Bad Mergentheim

Leserbrief Zu „Kultusministerium zum Umdenken aufgefordert“ (FN, 27.März) / Schließung der „Nahrungsabteilung“ geplant

Mit einer Unterschriftenaktion wird für Erhalt gekämpft

Archivartikel

Wieder einmal hängt das Damoklesschwert der Schließung über der Nahrungsabteilung der Gewerblichen Schule in Bad Mergentheim. Dem einzigen Standort in unserem Landkreis, der mit seiner Nord-Süd-Ausdehnung von über 100 Kilometern zu den größten in Baden-Württemberg zählt. In dieser Abteilung sind die Berufe der Fleischer und Bäcker mit den zugehörigen Fachverkäufern zusammengefasst.

In der Resolution des Kreistages an das Kultusministerium unterstreichen die Politiker unserer Region ihren Willen zur Erhaltung dieses Lehrangebotes vor Ort. Sie waren und sind Willens, Räumlichkeiten sowie Ausstattung für diese Berufe zu bieten. Die Frage ist, ob dies im Zentrum der Macht ernstgenommen wird. Ob eine Ministerin, die sich bekanntermaßen zu höherem berufen befühlt, sich überhaupt noch um solche „Lappalien“ kümmern kann und will. Die Ministerentscheidung vom 23. Januar 2020 lässt kaum noch Raum auf Hoffnung dies noch abzuwenden. Die Situation war noch nie so bedrohlich wie aktuell, in dieser unendlichen scheinenden Geschichte. Als ehemaliger Kollege im Bereich Elektrotechnik weiß ich, mit wie viel Herzblut die Kollegen der Nahrungsabteilung seit Jahren für den Erhalt der regionalen Beschulung ihrer „Schützlinge“ kämpfen.

Zugegeben, vorerst trifft es „nur“ die Fleischer sowie die zugehörigen Fleischereifachverkäufer, die von der Schließung im nächsten Schuljahr betroffen sein werden. Der Bereich „Mehl“ wird diesen bitteren Gang wohl unweigerlich kurz danach antreten müssen.

Zu eng sind diese beiden Berufsrichtungen schulmäßig miteinander verknüpft. Den Verantwortlichen vor Ort war die angespannte Situation in diesen Berufen seit Jahren/Jahrzehnten bewusst und stets bestrebt, in berufs- und jahrgangsübergreifendem Unterricht das offensichtlich Unvermeidliche abzuwenden.

Die daraus gewachsene Art der Beschulung im Bereich Nahrung der Gewerblichen Schule stellt somit einen Pilotversuch dar, den man durchaus als gelungen bezeichnen darf. Erfolge bei Prüfungen sowie weiteren freiwilligen Wettbewerben beweisen das unermüdliche Engagement der beteiligten Lehrkräfte.

Wer kennt sie nicht, die reich gefüllten Theken der Metzgerei- und Bäckereifachgeschäfte? Wer schätzt nicht die festlich angerichteten Buffets anlässlich von Festlichkeiten und Empfängen, deren wir uns hoffentlich bald wieder erfreuen dürfen? Wenn wir auf all dies künftig nicht verzichten wollen, müssen wir unverzüglich aktiv werden. Es liegt an uns, den Bewohnern des Main-Tauber-Kreises, den Betroffenen unsere Wertschätzung für ihre Arbeit zu zeigen.

Wenn wir also auch künftig auf die gewohnte Vielfalt nicht verzichten wollen, sind wir aufgerufen unsere Stimme zu erheben. Wir müssen die Bestrebungen des Kreistages, sowie die in der Fleischer- und Bäcker-Innung organisierten Fachgeschäfte tatkräftig unterstützen. Bereits derzeit ist es schwer genug, motivierten Nachwuchs zu finden. Müssen die meist jungen Auszubildenden künftig zur Beschulung in benachbarte Landkreise fahren, wird die Bereitschaft zur Ergreifung dieser Berufe noch weiter abnehmen.

Ohnehin sollte den Angehörigen des Nahrungsmittelhandwerks mehr Wertschätzung entgegengebracht werden.

Gerade jetzt in dieser schweren Zeit sollte ihr unermüdlicher Einsatz für unser Wohlergehen nicht als selbstverständlich hingenommen werde. Sicher würden diese sich auch über einen Artikel in ihrer Tageszeitung freuen, wie es beispielsweise dem Team der Bücherei in Bad Mergentheim zuteil wurde.

Helfen Sie nun also mit, dass die Kultusministerin ihre Entscheidung zurücknimmt und dem Wunsch des Kreistages nach der dauerhaften Einrichtung, dieser für den ländlichen Raum so wichtigen Einrichtung, nachkommt. Unterstützen Sie die Aktion „Ein Herz für die Vielfalt“ durch ihr Votum auf den bereitliegenden Unterschriftslisten bei den teilnehmenden Fachgeschäften vor Ort. Diese Unterschriften werden anschließend der Kultusministerin, Dr. Susanne Eisenmann, im Landtag persönlich überreicht werden. Sie kann und darf uns diesen Wunsch nicht verwehren.

Zum Thema