Bad Mergentheim

Den Unterricht verbessern Der gebürtige Dainbacher Kai Müller hilft Referendaren, Lehramtsstudierenden und Lehrenden der Sekundarstufe I und II mit seinem Mathe-Buch

„Mathematik kann Spaß machen“

Archivartikel

Kai Müller weiß, wie guter Mathematikunterricht aussehen kann. Sein Wissen hat er aber nicht für sich behalten, sondern es in einem Buch weitergegeben. Ein zweites ist gerade in Arbeit.

Dainbach/Heidelberg. „Konkrete Anregungen für die Sekundarstufe I und II“ ist der Untertitel des Buchs „Mathematikunterricht in der Praxis“, das Kai Müller veröffentlicht hat. Damit schlägt der gebürtige Dainbacher eine Brücke zwischen Theorie und Praxis. Referendare, Lehramtsstudierende und Lehrende der Sekundarstufe I und II – also diejenigen, die vor den Schülern stehen – finden konkrete Anregungen und Beispiele für ihren Unterricht.

Kai Müller, der am Deutschorden-Gymnasium Abitur gemacht hat, ist Diplomphysiker mit Schwerpunkt theoretische Physik und Mathematik. Er hat sich vor allem der fachdidaktischen Ausbildung von Referendaren verschrieben – zunächst als Gymnasial-Lehrer und seit einigen Jahren zusätzlich als Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg sowie dem Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte (Gymnasium). Die Fränkischen Nachrichten sprachen mit ihm über seine Motivation, ein solches Buch auf den Markt zu bringen.

Herr Müller, sind Sie noch der Heimat verbunden?

Kai Müller: Ja, vor allem familiär. Mein Vater wohnt noch in meinem Elternhaus in Dainbach, ebenso mein Bruder und dessen Familie. Meine eigenen Kinder freuen sich immer, wenn wir in meine Heimat fahren. Diesen Sommer radelte ich von meiner „neuen Heimat“ Tiefenbach im Kraichgau nach Dainbach. Zunächst auf dem Kraichgau-Hohenlohe-Radweg nach Waldenburg mit Übernachtung dort. Dann ging’s weiter nach Langenburg und nach einer Nacht dort auf dem Kocher-Jagst-Weg über Dörzbach nach Dainbach. Kann ich nur empfehlen!

War Mathe schon immer Ihr Lieblingsfach?

Müller: Das kann man schon sagen. Ich wollte immer alles ganz genau wissen und habe damit vermutlich auch einige meiner Lehrer am DOG genervt. Sie waren aber geduldig. Auch Physik interessierte mich immer sehr.

Woher kam die Idee zum Buch, spielt der Unterricht, den Sie am DOG genossen haben, eine Rolle?

Müller: Zuerst nochmal zum DOG: Ich hatte hochkompetente Lehrer, gerade in Mathematik und Physik. Unterricht ist heute in mancher Hinsicht anders, da hat sich viel verändert. Neue Methoden müssen aber nicht automatisch besser sein. Die Idee zum Buch kam eindeutig daher, dass es zwar viele „theoretische“ Bücher zum Thema Unterricht gibt, es fehlte aber ein Praxisbuch mit ganz konkreten Anregungen.

Haben Sie schon positive Resonanz aus der Praxis auf das Buch erhalten?

Müller: Ja, unter anderem vom Seminar Stuttgart, wo auch Referendare in Mathematik ausgebildet werden. Überraschenderweise bekam das Buch eine Bewertung von einer Sprachen-Lehrerin, die schrieb, etwas in dieser Art sucht man für die Geisteswissenschaften vergebens. Auch die auflockernden Illustrationen von Peter Sobik kommen sehr gut an.

Sind die Unterrichtstipps auch online-tauglich?

Müller: Sehr vieles ist auch online umsetzbar. Aber zunächst kurz ein gedanklicher Bogen: Das Buch ist vor ziemlich genau einem Jahr erschienen, da dachte man noch nicht an „Homeschooling“. Digitale Werkzeuge hätte ich natürlich trotzdem zum Thema machen können, eben für den „normalen“ Unterricht. Das habe ich bewusst nicht gemacht, da man am Anfang als Lehrer erstmal vieles lernen muss, was unabhängig von Digitalem ist: einen Gedankengang aufbauen, sich in Schüler reinversetzen, Schüler motivieren und so weiter. Jetzt wieder direkt zu Ihrer Frage: Zahlreiche Ideen aus meinem Buch lassen sich auch online umsetzen, zum Beispiel indem man ein Lernvideo dazu erstellt. Die Aufgaben aus dem Buch würden die Schüler bekommen und dazu Lösungen online einreichen. Auch die „Lückenfüller“, das ist ein eigenes Kapitel, könnte man so nutzen: Hier geht es unter anderem um einen verschwundenen Euro und Kamele, die man auf Erben aufteilen möchte. Das ist motivierend und hat alles einen mathematischen Grund.

Warum ein zweites Buch und was ist diesmal das Thema?

Müller: Bei meinem ersten Buch geht es um alle Gebiete, die im Mathe-Unterricht vorkommen, aus jedem natürlich nur Ausschnitte: Geometrie, Algebra, Funktionen und so weiter. Im neuen Buch geht es um ein bestimmtes Gebiet: Zufall. Die Mathematiker untersuchen diesen mit Wahrscheinlichkeiten. Stellen Sie sich folgendes vor: In einer Schachtel liegen drei rote und drei schwarze Kugeln, wobei die roten Kugeln Ihnen und die schwarzen mir zugeordnet sind. Wir beide ziehen blind abwechselnd jeweils eine Kugel. Gewonnen hat, wer als erster alle seine Kugeln gezogen hat. Sind Sie im Vorteil, wenn Sie als erster ziehen? Hier muss man keine Formeln auspacken. Man kann sagen: „Nein, denn jede der sechs Kugeln hat aus Symmetriegründen die gleiche Chance, als letzte gezogen zu werden“. Es ist also egal, wer beginnt. Jeder hat die gleiche Gewinnchance. So fängt unser Buch an. Ich schreibe es zusammen mit einer Mathematikerin und einem Mathematiker und es wird im Frühjahr 2021 erscheinen.

Wollen Sie sonst noch etwas loswerden?

Müller: Mathematik kann Spaß machen. Sie ist eigentlich „Denken pur“. Das müssen und können wir den Schülerinnen und Schülern vermitteln.

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