Bad Mergentheim

Straßennamen (Teil 8) Verbindungsweg zwischen Schloss und Stadtkirche war überdacht / Gepfefferter Beschwerdebrief des Ordens an die Gemeinde aus dem Jahr 1687

Mißbrauch und Unflätterey im Pfarrgang

Archivartikel

Dank eines Schreibens aus dem Jahr 1687 wissen wir, wie es zuging im Pfarrgang, den der Deutsche Orden für den bequemen Kirchgang der „gnädigsten Herrschaft“ beanspruchte.

Bad Mergentheim. Der Pfarrgang ist etwas Besonderes. Allein schon seines Namens wegen. Es drängt sich geradezu die Frage auf, warum er eigentlich nicht wie allgemein üblich Pfarrweg heißt, sondern Pfarrgang? Den genauen Grund kennen wir nicht. Wenn man aber in den Duden blickt, fällt auf, dass man unter einem Gang auch einen überdachten Weg verstehen kann, einen Laubengang zum Beispiel, oder einen Hausgang. Und jetzt kommen wir dem Geheimnis des Pfarrgangs auf die Spur, denn er war im 18. Jahrhundert überdacht.

Aufgrund dieser Überdachung konnte die geistliche und weltliche Oberschicht des Deutschen Ordens trockenen Fußes den Weg vom Schloss zur Stadtkirche zurücklegen. Auch die Zöglinge des Priesterseminars im Äußeren Schlosshof (heute Finanzamt) konnten vom Schloss unter dem Dach des Pfarrgangs zur Rückseite des noch heute bestehenden Pfarrhauses laufen, wo sie durch eine Pforte ins Gebäude und dann über einen erhöhten Steg, der die Straße überspannte, zur Stadtkirche (heute Münster) gelangten.

Dass der Pfarrgang ein wichtiger Verbindungsweg zwischen der Residenz der Hoch- und Deutschmeister und der Stadtkirche war, belegen Verordnungen und Beschwerdebriefe des Ordens, der besonderen Wert auf Sauberkeit im Pfarrgang legte. Eine dieser Verordnungen stammt von Philip Benedict Forstmeister von Gelhausen, seines Zeichens Ritter des Deutschen Ordens, der am 18. September 1687 einen gepfefferten Beschwerdebrief an die Stadt Mergentheim schickte und sie aufforderte, endlich wieder Sauberkeit und Ordnung im Pfarrgang einkehren zu lassen.

Eine „schandt anzusehen“

In dem Schreiben erinnert von Gelhausen die Stadt daran, dass der Gang vom Hof zur Pfarrkirche für die Bequemlichkeit der „gnädigsten Herrschaft“ eingerichtet worden sei und entsprechend sauber gehalten werden müsse. Der Weg sei nur für Fuhrwerke und Kutschen des Hofes vorgesehen und müsse abends an beiden Enden verschlossen werden.

Seit längerer Zeit sei aber zu beobachten, dass der Gang Tag und Nacht offen gelassen und allerlei Vieh durchgetrieben werde. Zudem würden Fuhrwerke der Bevölkerung durchfahren, und die Sauberkeit lasse arg zu wünschen übrig. Der Pfarrgang sei zur „offenen Gasse gemacht“ worden, dass es eine „schandt anzusehen ist“, klagt von Gelhausen und weist darauf hin, dass der Komtur, also der Leiter der Niederlassung des Ordens in Mergentheim, alles daran setzen werde, derartigen „Mißbrauch und Unflätterey“ abzustellen.

In Zukunft, so die Verfügung des Ordens, soll der Eingang vom Schloss aus gesehen abends durch den Schlosstorwart und der Zugang beim Pfarrhof durch den Knecht des Johanniterhofs geschlossen und morgens wieder geöffnet werden. Keine anderen Fuhren außer die der „gnädigsten Herrschaft“ sollen den Pfarrgang passieren dürfen, es sei denn, der Hauskomtur erlasse eine „special-Verwilligung“. Zudem soll „die Durchtreibung einigen Viehs“ verboten werden, um den Kirchgang für die „gnädigste Herrschaft“ rein und sauber zu erhalten. Die „Policey“ solle „sofort die alte gute Ordnung“ wieder herstellen.

Unterschrieben wurde dieses „Decretum Mergentheim“ von Ph. B. Forstmeister von Gelhausen T.O.R., wobei die letzten drei Buchstaben für Teutsch Ordens Ritter stehen. Wahrscheinlich wurde der Nachname falsch geschrieben. Anzunehmen ist, dass der Ritter dem bekannten Adelsgeschlecht derer von Gelnhausen angehörte. Dieser Schreibfehler könnte daher kommen, dass das Original des „Decretums“, das sich unter den Mergentheimer Rathausakten befand, bislang nicht gefunden wurde und nur in Form einer Abschrift vorliegt, die Heinrich Schmitt, Gründer des Mergentheimer Altertumsvereins, 1918 angefertigt hat.

Diese Abschrift wurde im Pfarrgang 2 entdeckt, also in jenem Gebäude, das einst der prächtig-barocke Wohnsitz des Deutschordenskanzlers Josef Michael Tautphoeus war und in dem 1791 erstmals das „Mergentheimer Intelligenzblatt“ (später Tauber-Zeitung) erschien. Die Abschrift, die im Buch der Geschichte des Pfarrgangs eine Seite aus dem Jahr 1687 aufschlägt, wird noch heute in dem Gebäude von Sonja Götzelmann aufbewahrt.

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