm in den vergangenen fünf Jahrzehnten eine beeindruckende Karriere, die ihn von Hohenlohe in die Welt führte“, konstatierten Trentin-Meyer und Krawczyk. Bei der Fülle seiner beeindruckenden Werke sei die Themenauswahl für die Ausstellung „eine Qual der Wahl“ gewesen, ergänzte die Konservatorin.

Das erste Mal nach Hohenlohe sei er 1970 im jungen Alter als 20-Jähriger gekommen – unter anderem ins Jagst- und Kochertal sowie nach Schloss Stetten, berichtete Bauer. 1980 habe ihn das Thema seiner Examensarbeit erneut und für längere Zeit nach Hohenlohe geführt, bis hin, dass er dort seine neue Heimat in dem Weiler Winterberg bei Braunsbach gefunden habe.

In seiner nächsten Umgebung gelangen Bauer nach den Aufnahmen der Geschwister Wendel weitere „Nah-Blicke“: In hohenlohischen Dörfern stieß er auf seltenes Handwerk wie Korbmacher, Wagner und Schindelmacher. Zusammen mit dem Autor Frieder Stöckle besuchte Roland Bauer die letzten ihrer Art und porträtierte die Originale und ihre dunklen, heimeligen Werkstätten. Den Porträts gegenüber stehen farbenprächtige Aufnahmen, die den Luxus von Schlössern, Villen und Hotels wiedergeben. Zehn Jahre war er für die Firma Würth tätig; seine Arbeiten sind heute Teil einer international bedeutenden Kunstsammlung. Ein ganz besonderer Moment in der Karriere Bauers dürfte das Projekt „Verhüllung des Berliner Reichtags“ 1995 von Christo und Jeanne-Claude gewesen sein, denn Bauer war damals einer von fünf akkreditierten Fotografen.

An über 300 Bildbänden beteiligt

Im Laufe der 50 Jahre war Roland Bauer an über 300 Bildbänden beteiligt, darunter etwa 100 eigene Werke. Davon beschäftigte er sich bei mehreren Bänden mit seiner Wahlheimat und – wie er es selbst ausdrückt – „Herzensliebe“ Hohenlohe. Etliche dieser Bücher sind bei der Ausstellung im Residenzschloss Mergentheim in Vitrinen zu sehen. Ebenfalls gezeigt wird eine Auswahl seiner Fotokameras. Angefangen habe er mit einer „Leica 3 F“, die er gebraucht für 300 Mark erstand. Den Einstieg in die Digitalfotografie vollzog der Lichtbildkünstler um die Jahrtausendwende mit einer Spiegelreflexkamera der Marke „Canon“ – „zum stolzen Preis von umgerechnet rund 8000 Euro, wobei die unverbindliche Preisempfehlung weitaus darüber lag. Und die erste Speicherkarte, die ich im Nachhinein noch extra besorgen musste, da bei der Kamera keine Karte dabei war, kostete mit einem Gigabite Kapazität weitere 250 Euro“, erinnerte sich Bauer.

Öffentliche Führungen geben Einblicke in das Leben und Wirken des sowohl regional als auch international tätigen Fotografen. Wer Roland Bauer persönlich kennenlernen möchte, hat an einer von vier Kunst-Matineen dazu die Gelegenheit: An drei Sonntagen (18. Oktober, 22. November oder 28. Februar) sowie am Mittwoch, 6. Januar, begleitet der Fotograf Besucher persönlich durch die Ausstellung und beantwortet Fragen zu seiner Person als auch zu seinen Werken.

Anmeldungen zu den Führungen und Kunst-Matineen: Schlossverwaltung Mergentheim, Telefon 07931 / 52212, E-Mail: info@schloss-mergentheim.de. Die Teilnehmerzahl ist auf zehn Personen je Veranstaltung begrenzt.

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