Bad Mergentheim

Leserbrief Ein Zeichen der besonderen Art in der Corona-Krise

Nachbarschaftliche Verbundenheit

Kurz nach den angeordneten Verhaltensmaßnahmen wegen der Corona-Krise sind Bewohner der Marienburger Straße in Bad Mergentheim der Sorge vor dem Unbekannten, den Regeln und der eigenen Unsicherheit in ganz besonderer Weise entgegengetreten. Sie sangen, ja sie sangen und singen bis heute jeden Tag. Erwachsene und Jugendliche – sie singen von Balkon zu Balkon hin zu den gegenüberliegenden Hausbewohnern und mit den Bewohnern vom Erdgeschoss, die in gebührendem Abstand auf der Straße stehen. Sie singen Volkslieder, Kirchenlieder und Marienlieder – mehrstimmig und oft mit Begleitung von Jugendlichen mit Keyboard oder Klarinette. Einfach so. Sie verstecken oder verbarrikadieren sich nicht, sie demonstrieren nicht lauthals, sondern sie singen in einer nachbarschaftlichen Gemeinschaft zur eigenen Erbauung, den Nachbarn und Mitbewohnern zur Freude und den Bewohnern der darüber liegenden Straße zur Überraschung und zum Genuss. Täglich von 19 bis 19.30 Uhr, einfach so, weil sie sich und anderen diese Freude bereiten wollen in der einschränkenden Corona-Krise. Und das jeden Tag und schon wochenlang. Als stiller Zuhörer – und Genießer – dieser täglichen Freude möchte ich ein riesengroßes „Dankeschön“ sagen. Es ist eine ungewöhnliche, aber tolle Idee, mit einer Krise so „demonstrativ“ umzugehen. Danke für das Vorbild, die Freude und Freunde nicht zu verlieren. Weil dieses „Singen“ etwas ganz besonderes ist, zitiere ich in diesem Zusammenhang den langjährigen früheren Chefredakteur der Fränkischen Nachrichten, der bei etwas ganz Besonderem sich in der Zeitung äußerte mit der Überschrift „Das musste einmal gesagt werden“.

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