Bad Mergentheim

Umfrage im Baugewerbe im Main-Tauber-Kreis Fachkräftemangel wird beklagt, aber nicht überall / Kommunen coronabedingt zurückhaltender bei Investitionen

Mehr Häuser- statt Tief- und Straßenbau

Fährt man durch den Main-Tauber-Kreis, so findet man beinahe an jeder Ecke Baustellen. Viel zu tun also für das Baugewerbe. Doch läuft tatsächlich alles rund? Wir haben nachgefragt.

Markelsheim/Weikersheim.Fährt man durch den Main-Tauber-Kreis, so findet man beinahe an jeder Ecke Baustellen. Viel zu tun also für das Baugewerbe. Doch läuft tatsächlich alles rund? Wir haben nachgefragt.

Markelsheim/Weikersheim. Die Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen der Wirtschaft Spuren hinterlassen und tut es noch. Eine der Branchen, in der es anscheinend noch gut läuft, ist der Bau. Hört man sich dazu im Main-Tauber-Kreis um, kann man viel Positives erfahren, es gibt aber auch Teilbereiche, in denen es mächtig knirscht.

Häuslebauen ist in

Thomas Deeg, Geschäftsführer der Karl Deeg GmbH aus Weikersheim-Nassau ist zurzeit ausschließlich im Hochbau tätig und kann nicht klagen – und tut es auch nicht: „Die Geschäfte laufen auch unter Corona sehr gut; man könnte meinen, dass sich viele Häuslesbauer in Anbetracht von eigener Kurzarbeit oder Personalabbau in der Industrie vorsichtiger verhalten und große Investitionen zurückhaltend betrachten. Das Gegenteil ist der Fall. Wir hatten in 2020 null Ausfall wegen Corona und das geht auch so weiter.“

Und auch die Aussichten für 2021 sind rosig. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und Thomas Deeg hofft auf einen Totalausfall des Winters, weil er sonst gar nicht mehr hinterher kommt. Wobei er einschränkt: „Vielleicht liegt dieser positive Trend auch nur am Standort Weikersheim selbst; von 70 neuen Bauplätzen im Baugebiet ’Planetenweg’ konnten wir dieses Jahr neun (von zwölf) erstellen, für nächstes Jahr sind weitere zwölf bis 15 Häuser zu erwarten. Von 70 Bauplätzen sind bereits über 50 verkauft oder reserviert. Die Nachfrage ist also ungebrochen.“

Ungebrochen ist auch die Nachfrage nach Fachkräften, dieser Markt ist allerdings ziemlich leer gefegt und Thomas Deeg ist froh, dass es nach etlichen Jahren ohne Azubis dieses Jahr gleich drei Bewerber gab, die er alle sofort eingestellt hat. Vielleicht, so hofft er, zeichnet sich hier eine Wende zum Besseren ab.

Probleme im Tiefbau

Für Andreas Bokmeier von der Anton Bokmeier GmbH aus Markelsheim stellt sich die Lage ein wenig anders dar. Zwar laufen die Geschäfte aufgrund des großen Auftragsbestands bisher noch gut, jedoch machen sich weniger öffentliche Vergaben, speziell im Straßen -und Tiefbau, in stark sinkenden Preisen bemerkbar. Andreas Bokmeier: „Die Aussichten für den Winter 2020/21 sind gegenüber dem Vorjahr deutlich angespannt. Der Auftragsbestand (vor allem im Straßen- und Tiefbau) schwindet zunehmend. Aufgrund der coronabedingten, problematischen Finanzlage der Kommunen, rechnen wir 2021 mit deutlich geringerem Auftragsvolumen im öffentlichen Bereich. Gerade die öffentliche Hand ist im Straßenbau/Tiefbau ein Hauptauftraggeber.“

Auch für ihn ist der Facharbeitermangel ein ernstes Thema. Die Situation habe sich in den letzten Jahren verschärft und eine Trendwende ist für ihn noch nicht in Sicht. Kopfschmerzen bereitet ihm auch die Entwicklung der Preise im öffentlichen Bereich: „Die Ausschreibungsergebnisse der letzten Monate im Straßen- und Tiefbau zeigten eine stark sinkende Preisentwicklung, die Hochbaupreise waren stabiler. Zahlungsausfälle sind im öffentlichen Bereich eigentlich unüblich, jedoch sind die Zahlungsfristen teilweise sehr lang.“ Grundsätzlich blickt aber auch er optimistisch in die weitere Zukunft und sieht seine Firma sehr gut aufgestellt.

Für Stefan Edelmann, Geschäftsführer der Johann Stumpf GmbH aus Bad Mergentheim, war das Jahr 2020 in beruflicher Hinsicht ein erfolgreiches: „Wir haben auf Grund der Coronabedingungen eigentlich keine Veränderungen wahrnehmen können, bis auf die Tatsache, dass nach dem ersten Lockdown einige Lieferanten aufgrund von Kurzarbeit Lieferschwierigkeiten hatten. Die Lagerbestände wurden komplett aufgebraucht.

Wir hatten sogar einige Anfragen für die Erneuerung von Außenanlagen und den Poolbau, weil die Bauherren mit ihren Kindern nicht ’nach draußen’ beziehungsweise ins Schwimmbad durften.“

Auch für 2021 sind die Aussichten gut, wenn auch noch ein wenig Luft nach oben ist im Vergleich zu 2020, aber heuer war auch auftragstechnisch eines der besten Jahre der Firmengeschichte. Zukunftsängste plagen Stefan Edelmann daher nicht: „Ich habe keine Bedenken, dass die Arbeit ausgeht, wir Leute aufgrund der Auftragslage in Kurzarbeit schicken oder gar entlassen müssen.“

Besonders im Bereich Personal sieht er sich gut aufgestellt, da seine Mitarbeiter relativ jung sind und er hoffentlich noch viele Jahre auf diesen Stamm zählen kann.

Trotzdem würde er sofort weitere fähige Mitarbeiter einstellen, wenn es welche auf dem Markt gäbe.

Herausfordernde Logistik

Für die Firma Konrad Bau GmbH & Co. KG gibt der Standortleiter Lauda-Königshofen, Stefan Laufer, Auskunft über die aktuelle Situation: „Bisher läuft es gut – wir sind dankbar für die Arbeit an der frischen Luft.

Dabei kommt uns auch zu Gute, dass wir an wichtigen Ver- und Entsorgungsleitungen beteiligt sind – von Abwasser über Wasser bis Strom und Internet – das schafft auch in Corona-Zeiten Sicherheit.

Herausfordernd ist für uns bisher die Logistik, die mit Corona einhergeht: Weniger Leute pro Fahrzeug, mehr Vespercontainer, eine veränderte Hygiene- und Toilettensituation, etc.“

Auch die Mehrwertsteuersenkung erhöhe den Druck, viele Auftraggeber drängten auf einen Abschluss der Arbeiten bis Ende des Jahres. Gleichzeitig sei eine Zurückhaltung der Kommunen zu spüren, die nicht wissen, wie sich die Steuereinnahmen nächstes Jahr entwickeln und auch in der Industrie würden Investitionen teilweise zurückgestellt.

Der Wettkampf habe sich schon das ganze Jahr deutlich verschärft, so Laufer: „Los ging das schon vor Corona zumindest auf dem Asphaltmarkt, da auf der Autobahn aktuell weniger ausgeschrieben wird.“ Aber auch im Straßen- und Tiefbau sei der Wettkampf über den Preis härter geworden.

Auf seine Belegschaft kann sich Stefan Laufer verlassen: „ Wir sind sehr dankbar und froh um unsere Fachkräfte, die die besondere Situation klasse gemeistert haben und freuen uns auch, dass unsere eigene Ausbildung seit Jahren so gut läuft. Alles in allem können wir uns bisher nicht beschweren – wir konnten ohne große Ausfälle weiterarbeiten und auch um die Beschäftigung in Zukunft müssen wir uns keine riesigen Sorgen machen. Die Ungewissheit ist spürbar, aber wir hoffen hier auf noch ausstehende Ausschreibungen.“

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