Bad Mergentheim

Land und Leute Das Team des Bad Mergentheimer Weltladens freut sich, ab Juli wieder starten zu können / Veranstaltungen zum 25-Jahr-Jubiläum verschoben

„Menschen helfen, denen es nicht so gut geht“

Seit 25 Jahren ist der Bad Mergentheimer Weltladen fester Bestandteil im Leben der Kurstadt. Leiterin Rita Hofmann und ihr Team setzen sich für fairen Handel ein.

Bad Mergentheim. 25 Jahre ist es inzwischen her, dass man vom kleinen Vorläufer, dem Garagenverkauf im Weberdorf, in den ersten richtigen „Laden“ im Spital am Gänsmarkt wechselte. Der öffnete seine Pforten zwar nur zweimal monatlich samstags, fand aber schnell ein wachsendes Publikum. Seit dem 2009 erfolgten Umzug in die Zaisenmühlstraße 3 ist der Laden an fünf Tagen wöchentlich insgesamt 18 Stunden geöffnet.

Das rund zwanzigköpfige Ehrenamtlerteam leitet Rita Hofmann, die als Beruf Hausfrau angibt, als, so ihre Selbstauskunft, „Mädchen für alles.“ Im Mittelpunkt stehen will sie auf gar keinen Fall: „Es geht doch um die Sache!“ Dennoch ist sie es, bei der die Fäden des inzwischen erstaunlich weit gespannten Netzwerks um den Weltladen herum zusammenlaufen. Mehrere Firmen, Organisationen und Schulen beziehen über den Weltladen ihren „Fairen Kaffee im Büro“, bieten Ausstellungsflächen in ihren Schaufenstern, laden das Team bei Betriebsveranstaltungen zu Vorträgen und Verkaufsaktionen ein. Eigentlich man das 25-Jahr-Jubiläum – immerhin gehört der Bad Mergentheimer Weltladen zu den ersten in der Region – mit einer ganzen Serie von Veranstaltungen feiern. Geplant war für den 22. März als Auftakt des Jubiläumsjahrs ein feierlicher Gottesdienst im Münster und eine große Multivisionsshow zu Fair-Trade-Produzenten, Naturwundern und Heiligtümern im katholischen Gemeindehaus. Doch dann kam Corona und der Lockdown.

Die Auftaktveranstaltung wurde ebenso abgesagt wie die Veranstaltungen zum Weltladentag, die Aktivitäten beim Mergentheimer Nachtbummel, beim katholischen Gemeindefest und dem Sommerfest im Johann-Benedikt-Bembé-Stift. Auch die Weltladen-Bastelaktion beim Kinderferienprogramm ist gestrichen. Das Team einigte sich, in den Shutdown zu gehen. Zwar wäre der Lebensmittelverkauf im Weltladen gestattet gewesen, aber da etliche der ehrenamtlich Mitarbeitenden zur Risikogruppe gehören, war Vorsicht angesagt. Rita Hofmann und ihre derzeit gut 20 aktiven Mitstreiterinnen brachte die Schließung Trauer und Sorge, denn zu leiden haben würden unter den fehlenden Einnahmen genau die Menschen, denen der Weltladen dabei hilft, durch Fairen Handel ihre Familien zu versorgen und den Kindern schulische und berufliche Bildung zu ermöglichen.

Um so glücklicher ist das Team jetzt, ab dem 1. Juli wieder zum Normalbetrieb zu wechseln und dienstags und freitags wieder für je sechs Stunden (10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr) und Mittwoch, Donnerstag (jeweils 15 bis 18 Uhr) und Samstag (10 bis 13 Uhr) zu öffnen – und das sogar mit einem gewachsenen Team: Etwas mehr freie Zeit hatte die Pandemie einer Dame beschert, die sich seit Jahren für den Fairen Handel interessierte. Jetzt ist sie ins Team eingestiegen.

Rita Hofmann, engagierte Mittfünfzigerin aus Würzburg, lebt seit drei Jahrzehnten in der Kurstadt. Schon immer, so die Mutter von drei erwachsenen Kindern, sei sie gern für Menschen tätig gewesen, denen es nicht so gut gehe wie ihr selbst. Die soziale Prägung dürfte schon im katholischen Elternhaus entstanden sein, das Engagement wuchs neben der Tätigkeit in mehreren beruflichen Feldern übers Mittun im Umfeld von Kindergarten und Schule, bei Kommunions- und Firmungsvorbereitung.

Einsatz für nachhaltigen Anbau

Daraus entwickelte sich Engagement im Kirchengemeinderat, kirchlichen Ausschüssen und in der Nachbarschaftshilfe, sowie im Ausschuss „Mission – Entwicklung – Frieden“ der katholischen Münstergemeinde St. Johannes Baptist. Dieser legte mit Verkaufsaktionen, ab 1992 dann mit dem Garagenverkauf im Weberdorf, den Grundstein für den Weltladen, der 1995 im Spital am Gänsmarkt als „Dritte-Welt-Laden“ seine Pforten öffnete. Vor gut zehn Jahren stieg Rita Hofmann engagiert in die Weltladenarbeit ein und fuhr sukzessive ihre anderen Ehrenämter zurück.

Engagiert werben sie und das Team für den Fairen Handel, der mit langfristigen Geschäftsbeziehungen Bauern und Handwerker unterstützt, ausbeutender Kinderarbeit den Riegel vorschiebt, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Anbau ermöglicht sowie lokale Projekte und Bildungsmöglichkeiten fördert.

Das Lebensmittelsortiment umfasst neben Kaffee, Tee und Schokolade auch Grundnahrungsmittel wie Reis, Quinoa, Hülsenfrüchte, Trockenobst, Nüsse und weitere Leckereien. „Die Qualität stimmt“, lobt Kundin Anne Rauscher, die sich freut, auf diesem Weg auch Frauenprojekte unterstützen zu können.

Dass der gesamte Gewinn in Hilfsprojekte geht, über den Weltladen ein persönlicher Bezug zu den Projekten wächst und dass einem hier Geschenkideen nur so zufliegen, ist für Renate Dietzel ein Plus für den Einkauf im liebevoll gestalteten Laden. Ute Göggelmann schätzt, dass es hier ein gutes Sortiment gebe, dass durch Waren ergänzt wird, die es nur hier gibt. Außerdem kann man sich über Fairen Handel informieren.

Beate Saile liebt den Dienst im Weltladen: Immer wieder ergeben sich motivierende Gespräche mit langjährigen Kunden und interessierten Schnupper-Käufern, die die Waren wertschätzen. Auch werde ihr gutes Händchen für die Dekoration von den Kunden gelobt. Inge Maske ist schon sehr lange mit Begeisterung bei Aktionen und im Laden dabei. Gabriele Olesch schätzt den engen und achtsamen Austausch im Team und mit den Kunden und die stimmigen Projekte. „Das sind wir“, bestätigt Rita Hofmann mit Blick auf die aktuellen Projekte.

Ungeschmälert fließen heuer die im Verkauf erwirtschafteten Erlöse in ein Auto für die Seelsorge in einer griechisch-katholischen Diaspora-Gemeinde in Kasachstan.

Weiterhin wird auch das 2018 angelaufene äthiopische Schulprojekt der Laudaer Familie Walterspacher unterstützt, die 2006 die Stiftung „Pro Fratre et Amico“ ins Leben gerufen hat. Am Dienstag, 6. Oktober wird Pfarrer Ralph Walterspacher im Weltladen über das Projekt berichten.

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