Bad Mergentheim

Evangelischer Kirchenchor Dainbach 90. Geburtstag gefeiert / Festgottesdienst zum Jubiläum

Musik ist die Verbindung zwischen Mensch und Gott

DAINBACH.Der evangelische Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde zur Heiligen Dreifaltigkeit im Bad Mergentheimer Stadtteil Dainbach feierte seinen 90. Geburtstag. Mit einem schönen Orgelspiel stimmte die Organistin Elke Appel die Gemeinde auf den Festgottesdienst ein.

Pfarrerin Martina Trump freute sich mit den Besuchern des Festgottesdienstes über das nicht alltägliche Jubiläum. Ja, so Trump, der Chor habe sich mit seinen 90 Jahren gut gehalten und sehe gut aus.

Die Kindergottesdienstkinder unter der Leitung von Tanja Hollenbach trugen ihr Lied zur Ehre des Kirchenchores vor. Begleitet wurden sie von Britta Frank und Kency Götz mit ihren Gitarren und Alisa Fitzgerald mit der Querflöte. Unterstützt wurden die Kinder von Lea Hollenbach und Johanna Rost.

Pfarrerin Trump betonte, dass es bei so vielen sangesstarken Kindern für den Verein wohl keine Nachwuchssorgen geben dürfe.

"Dies ist der Tag des Herrn", so das erste Lied des Jubiläumvereins unter der Leitung der langjährigen Dirigentin Waltraud Herold aus Schweigern. Mit weiteren Liedern zeigte der jung gebliebene 90ziger noch einiges aus seinem Repertoire.

Positive Wirkung des Gesangs

Zur Lesung der Schrift wählte Pfarrerin Trump aus dem 1. Buch Samuels die Stelle aus, in der von David berichtet wird, der mit seinem Harfenspiel die bösen Geister und Gedanken in König Sauls Kopf vertrieb. In ihrer Predigt fragte Trump, ob man bei all den Dissonanzen in der Welt, all den Ängsten überhaupt noch Grund zum Singen habe? Dass der Jubiläumschor seit 90 Jahren besteht, beweise aber das Gegenteil. Trump zeigte die Wirkungen von Musik und Gesang auf und nannte zuerst die therapeutische Wirkung, dann die lebensbegleitende Wirkung des Gesangs, die der der Kirchenchor in vielfältiger Art und Weise zeigte. So singt der Chor nicht für sich selbst, sondern meist für Andere zu den unterschiedlichsten Anlässen. Die dritte - die lebensdeutende Wirkung - zeigt sich im Gesang. Hier sind Ton und Wort vermählt. Das Singen und Musizieren sei des Glaubens liebstes Kind, so Pfarrerin Trump. Musik bezeichnete sie als eine Verbindung zwischen Mensch und Gott.

Gisela Faulhaber führte in einer Zeitreise zurück zum Ursprung des Kirchenchors, der 1925 vom damaligen Pfarrer Wilhelm Brockel gegründet wurde. Erster Chorleiter war der Lehrer Heinrich Götz. Schriftführer und Obmann des Chors war Hermann Sons. In den ersten Jahren wirkte der Chor an Kirchengesangstagen und Glockenweihen mit. Leider sind bis zur Übernahme des Chors durch den Lehrer Süß 1961 als Dirigent wenige Einträge im Chorbuch zu finden. 1963 übernahm dann Ella Hollenbach für 23 Jahre die Leitung des Chores.

Blick in die Geschichte

Der erste größere Auftritt war 1964 anlässlich das 50. Jubiläumsfest des Dainbacher Gesangvereins und des Heimattages. Sein 50. Wiegenfest feierte der Kirchenchor 1975 mit einem Festgottesdienst. Hierbei wurden Lehrer Götz und Eugen Müller für 50 Jahre aktive Mitwirkung im Kirchenchor geehrt.

Die langjährige Chorleiterin wurde 1986 in den Ruhestand verabschiedet. Thomas Ackermann übernahm dann die Dirigententätigkeit, bis Annegret Max, die Frau von Pfarrer Max, von 1987 bis 1992 die Stabführung des Chors innehatte. Ihr folgten Martina Weber und im Oktober 1993 Susanne Öhm-Henninger. Seit März 1996 ist Waltraud Herold nun Dirigentin des Chors. Sie hatte bereits früher den Chor am Klavier unterstützt.

Faulhaber erinnerte an die Obmänner und -frauen Herrmann Sons, Kurt Müller, Emma Fuchs, Irene Mies, Gisela Faulhaber und Rolf Wolpert. Die Schriftführer und Schriftführerinnen des Kirchenchors waren Hermann Sons, Ella Hollenbach, Gertrud Rosenkranz, Erna Eiselein und Rolf Wolpert. Leider hat auch der Kirchenchor Nachwuchssorgen, da sich die Anzahl der Sängerinnen und Sänger in den letzten Jahren immer weiter verringerte. Sie warb um Nachwuchs für den Kirchen- und den Beerdigungschor.

Ehrungen

Sehr erfreut zeigte sich Faulhaber, dass viele Sängerinnen und Sänger schon seit 50, 55 und sogar seit 65 Jahren aktiv im Chor mitsingen. Sie dankte den Jubilarinnen und Jubilaren und natürlich auch allen anderen Sängerinnen und Sänger. Besonderen Dank gelte der Dirigentin Waltraud Herold, die seit mehr als 20 Jahren mit dem Chor probt.

Pfarrerin Trump überreichte an alle Chormitglieder ein eigens entworfenes Gedenkblatt mit dem Spruch aus dem Buch Jesus Sirach 47. 8-10. Für ihren kirchlichen Chordienst erhielten die Jubilarinnen Hedwig Herm und Marga Müller für 65 Jahre, Hannelore Hollenbach und Doris Oehm für 55 Jahre sowie Ida Deissler und Christa Hefner für 50 Jahre die Dankesurkunde mit dem Psalm 146,1 vom Präsident und Kirchenmusikdirektor Christian Finke vom Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Vom Landesverband evangelischer Kirchenchöre in Baden wurden Gisela Faulhaber für 40 Jahre, Gisela Kriz, Gerlinde Müller und Rolf Wolpert für 25 Jahre vom Landesobmann Pfarrer Gero Albert mit einer Urkunde mit dem Psalm 96,2 geehrt. Alle Jubilare erhielten vom Kirchenchor einen üppigen Blumenstrauß.

Pfarrerin geht

Da dies voraussichtlich der letzte Gottesdienst der scheidenden Pfarrerin war, ließen es sich die Kirchengemeinderäte der Dainbacher Dreifaltigkeitskirche Gisela Faulhaber, Dagmar Henning und Gudrun Müller nicht nehmen, an die letzten beiden Jahre zu erinnern. An den Zeitpunkt, ab dem Pfarrerin Martina Trump die Kirchengemeinden Bobstadt, Dainbach und Sachsenflur mitbetreuen durfte. In ihrer Laudatio bedankten sie sich für diese Zeit. Sie erinnerten an die für alle ungewohnte Situation ohne eigene Pfarrerin, aber auch an die vielfältigen Aufgaben, die in der Kirchengemeinde angefallen waren. Hochgeschätzt wurde auch ihr Talent, Bibelstellen in die heutige Sprache zu "übersetzen" ebenso wie ihren seelsorgerischen Beistand und ihr theologisches Wissen.

Im Namen aller dankte Faulhaber der Pfarrerin für ihre geleistete Arbeit, für die gute Zusammenarbeit und ihr persönliches Engagement. Sie wünschten Trump für den weiteren Lebensweg alles Gute.

Zum Abschluss sangen der Kirchenchor und die Gemeinde das irische Segenslied "Möge die Straße uns zusammenführen". wibe