Bad Mergentheim

Konzertabend Grünewald Orchester im Kursaal / Rauschenden Erfolg gefeiert / Werke von Aaron Copland und Antonin Dvorak

Musikalisches Klassik-Abenteuer in der „neuen Welt“

Bad Mergentheim.Einen rauschenden Erfolg im voll besetzten Kursaal feierte das Grünewald-Orchester unter seinem Leiter Felix Krüger bei seinem jüngsten und bislang dritten Konzert mit Werken von Aaron Copland und Antonin Dvorak, dessen bekannte und beliebte neunte Symphonie mit dem Beinamen „aus der neuen Welt“ in einer prächtigen und begeisternden Interpretation zum Höhepunkt der bemerkenswerten Vorstellung bildete.

Es war die bisher sicher eindrucksvollste Vorstellung des 2013 gegründeten Grünewald-Orchesters, das im Zusammenwirken mit dem traditionsreichen Kammerorchester Bad Mergentheim seit drei Jahren die Ergebnisse seiner jährlichen Arbeit in zwei Abschlusskonzerten präsentiert. Der gelernte Dirigent, Stipendiat des Landes Baden-Württemberg und des Richard-Wagner-Verbands Felix Krüger ist neben seiner Tätigkeit als Lehrer am Gymnasium Tauberbischofsheim seit 2018 auch Leiter des Kammerorchesters. Amerikanische beziehungsweise amerikanisch inspirierte Musik stand dieses Mal im Mittelpunkt des Konzerts in Form von zwei Werken, die schon längst zu Klassikern ihres Genres geworden sind.

Dies gilt in jedem Fall für Antonin Dvoraks neunte Symphonie „Aus der neuen Welt“ aber nicht minder für die Orchestersuite „Appalachian Spring“ von Aaron Copland(1900-1990) im ersten Teil des Programms.

Eigenständig und originell

Copland zählt – wie man auch der kleinen Einführung von Prisca Gleinser-Löffler vom Mergentheimer Kammerorchester entnehmen konnte – mit seiner unbefangenen Verwendung von Elementen der musikalischen Avantgarde seiner Epoche und seiner wesentlich einfachen und volkstümlichen, dem Auffassungsvermögen seiner Hörer entgegenkommenden Tonsprache zu den Mitbegründern einer wirklich eigenständigen und originellen amerikanischen Kunstmusik, die sich von der Vorherrschaft der europäischen Musiktradition emanzipiert hat.

„Quelle in den Appalachen“

Zu seinen in dieser Hinsicht aufschlussreichen und typischen Werken zählt auch die 1944 uraufgeführte Komposition „Appalachian spring“(auf Deutsch: „Quelle in den Appalachen“), die ursprünglich als Ballettmusik konzipiert, auch in zwei weiteren Orchesterfassungen veröffentlicht wurde, von denen die für 13 Instrumente geschriebene „kammermusikalische“ im Konzert aufgeführt wurde. Insgesamt achtteilig, ist sie von der Volksmusik der „Shaker“ inspiriert, einer jener christlichen Freikirchen, die seit dem 18. Jahrhundert an der Ostküste der USA ihre Gemeinden gründeten. Coplands Musik beschwört in seiner unmittelbar zugänglichen, motivisch eng miteinander verbundenen und klanglich reduzierten(neben den Streichern nur drei Holzbläser und ein Klavier) Orchestersuite eine Welt der frommen Einfachheit, Naturverbundenheit und unschuldigen Lebensfreude, wie sie sich auch in den farbigen Country- beziehungsweise Volksmusikeinflüssen spiegelt. Erfrischend war die feine und lebendige Charakterisierungskunst, mit der die von Konzertmeister Andreas Berge angeführte Streichergruppe zusammen mit den Kollegen der Holzbläser und den gelegentlichen Piano-Einwürfen den raschen Wechsel der Tempi und Stimmungen realisierte. Sowohl die mit langem Atem ausgehaltenen idyllischen Ruhepunkte wie die rhythmisch präzise und profiliert ausgeführten Tanzstücke (beispielsweise im fünften „Satz“), die in ihrer zupackenden Spontaneität eine zündende Wirkung zeitigten.

Indianisch inspirierte Weisen

Über Dvoraks 1893 uraufgeführtes, sinfonisches Meisterwerk „Aus der neuen Welt“, seit weit mehr als hundert Jahren eines der weltweit bekanntesten und meistgespielten Orchesterwerke überhaupt, braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen: Nur soviel, dass die schwermütigen, indianisch inspirierten Weisen, die dem Werk seinen authentischen Reiz verleihen, zwar von den Originalen angeregt aber die eigene Erfindung des Komponisten sind, dessen meisterhafte, ja geniale Orchestrierung und betörende Eingängigkeit seiner Themen dieser Symphonie zu ihrer einmaligen Stellung und Popularität verholfen haben. Das Grünewald Orchester war für diesen Anlass mächtig verstärkt worden, mit sieben Celli, vier Kontrabässen, Pauke und einer reichhaltigen Blechbläserabteilung (inklusive einer Basstuba), und das Ergebnis übertraf bestimmt die Erwartungen, mit denen die meisten Zuhörer hierher gekommen waren: Unter der Leitung von Felix Krüger lieferte das Ensemble eine derart vollblütige, spannungsvoll temperamentgeladene und schwungvolle, dynamisch reich gestufte und bei Bedarf(zum Beispiel im machtvoll-ekstatischen Finale) explosive, im Largo klangschöne und lyrisch verinnerlichte und im tänzerischen Scherzo rhythmisch geschmeidige, rundum bravouröse Interpretation ab, dass die Musiker mit ihrem Dirigenten am Ende im Kursaal am Ende minutenlang begeistert gefeiert wurden.

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