Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ Serie „Mergentheimer Hausfassaden“ (Folge 13) / Das Gebäude in der Ochsengasse 13 / Entstanden zwischen 1455 und 1460

Nach einem großen Brand beginnt die wechselvolle Geschichte

Archivartikel

Bad Mergentheim.Die Entstehungszeit des Gebäudes Ochsengasse 13 wird gemäß der bauhistorischen Untersuchung auf die Jahre 1455 bis 1460 datiert. Damit dürfte das Haus eines der ältesten in Bad Mergentheim sein. Entsprechend ist das Gebäude bei der Stadt Bad Mergentheim als Kulturdenkmal mit diesem Vermerk aufgeführt: „Das gut überlieferte Wohnhaus ist ein herausragendes Dokument für ein im Kern spätmittelalterliches Bürgerhaus. Als eines der ältesten bekannten Gebäude in Bad Mergentheim ist es zudem ein wichtiges stadtgeschichtliches Zeugnis. An der Erhaltung besteht aus wissenschaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse.“

Ein Anlass für die Errichtung des Gebäudes könnte u. a. gewesen sein, dass in Folge eines großen Brandes, dem im Jahre 1450 in der Ochsengasse und Wettgasse 50 Häuser zum Opfer fielen („Geschichte der Stadt Bad Mergentheim“ von Prof. Franz Diehm, 1963), der Bereich mit neuen Gebäuden nach und nach wieder aufgebaut wurde.

Ursprünglich als komplettes Fachwerkhaus ab dem Erdgeschoss und vermutlich ohne Keller errichtet, diente es zunächst wohl eher als eine Art Werkstatt- und Lagergebäude. Zumindest konnte durch die bauhistorische Untersuchung kein Hinweis auf eine für die Entstehungszeit sonst typische Bohlenstube beim Bau von Wohngebäuden gefunden werden. Gegenüber dem heutigen Zustand waren die Giebel mit einem Walm auf halbe Giebelhöhe und der windabgewandte Nordgiebel zudem mit einem so genannten Eulenloch als Rauchabzug unter der Giebelspitze versehen. Das Dach ist in steiler Neigung von 64 Grad hergestellt worden, was ein Hinweis auf eine frühere Eindeckung der Flächen mit Stroh sein könnte.

Im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts erfuhr das Haus einen größeren Umbau und vermutlich spätestens jetzt wurde es zu einem Wohnhaus. Denkbar, dass in diesem Zusammenhang auch die Halbwalme zu Giebeln, wie sie heute noch stehen, umgebaut wurden. Der Gewölbekeller wurde unter das Haus gegraben, die eicherne Spindeltreppe eingebaut, die seitliche Hofdurchfahrt mit Tor hergestellt und vermutlich auch die Räume im Obergeschoss zu Wohnräumen umgebaut. Entweder während dieser Umbauten oder schon davor ist das Haus durch starke Setzung in Schieflage geraten. Jedenfalls wurden die neuen Einbauten schon der Schieflage angepasst. Dieser Schaden ist in der Folge also nie wirklich behoben worden. Dies geschah dann erst mit der zuletzt erfolgten grundlegenden Sanierung des Hauses.

Ursprünglich dürfte das Haus, wie in der Entstehungszeit üblich mit sichtbarem Fachwerk ohne farblichen Anstrich bestanden haben. Wann das Fachwerk überputzt wurde ist unklar. Auf der westlichen Traufseite wurden Lehmputzreste aus dem 18. und 19. Jahrhundert über dem dort noch vollständig erhaltenen Fachwerk festgestellt und auf dem straßenseitigen Giebelfachwerk auch einige rötlichen Farbreste, so dass dieses wohl auch einmal farblich gefasst gewesen sein muss.

Neuzeitliche Fotos ab den 1920er Jahren zeigen den Giebel zur Ochsengasse immer vollständig verputzt. Noch sichtbar sind die beiden Knaggen unter den Balkenköpfen über dem ersten Dachgeschoss, auf dem der ursprüngliche Giebelwalm auflag und hinter der Giebelspitze ist im ersten Sparrenfeld noch der original abgezimmerte Riegel des Eulenlochs vorhanden.

Im Obergeschoss war das Fachwerk fast vollständig durch neuzeitliche Stützen und Mauerwerk ersetzt worden, welches bereits wieder schadhaft war und ersetzt werden musste. Anhand der noch vorhandenen Eckstützen und Schwellen konnte das Original nachvollzogen und wieder hergestellt werden. Die Giebelfachwerke sind außen als auch im Inneren auf Sicht gehalten. Die traufseitigen Fachwerke sind nur raumseitig sichtig und von außen verputzt. Das Erdgeschoss zeigt ein massives Mauerwerk neben dem seitlichen Hoftor. Der an dieser Stelle ehemals vorhandene Kellerhals mit Kellerfenster und/oder Kellerzugang ist nur noch in Resten im Kellergewölbe ablesbar. Der auch heute noch vorhandene separate Zugang von der Straße her wurde samt dem großen Fenster in den 1950er Jahren eingebaut.

Zur gleichen Zeit wurde im Erdgeschoss eine Metzgerei mit Laden eingebaut. Die Scheune hinter dem Haus ist im Zuge dieses Umbaus abgebrochen und durch den Neubau für die Schlachtküche ersetzt worden. Nachdem das Haus in der Folge mehrere Besitzerwechsel hatte, wollte auch der letzte Besitzer in den Jahren 2011 bis 2012 das Haus endgültig (auch der Inhaber der Metzgerei hatte dies bereits angedacht und Planungen erstellen lassen, aber wieder verworfen) abbrechen und durch einen Neubau ersetzen. Der Abbruchantrag war schon gestellt. Mit dem Erwerb des Hauses durch den jetzigen Eigentümers konnte dies verhindert werden.

Heute befindet sich im Erdgeschoss des Hauses das Architekturbüro des Besitzers. Das Obergeschoss und die Dachgeschosse werden als Wohnung genutzt.

Das Haus stellt sich jetzt in einem Erscheinungsbild dar, welches dem ursprünglichen Fachwerkhaus wieder Ausdruck verleiht und es zu einer Bereicherung im städtischen Raum macht. Dies zeigt auch die überwältigend positive Resonanz der Öffentlichkeit auf das fertig sanierte Haus, so Rolf Klärle in seinem Bericht. bfs

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